Erster bemannter Test mit Privat-Raumschiff

5. August 2010, 13:33
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Virgin Galactic will für 200.000 US-Dollar bereits 2012 Touristen auf Suborbital-Flug schicken - Weitere Pläne: Eine Reise zum Mond

London - Bei der Umsetzung seiner Geschäftsidee, den nahen Beinahe-Weltraum für Touristen zugänglich zu machen, konnte die Firma Virgin Galactic einen wichtigen Etappensieg erringen. Nach 18 Monaten dauernden Tests hat das Raumschiff SpaceShipTwo mit dem Namen VSS Enterprise erstmals einen bemannten Flug absolviert. Läuft alles nach Plan, könnte Virgin Galactic bereits 2012 erste Touristen losschicken. Eine Suborbital-Reise wird den betuchten Interessierten 200.000 Dollar kosten.

"Man sollte nicht bereits losrennen, solange man die Kunst des Gehens noch nicht beherrscht", erklärt Stephen Attenborough, Commercial Director von Virgin Galactic. "Sowohl bei diesen Tests als auch bei den später geplanten Weltraum-Fahrten steht die Sicherheit an oberster Stelle."

Viele Buchungen

Das Risiko einer folgenschweren Panne will Virgin Galactic so gering wie möglich halten. Schließlich gilt es potenzielle Interessenten und Sponsoren nicht zu verunsichern. Angesichts des stattlichen Preises von 200.000 Dollar ist die Buchungslage beeindruckend. "Bereits 360 Reisewillige haben eine verbindliche Reservierung abgegeben. An Vorabzahlungen konnten wir bereits eine Summe von 48 Millionen Dollar verbuchen", so Attenborough.

Bis heute kann sich jedoch einzig das US-Unternehmen Space Adventures damit rühmen, Privatpersonen tatsächlich ins All - und zwar ins tatsächlich - geschickt zu haben. Die Kooperation mit der staatlichen russischen Weltraumagentur ermöglichte bisher sieben Hobby-Astronauten den Besuch der ISS.

ISS-Besuch kosten das Hundertfache

Virgin Galactic pocht dennoch darauf der erste Anbieter zu sein, der echten Weltraumtourismus zu erschwinglichen Preisen ermöglicht. "Diese Flüge entsprechen nicht unserer Vision vom Weltraumtourismus. Denn dafür mussten die Teilnehmer sechs Monate Training absolvieren und Russisch lernen. Auch die Kosten von 20 Millionen Dollar pro Flug sind nicht mit unseren Angeboten vergleichbar", gibt Attenborough zu bedenken.

Anders als bei den besagten ISS-Flügen peilt Virgin Galactic einen suborbitalen Shuttleservice an, der Reisende in die Schwerelosigkeit, aber noch nicht in eine Umlaufbahn um die Erde führt. Damit können die Anforderungen bezüglich der nötigen Antriebskraft geringer als bei klassischen Shuttles gehalten werden. Auch der problematische Wiedereintritt in die Erdatmosphäre stellt bei suborbitalen Flügen ein weitaus geringeres Problem dar als bei Ausflügen in den Orbit.

Späteres Angebot: Mondreise geplant

Aber auch Space Adventures will sich nicht auf dem bisher Erreichten ausruhen und arbeitet mit Partnern bereits kräftig am Ausbau seiner Weltraumangebote. Neben bereits jetzt durchgeführten Parabelflügen, mit denen Schwerelosigkeit in der Erdatmosphäre simuliert werden kann, will man mit dem Unternehmen Armadillo Aerospace ebenfalls suborbitale Flüge anbieten.

Als spektakulärstes Projekt plant Space Adventures allerdings Reisen zum Mond. Die Vorbereitungen dafür haben bereits begonnen. Als Partner fungiert einmal mehr die russische Weltraumagentur. (red/pte)

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    Die Tests mit dem SpaceShipTwo - hier auf der Unterseite des Trägerflugzeugs WhiteKnightTwo - laufen laut Virgin Galactic gut; schon übernächstes Jahr könnte der kommerzielle Betrieb beginnen.

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