Bezirksporträt Penzing

Otto Wagner in Sankt Hanappi

Sebastian Pumberger, 12. August 2010, 07:57
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    Das Gerhard-Hanappi-Stadion - hier ein Derby zwischen den Wiener Klubs Austria und Rapid - ist für manchen Wiener die quasi-religiöse Pilgerstätte "Sankt Hanappi".

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    Seit 2003 erinnern ein Mahnmal in Form von Lichtstelen an die Opfer der Euthanasieverbrechen "Am Spiegelgrund".

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    foto: apa/fohringer

    Eines der Wahrzeichen des Bezirks, die Otto-Wagner-Kirche "Am Steinhof".

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    Andrea Kalchbrenner ist seit 2001 Bezirksvorsteherin in Penzing. Hier ist sie bei der Tunneldurchschlagsfeier des Wienerwaldtunnels der ÖBB gemeinsam mit Werner Faymann, Margit Fischer und Rudolf Schicker zu sehen.

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    Bei den letzten Bezirksvertretungswahlen 2005 konnte die SPÖ, ÖVP und Grüne leicht zulegen, die FPÖ war der Wahlverlierer im Bezirk. Quelle: www.wien.gv.at

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    Ähnliches Ergebnis auf Gemeinderatsebene 2005, alle Parteien legen zu, einzig die FPÖ. Quelle: www.wien.gv.at

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    Bei der Nationalratswahl 2008 mussten SPÖ, ÖVP und Grüne hingegen Verluste hinnehmen, die FPÖ konnte zulegen. Quelle: www.wien.gv.at

Der 14. Wiener Gemeindebezirk ist politisch rot, sportlich bewegt und hat eine ambivalente Vergangenheit

Dort wo die Westbahn auf die Stadt trifft, beginnt Penzing, der 14. Wiener Gemeindebezirk. Eigentlich ist es am Stadtrand noch Hütteldorf. Penzing, der Bezirksteil selbst, befindet sich weiter im Stadtinneren. Von Gürtel bis Wienerwald, ob hügelige Aussicht über Wien oder Wiental - der Bezirk hat viele Seiten. Am Rande der Stadt arbeiten sich Einfamilienhäuser die Anhöhen hoch, in Gürtelnähe bestimmen alte Mietskasernen das Bild. Politisch ist Penzing fest in roter Hand.

Große Teile des Bezirks nördlich des Wienfluss wurden im 19. Jahrhundert zunächst dem 13. Bezirk angeschlossen und erst 1938 unter dem Nationalsozialismus gemeinsam mit Hadersdorf-Weidlingau zum 14. Bezirk zusammengefasst. Neben dem genannten Ort umfasst der Bezirk Breitensee, Baumgarten, Hütteldorf und Penzing.

Fußball und Otto Wagner

Der neben der Wiener Austria zweite Wiener Großklub, SK Rapid, hat in Hütteldorf seinen Sitz. Vom Zug aus sieht man das Gerhard Hanappi Stadion, benannt nach dem Rekord-Nationalspieler und Architekten des Stadions. Rapid, das ist für viele Fans nicht einfach Fußball, es ist beinahe eine Religion. Deswegen wird das Stadion auch Sankt Hanappi genannt, an Spieltagen ist die U4 auch von innen grün.

Ein anderer Ort religiöser Nutzung steht auf der Baumgartner Höhe, die von Otto Wagner geplante Kirche am Steinhof. Der Jugendstilarchitekt Wagner prägte nicht nur mit seinen Stadtbahnstationen und Wohnhäusern das Wien um 1900, sondern auch den 14. Bezirk. Wagner wurde in Penzing geboren und wohnte auch lange im Bezirk. Zwei Villen hat er hier für sich neben vielen weiteren Bauten erbaut. In der ersten Wagner-Villa - die noch im klassizistischen Stil errichtet wurde - wohnt und arbeitet mittlerweile der Künstler Ernst Fuchs, der hier auch ein Museum errichtet hat.

