Vom Bergwerk zum Werk zum Wrack

5. August 2010, 16:58
  • Artikelbild
    foto: skarics

    Auch beim Verschrotten oder beim Recycling von Fahrzeugen ist noch großes Einsparungspotenzial vorhanden - sowohl aus finanzieller als auch aus ökologischer Sicht.

  • Artikelbild
    foto: werk

    Für die Ökobilanz spielt schon das Autowerk selbst eine Rolle (im Bild ein vorbildliches: BMW-Werk Landshut). Auch vor und nach Betrieb des Autos wird Energie gebraucht.

Ökobilanz und Nachhaltigkeitsuntersuchung sind wichtige Werkzeuge zur Erfassung der Umweltwirkung von Autos. Schon bei der Herstellung wird Energie verbraucht

Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass der Kraftstoffverbrauch alleine noch nicht die ganze Wahrheit ist, wenn es um Energieverbrauch und Umweltfreundlichkeit eines Fahrzeugs geht. Denn rund 15 Prozent (herkömmliches Auto) bis 25 Prozent (Hybridauto) des Kohlendioxid-Ausstoßes im Leben eines Automobils entstehen bereits bei dessen Produktion und Wiederverwertung. Wobei selbst diese unscharfen Angaben heiß umstritten sind, denn je nachdem, welche Kilometer-Fahrleistung eingesetzt wird, können diese Prozentsätze noch einmal stark variieren. Normalerweise rechnet man mit 150.000 Kilometern, aber die Fahrleistungen sind je nach Fahrzeugklasse sehr unterschiedlich, und eine Laufleistung von 300.000 Kilometern wäre mitunter auch realistisch. Dann würde sich der prozentuelle CO2-Anteil für die Herstellung halbieren.

Daraus lässt sich immerhin der Schluss ziehen, dass der Verbrauchsvorteil schon deutlich sein muss, damit es sich aus ökologischer Sicht rentiert, ein Auto vorzeitig zu verschrotten.

Eine brennende Frage ist natürlich, ob sich bei Fahrzeugen, die aus Hightech-Materialien bestehen, der Mehraufwand überhaupt ausreichend in einem niedrigeren Verbrauch niederschlägt, sodass für die Umwelt auch tatsächlich ein Vorteil herausschaut. Im Brennpunkt steht da immer wieder der Toyota Prius mit seinem Hybridantrieb. Teure, mit großem Energieaufwand herzustellende Batterien und konsequenter Leichtbau stehen unter Verdacht, die Energiebilanz schon bei der Herstellung enorm zu belasten. Aber diese Seite hat Toyota, zumindest nach eigenen Angaben, sehr gut im Griff. Durch Optimierung der Herstellungs- und Recyclingprozesse gelang es, den Energieaufwand bei der Produktion trotz des energetischen Mehraufwands insgesamt etwa auf dem Niveau eines herkömmlichen Fahrzeugs zu halten.

Der höhere Prozentsatz beim CO2-Ausstoß in der Herstellung eines Hybridautos hat seine Ursache also nicht in einem absolut größeren Energieaufwand bei der Produktion, sondern im erheblich geringeren Verbrauch während der Nutzung, zumindest auf dem Papier.

Ökobilanzen und Nachhaltigkeitsbericht gibt es schon seit den frühen 1990er-Jahren. Als Pioniere gelten Toyota, BMW und Daimler. Aber auch Hyundai, Renault und Honda haben laut der Studie Sustainable Value in der Automobilindustrie schon früh damit begonnen, ihre Prozesse umwelttechnisch zu optimieren. Große Hersteller wie Volkswagen oder General Motors haben dieses Thema etwas länger verdrängt. Mittlerweile ist es für einen Autohersteller aber unverzichtbar geworden, seine ökologische Gesinnung offenzulegen und damit durchaus auch zu prahlen. Der "Sustainability Report" ist so selbstverständlich geworden wie der jährliche Geschäftsbericht.

