Österreichs Banken bremsen sich im Osten ein

5. August 2010, 13:54
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Von dem teilweise dramatischen Anstieg der notleidenden Kredite sind heimische Institute besonders betroffen

Wien - Von dem teilweise dramatischen Anstieg der notleidenden Kredite in den Ländern Mittel- und Osteuropas, hervorgerufen durch die Wirtschaftskrise, sind österreichische Banken besonders betroffen, weil sie gerade in den Ländern mit sehr ungünstiger Kreditentwicklung stark engagiert sind. So gilt derzeit etwa jeder vierte Kredit in Rumänien als "notleidend", ist also als zweifelhaft oder uneinbringlich eingestuft. Dennoch scheinen die österreichischen Beteiligungen in der Region profitabel zu sein und die Banken setzen ihre Expansion fort, wenn auch deutlich vorsichtiger als bisher, heißt es in einer aktuellen Analyse des FIW (Forschungsschwerpunkt Internationale Wirtschaft).

Mehr als die Hälfte der österreichischen Direktinvestitionen in Mittel- und Osteuropa (MOEL) entfallen auf den Finanzsektor - durchschnittlich sind es 54 Prozent aller FDI in diesen Ländern, in einigen Staaten wie Kroatien, Russland oder der Ukraine sogar bis zu 80 Prozent. Das dürfte auch der Grund für den überproportionalen Rückgang der österreichischen Direktinvestitionen in den MOEL im vergangenen Jahr sein: 2009 dürften in diesem Sektor vermutlich mehr Desinvestitionen und Rückzahlungen von firmeninternen Krediten erfolgt sein als Neuinvestitionen oder neue Kreditvergaben, heißt es im aktuellen "Policy Brief" des FIW, eines Gemeinschaftsprojekts von WIIW und Wifo.

FDI-Flüsse trocknen aus

2007 erreichten die Direktinvestitionszuflüsse österreichischer Unternehmen im Ausland mit 28,5 Mrd. Euro ihren Höhepunkt, 60 Prozent davon entfielen auf die MOEL-Region. 2009 kam es dann zum Absturz der österreichischen FDI-Aktivitäten auf 2,7 Mrd. Euro. Die österreichischen FDI-Flüsse nach Mittel-Osteuropa kamen mit 531 Mio. Euro fast völlig zum Erliegen.

Für die in der Region engagierten österreichischen Banken ist vor allem der prononcierte Anstieg der Problemkredite in mehreren Ländern ein Problem und erfordert zusätzlichen Finanzbedarf bei den Muttergesellschaften für Risikovorsorgen und Kreditabschreibungen. Der Anteil der notleidenden Kredite hat sich besonders in Rumänien dramatisch erhöht und hat im März 2010 bereits 25 Prozent erreicht - das heißt, dass jeder vierte Kredit in Rumänien bereits seit mehr als 90 Tagen überfällig und möglicherweise uneinbringlich ist.

Der Anstieg der notleidenden Kredite ist aber auch in anderen Ländern der Region beachtlich, etwa Kasachstan, der Ukraine, den Balkan-Ländern (außer Kroatien), Albanien, Rumänien und Russland, die sich ursprünglich über eine sehr niedrige Kreditausfallsrate auszeichneten. (APA)

 

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