Euthanasieverbrechen "Am Spiegelgrund"

"Am Steinhof" befindet sich auch das Otto-Wagner-Spital, welches der Architekt mitentworfen hat. Das in Pavillions angelegte Krankenhaus wurde von 1904 bis 1907 als "Heil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Geisteskranke Am Steinhof" errichtet, nach und nach siedelten sich hier auch weitere Fachbereiche, wie eine Lungenheilstätte an. Im Jahr 2000 wurde die einzelne Heilstätten zu einem Spital zusammengefasst.

Während des Nationalsozialismus wurde in der Anlage - die bis dahin auch "Am Spiegelgrund" genannt wurde - rund 800 Kinder im Zuge der Euthanasie-Politik ermordet. Einer der maßgeblich beteiligten Täter, der Arzt Heinrich Gross, wurde nach dem Krieg nie belangt und agierte auch nach dem Krieg als Wissenschafter und Gerichtsgutachter. Gehirne und andere Körperteile der Opfer wurden in Gläsern konserviert und auch nach Ende des NS-Regimes für medizinische Forschung herangezogen. Erst 2002 wurde die Überreste von 789 Opfern bestattet, seit 2003 erinnert ein Mahnmal in Form von Lichtstelen an sie.

Zinshaus und Tunnel

Je weiter man Richtung Stadtmitte fährt, desto verbauter wird der grüne Bezirk, hier stehen alte Zinshäuser neben Kasernen des Bundesheeres. Auch das Technische Museum oder das Reinhardt-Seminar befinden sich in Penzing. Der Bezirk muss zurzeit noch durchfahren werden, wenn man sich mit dem Zug dem Westbahnhof nähert. Doch mittlerweile wird im Bezirksuntergrund eine Röhre gegraben, der Wienerwaldtunnel, der gemeinsam mit dem Lainzer Tunnel die Westbahn zum neuen Zentralbahnhof leiten soll. Mit der Hohen-Wand-Wiese beherbergt der Bezirk auch eine der wenigen Möglichkeiten in Wien Ski zu fahren, im Sommer flitzt man hier die Sommerrodelbahn hinunter.

Stetiges Wachstum

Ende 2008 wohnten rund 84.200 Personen im 14. Bezirk, 16,4 Prozent der Einwohner sind Ausländer. Penzing wächst weiter: Zwischen 2004 und 2008 ist die Bevölkerung um 4,6 Prozent angestiegen. Der Beginn des Wienerwalds macht sich auch in der Grünflächenstatistik bemerkbar, 48,6 Prozent des Bezirks sind Grünflächen, hinzu kommen noch 9,2 Prozent Parkanlagen. Nur 26,4 Prozent der Fläche Penzings sind verbaut. Das Durchschnittsalter im Bezirk beträgt 42,6 Jahre, 40,7 Prozent der Einwohner haben eine Lehre absolviert, 30 Prozent der Bewohner haben nur einen Pflichtschulabschluss. 16 Prozent der Bewohner haben eine Matura, rund 13,2 Prozent einen akademischen Abschluss.

Politisch Rot

Politisch ist der Bezirk sozialdemokratisch dominiert. Nur der erste Bezirksvorsteher direkt nach dem Zweiten Weltkrieg kam von der KPÖ, seit 1946 stellt die SPÖ die Bezirksvorsteher. Seit 2001 ist Andrea Kalchbrenner Bezirksvorsteherin in Penzing. Bei den letzten Bezirksvertretungswahlen im Jahr 2005 konnte die SPÖ 1,6 Prozent zulegen und kam auf 44,5 Prozent der Stimmen. Auch ÖVP (plus 3 Prozent auf 22,4 Prozent) und Grüne (plus 2,2 Prozent auf 16,6 Prozent) konnten dazugewinnen. Die FPÖ musste hingegen 6 Prozentpunkte einbüßen und kam auf 13,8 Prozent im Bezirk. Auf Gemeindeebene bot sich ein ähnliches Bild (siehe Grafiken links).