Genauso wie während des Betriebs noch große CO2-Einsparungen folgen werden, wird dies auch bei Produktion und Recycling der Fall sein müssen. Denn dort ist das CO2-Einsparungspotenzial ebenfalls enorm. Da in den vergangenen Jahren große Fortschritte direkt bei der Herstellung gemacht wurden, wird man nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern auch wegen steigender Transportkosten durch steigende Ölpreise bei der Bauteil-Logistik ansetzen müssen. Die weltweite Arbeitsteilung hat gewaltige Transportwege für die Komponenten zur Folge, noch bevor das zusammengebaute Auto überhaupt einen Kilometer gefahren ist. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/06.08.2010)

  • Gefährliche Elektroautos [136]

    Elektrische Spannungen und Ströme, aber auch die Elektromotoren selber bergen hohe Risiken

  • Konflikt Fahrrad versus Auto [268]

    Die Trennung von Rad- und Autoverkehr funktioniert nicht wirklich. Radwege mögen das richtige Symbol sein, aber nicht immer die richtige Lösung

  • Vom autonomen Autofahren [42]

    Autofahren ist vor allem in Ballungsräumen nicht mehr lustig und um das erste verdiente Geld auszugeben gibt es genügend Alternativen zum Auto

  • Start-Stopp: Es gibt längst Besseres [86]

    Die Zukunft gehört Systemen mit Starter-Generator, der unauffällig zwischen Stillstand, Elektro- und Verbrennungsmotorbetrieb wechselt

  • Verkehr in Megacitys [3]

    Die Autoindustrie liefert Konzepte für den Autoverkehr in künftigen Megacitys und denkt über besonders kleine und smarte Fahrzeuge nach

  • Zugfahren als Schnäppchenjagd [185]

    Die Bahn hält Neukunden konsequent fern. Alternativen sind die neue Westbahn - oder der private PKW

  • Radfahren: Fit, aber tot? [256]

    Je mehr Radfahrer sich auf den Straßen tummeln, umso mehr Unfälle gibt es auch

  • Autosalon als Spiegelbild [3]

    Die heurige Automobilausstellung in Frankfurt kehrt auf den ersten Blick wieder ziemlich auf den Boden der Tatsachen zurück

  • Das Auto braucht Straßen [86]

    Das Auto braucht eine Infrastruktur, nämlich Straßen, und die schenken uns die Autohersteller nicht dazu

  • Autofahren mit Biogas [39]

    Biogas wird im Wesentlichen aus landwirtschaftlichen "Abfällen" hergestellt, tritt also nicht in unmittelbare Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion

  • Pendlerpauschale ade? [379]

    Eine hohe Mobilität von Arbeitskräften ist eine Grundlage unseres Wirtschaftslebens. Die CO2-Diskussion betrifft vor allem auch die Pendler

  • Mit den Waffen der Gegner [99]

    Gijs Mom macht sich schon lange Gedanken, warum der Elektromotor vor 100 Jahren den Wettlauf mit dem Verbrennungsmotor verlor

  • Abgas-Erregungsakrobatik [19]

    Bis heute spielen die kompromisslosen Autoverteidiger eine lautstark polternde, aber ziemlich nutzlose Rolle

  • Feinstaubalarm beim Ottomotor [81]

    Die Regelung Euro 5 sieht eine Begrenzung der Partikelmasse vor. Aber nur mit der Partikelmenge lässt sich der Feinstaubanteil erfassen

  • Feindbild Automobil (III) [20]

    Die Existenz zu vieler Autos wird zwar beklagt, als Jobmoter sind Autofabriken aber nach wie vor gerne gesehen

  • Feindbild Automobil (II) [103]

    Fahrrad- und Automobilfahrer waren einst Freunde. Die Freundschaft hatte ein Ende, als das Auto dem Rad davonfuhr

  • Feindbild Automobil (I) [71]

    Das Auto hatte es Anfangs ganz und gar nicht leicht, sich durchzusetzen

  • Porsche-Preis fürs Lichtsparen [21]

    Der Prof.-Ferdinand-Porsche-Preis der TU Wien geht dieses Jahr an Wolfgang Huhn (Audi) und Kamislav Fadel (Automotive Lightning)

  • Gasgeben wörtlich genommen [12]

    Mit steigenden Kraftstoffpreisen werden Alternativen zu Benzin und Diesel zusehends interessanter, insbesondere Erdgas

  • Gummi braucht Straße

    Die Hoffnung der Autobranche lautet, in den derzeit noch weniger entwickelten Ländern im Laufe der Zeit auf über 500 wie bei uns aufschließen wird

  • Elektromotor rettet Verbrennungsmotor [41]

    Das diesjährige Wiener Motorensymposium prophezeite revolutionäre Zeiten im Automobilbau

  • Flexibler Motorenpapst [43]

    Es werden nur jene technischen Lösungen kommen, für deren Erforschung und Umsetzung in die Praxis sehr viel Geld ausgegeben wird

  • Auf ins Energiesparadies [8]

    Wahrscheinlich befinden wir uns jetzt im letzten Drittel des Erdölzeitalters - und auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger

  • Mit dem Rotstift durch die Verbrauchstabelle [60]

    Mercedes senkt mit Akribie den CO2-Ausstoß seiner E-Klasse, jedenfalls auf dem Papier

  • Automatik ohne Mehrverbrauch [197]

    Mit manuellem Schaltgetriebe, automatischem Doppelkupplungsgetriebe und Wandlerautomatik werden heute in etwa die gleichen Verbrauchswerte erzielt

Kommentar posten
17 Postings
weana beinhart
00
29.8.2010, 18:31
Aber

man vergisst leicht die Trotteln, die einen Kilometer nach der Auslieferung einen Totalschaden haben. Und mit denen ist immer zu rechnen. 300.000 km ist illusorisch...

Andreas N
00
21.8.2010, 07:44
die Berechnung des Energieaufwands...

.... beim Erzeugung eines Autos sollte man nicht auf ein Neuauto sondern auf die geschätzte Restlebensdauer beziehen. Man verschrottet ja z.B einen 15 Jahre alten Wagen, den man theoretisch noch 5 Jahre fahren kann und dann bricht er auseinander

Andreas N
00
21.8.2010, 07:42
Verschrotten von Altautos

Neben dem Energiebedarf wär der Schadstoffausstoss vielleicht auch noch mitzurechnen und außerdem die Fahrzeugsicherheit. Alte rußende Golf 2 können vielleicht noch einige Jahr weitergefahren werden, aber durch einen gebrauchten Golf V mit Rußfilter und höherer Sicherheit erzielt man ja auch den Effekt wie weniger Feinstaub und weniger Verkehrstote und Verletzte

Kapitalismus Luege
11
15.8.2010, 11:55
Lebensstil ändern

2050 gib't 50% mehr Menschen (9 Mrd),
und die 3. Welt industrialisiert sich.

öffentlichen Verkehr ausbauen (mit erneuerbare Energien),
working from home statt ins Büro fahren,
dezentrale, lokale und u.U. saisonale Fertigung (Ernte), ...
Freiheitsgüter

http://blog.rosalux-europa.info/de/2010/0... formation/

Parkschwein
20
16.8.2010, 14:37

wer meint dass von zu hause arbeiten auch nur annähernd so gut funktioniert wie im büro arbeiten, hat von arbeit keine ahnung. naja bei nem kommunisten kein wunder.

Entropix
01
also mein Auto

"verbraucht" überhaupt keine Energie ;-)

tablespace65
23
Das Ganze ist doch nur ein "Streit um des Kaisers Bart"!

Meines Erachtens ist es doch völlig irrelevant, mit welchen Zahlen versucht wird, die Ökobilanz von Kfz schönzureden.

Es ist doch völlig egal, ob der CO2-Ausstoß jetzt bei 15 oder 25% liegt und ob mit einem Pkw 100.000, 200.000 oder 500.000 km gefahren werden. Wenn uns die Ökobilanz wirklich wichtig ist und wir von einem "nachhaltigen Lebensstil" überzeugt sind, dann müssen wir uns einfach damit abfinden, dass wir mittel- und langfristig vom Straßenverkehr in der jetzigen Form Abschied nehmen müssen.

Was nützen eine ressourcenschonde Produktion und moderne technisch hochstehende Motoren bzw. Fahrzeuge, wenn die Anzahl der Fahrzeuge kontinuierlich steigt?