Bei der letzten Nationalratswahl im Jahr 2008 kam es anders: Im Vergleich zur vorangegangen Wahl im Jahr 2006 verlor die SPÖ im Bezirk 5,9 Prozent und kam auf 32,8 Prozent, die ÖVP verlor 4,9 Prozent und kam auf 18,7 Prozent, die Grünen verloren ebenfalls leicht und kamen auf 16,8 Prozent. Die zweitmeisten Stimmen erhielt die FPÖ, sie konnte ihren Stimmenanteil in Penzing um 5,4 Prozent auf 19,3 Prozent anheben. (Sebastian Pumberger, derStandard.at 12.8.2010)

Info zum Bezirk

Wahlberechtigte (2005): 60.502

Mandate in der Bezirksvertretung: SPÖ 25, ÖVP 12, Grüne 9, FPÖ 8

Bezirksvorsteherin: Andrea Kalchbrenner (SPÖ)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 109
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PETER METHER
10
25.8.2010, 07:33

Die Gemeinde Wien will im Baumgartner Geriatriezentrum die Kapelle – in der für die alten Insassen immerhin noch täglich eine Messe gelesen wird – schließen und daraus ein multikulturelles und multireligiöses Mehrzweckzentrum machen. Da bleibt für die künftige Verwendung wohl nur noch eine Frage offen: Mit oder ohne Muezzin? Die zweite Frage können wir uns eher ersparen, nämlich ob Wien noch einen katholischen Bischof hat, der mutig für seine mit dem Rücken zur Wand stehende Religion kämpft.
(c) Unterbeger

der letzte leser
00
22.8.2010, 23:21
Die ganzen Probleme aus Rudolfsheim

gibt es in Penzing also nicht?

Gut, das kann ja auch daran liegen, dass die "unschicke" Mariahilfer Straße an der Bezirksgranze endet. Sonst grenzen die Bezirke ja überhaupt nicht aneinander.

koSebi
 
00
25.8.2010, 10:19
doch die gibt es auch

jeden abend ab ca 9uhr. da brauchen sie nur auf der linzerstrasse herumspazieren. bis ameisgasse werden sie alle 5 meter "hallo schatzi" hören.

Chris_SM
00
14.8.2010, 20:19
Über ein Integrationsproblem der anderer Art

Also ich finde die Bezirksportraits wirklich interessant.
Wobei die Postings mind. genauso aufschlussreich sind wie die Text dazu. Bei Penzing sind die Postings weniger aufschlussreich, dies deshalb weil zuviel Fußball vorkommt. Auch ich habe ja dazu beigetragen...

Und ich muss trotz allem beim Fußball bleiben. Während hier im Text zu Penzing Rapid prominent erwähnt wird, kommt beim Text zu Favoriten die Austria mit keiner Silbe vor. Das liegt wohl nicht an der (angebl) Rapid-Lastigkeit des Standards, sondern eher daran, dass die bürgerlich-jüdische Austria ein "Zuagraster" ist, und bei weitem nicht so in Favoriten, auch was die Fans betrifft, verwurzelt ist wie Rapid in Penzing.

Prof. Alois
 
11
15.8.2010, 18:29
Da rühren Sie an Furchtbares

Wenn es stimmt, dass der Standard rapidlastig ist, dann ist das ein hübscher k leiner Skandal. Rapid Wien ist die einzige Subkultur in Österreich, die ungestraft ihren Antisemitismus ausleben darf.

Man kann bei Torberg nachlesen, wie das damals war mit den beiden jüdischen Vereinen Hakoah und Austria. Der erstere war im engeren Sinne religiös jüdisch gedacht und wurde 1938 verboten. Zweiterer war die eher weltliche Variante, die aber viele Spieler der Hakoah aufnahm. Der Rapidanhang weiß das. Und frönt seinem Antisemitismus seither ungebremst. Ein Edlinger verlässt nicht aus dem Stadion, wenn die ein Transparent hissen mit dem Text "Judas..."
Es ist unsauber, Rapidanhänger zu sein, bevor diese Vergangenheit nicht aufgearbeitet wurde.

duke box
00
16.8.2010, 11:41

inwiefern hat es mit antisemitismus zu tun, wenn ein paar (blöde) sogenannte fans ein transparent mit dem text "judas invanschits" aufhängen, wenn dieser spieler von rapid zu salzburg wechselt?

oder sind sie eine von denen, der die antisemitismuskeule bei jeder unspassenden gelegenheit schwingt?

auf einem fussballplatz waren sie offensichtlich schon länger nicht mehr.