*esofan*
11

langlebige autos werden nicht (mehr) produziert und recycelbare autos sind auch mangelware. leider.

the hag o'hags (aka Esme Weatherwax)
12

Die heutigen Autos sind sicher langlebiger als sie es in den 70ern und 80ern waren, wo sie bei den meisten Herstellern beim lustigen Wegrosten zuschauen konnten. In den 90ern kamen dann die gnadenlosen Zu-Tode-Sparer a la Lopez, was sich natürlich auch auf die Langlebigkeit ausgewirkt hat.

Bei modernen Autos ist weniger die Langlebigkeit das Problem als die Tatsache, dass sich viele Reparaturen, die an sich Kleinigkeiten wären, einfach nicht mehr auszahlen, weil sie den Zeitwert übersteigen. Wenn sie z.B. Xenon-Scheinwerfer haben, bei denen das Glas stumpf wird, werden sie die 2000€, die der Tausch kostet, nicht mehr investieren, wenn das Auto nur mehr einen Zeitwert von 5000-6000€ hat, ergo, tadelloses langlebigees Auto -> Schrott.

hast1
30
"Wenn sie z.B. Xenon-Scheinwerfer haben, bei denen das Glas stumpf wird,"

mir ist noch nie ein stumpfes scheinwerferglas bei einem auto vor 1990 untergekommen, und ich hatte schon viele scheinwerfer in der hand (großteils aus den 50er und 60er jahren.

"Tatsache, dass sich viele Reparaturen, die an sich Kleinigkeiten wären, einfach nicht mehr auszahlen, weil sie den Zeitwert übersteigen."

-das nennt man dann verkürzte lebensdauer. diese richtet sich immer nach der kosten/nutzen rechnung.

2000euro ? um das geld bekommt man bei etlichen alten autos einen neuen motor. was deren lebensdauer wiederum erh. verlängert.
all diese an sich kleinen (aber teuren) rep., die sie meinen, können bei einem alten auto nichteinmal theoretisch anfallen, da diese teile oder systeme beim alten auto nicht existieren.

the hag o'hags (aka Esme Weatherwax)
00

Nix anderes wollte ich mit meinem Posting ausdrücken.

Nur: Wenn sie einmal selbst mit einem Auto mit Xenonscheinwerfern gefahren sind, dann werden die das nie mehr missen wollen und genauso geht's mit vielen anderen Dingen, die heutige Autos besser, aber scheinbar weniger langlebig machen.

Billige Technik hat eben auch ihre Nachteile.

gxe10sc
00

"langlebige autos werden nicht (mehr) produziert "

wie können Sie jetzt schon wissen ob die aktuellen modelle langlebig sind oder nicht?

zugegeben, der gendanke kommt mir auch ständig (aka 'früher war alles besser'). auch damals bei meinem (ex) 99er avensis und der hat mittlerweile über 360tkm oben ;-)

lie to me
 
02

Von welche Autos ist da die rede ????
Bei 150000 Kilometern wechsle ich das erste mal das Öl.

Mann40
00

@lie to me

he he, welches Auto fahren Sie denn? ;-)

lie to me
 
00
Ist nur ein Opel aber der ölfilter ...

... http://www.trabold.de/hp2.htm

der kann was.

Mann40
00

danke sehr für den Link, nach dem Durchlesen fand ich es eigenartig, dass die Seite sehr amateurhaft wirkt.

wenn der Filter bereits 1999 ausgezeichnet wurde und so gut sein sollte, hätte ich mir einen professionelleren Auftritt erwartet...hm

anna b
11

"Normalerweise rechnet man mit 150.000 Kilometern, ... eine Laufleistung von 300.000 Kilometern ... auch realistisch. Dann würde sich der prozentuelle CO2-Anteil für die Herstellung halbieren."

Nein. Sagen wir Herstellung verbraucht 25 CO2-Einheiten, Fahrleistung 75 (bei 150.000 km), also liegt der CO2-Anteil bei der Herstellung bei 25%.

Verdoppelt man die 75 auf 150 (300.000 km also, zusätzl. Reparaturen vernachlässigt) macht der CO2-Anteil bei der Herstellung immer noch über 14% aus, und nicht etwa die Hälfte.

Trotzdem sehr intelligent, auch über die Herstellung nachzudenken. Evt. auch, dass (leicht abbaubare) Rohstoff begrenzt sind und sich größtenteils in politisch instabilen Ländern befinden.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.