Prof. Alois
 
00
16.8.2010, 17:19
Eine Antisemitismuskeule k enne ich nicht

Haben Sie da was mit der Faschismuskeule verwechselt?
Wenn Sie an einem Transparent, das für einen Verräter das Wort "Judas" verwendet, keine antisemitischem Tendenzen erkennen, dann gratuliere ich Ihnen zu Ihrer Naivität.
Dazu gibt es dann noch einschlägige Sprechgesänge und sogar Abziehbildchen.

Nachtwerker
 
10
13.8.2010, 10:24
@ Standard Red.

Die Wiener Bezirksporträts waren Anfangs etwas mau, werden aber jetzt immer besser!

Freigeistin1
10
13.8.2010, 10:04

HIER REGIERT DER SCR :-)))))

iohui
03
13.8.2010, 01:58

das imax ist auch schon vergessen.
schad drum.

traude winkler
42
12.8.2010, 20:30
Forza verde!

caffènoir
00
12.8.2010, 19:33

naja, also ich hab lange Zeit Linzer/John gewohnt. Gibt schönere Fegenden in Wien.

THE MGT.
10
13.8.2010, 05:01

Diese Beurteilung ist ungefähr so geistreich, wie zu sagen der ganze 1. Bezirk ist eine große Wiese, weil ich mal auf einer solchen am Heldenplatz gestanden bin.

§83SPG
02
12.8.2010, 19:02

"Von Gürtel bis Wienerwald"?????
Wo genau wird der 14. vom Gürtel begrenzt?
Fehlt mir da die Orientierung, oder dem Autor des Artikels?

THE MGT.
00
13.8.2010, 04:54
keep cool1
 
21
12.8.2010, 17:45
Sankt Hanappi - grau in grauer Betonklotz

War Gerhard Hanappi wirklich ein Architekt? Oder war dies nur sein Ehrentitel? Wenn ja wo hatte er studiert? Hässlicher könnte ein Stadion kaum sein! War sicher ein besserer Fußballer als Architekt!

duke box
00
16.8.2010, 11:44

ihr letzter satz trifft definitiv zu, hanappi war einer der wenigen weltstars, die der österreichische fußball hervorgebracht hat.

trotzdem war er auch architekt.

das stadion hat er allerdings ganz anders geplant, größer und in nord-süd ausrichtung.
seine entwürfe wurden von der stadt wien aus kostengründen zusammengestrichen, heraus kam ein kompromiss, inklusiver sinnloser west-ost-ausrichtung des stadions mitten im wiental, wo fast immer westwind weht.

GertschiM
00
12.8.2010, 19:00

Ich denke schon, dass er auch Architekt war. Auf seinem Grabstein am Hietzinger Friedhof steht "Dipl.Ing. Gerhard Hanappi 1929-1980"

markz4
00
12.8.2010, 17:32
man hätte die Graphische schon erwähnen können...

Araquin
00
12.8.2010, 17:21
Die Sargfabrik hätte man schon auch erwähnen können!

smaran
10
12.8.2010, 17:19
Als in Hietzing aufgewachsener musste ich früh diesem

grauslich verstaubten Mief des Konservatismus entfliehen und bin nicht weit, aber über den Wienfluss gezogen. Dort auf den Hügeln ist es herrlich. Traumhafte Gegend, symapthische Menschen, 10 Minuten mit dem Bus zur U Bahn und zu meiner Rapid. Um nix in der Welt will ich von dort wieder weg.

pfarrwiese
46
12.8.2010, 17:01
Welcher im Artikel so bezeichnete (angebliche) Wiener Großklub mit

Namen "Austria" könnte gemeint sein ? Mir fällt keiner ein.

chumly
01
13.8.2010, 09:15

Wahrscheinlich der, der vor der Rapid platziert war...

sol invictus
22
12.8.2010, 17:04
der autor scheint einer dieser

violetten komplexler zu sein.

fak & grossklub? rofl!

chumly
01
13.8.2010, 09:16

Sie scheinen wohl einer der grünen Komplexler zu sein. Aber ich versteh Sie ja! Es muss schon sehr weh tun, wenn man nur die Nr. 1 von Hütteldorf ist...

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