"Fade into Life"

Mit Musik aus der Sucht

5. August 2010, 09:57
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    foto: apa/armin weigel

    Der aktivierende und entspannende Charakter von Musik bietet Suchtkranken eine Chance für Veränderung.

"Kalksburg" geht neue Wege in der Suchttherapie - Wiener Anton-Proksch-Institut setzt auf Kreativität seiner Patienten

Wien - Suchtpatienten zurück ins Leben führen soll das am Mittwochabend im Rahmen eines Pressegesprächs in der Wiener Innenstadt präsentierte Projekt "Fade into Life" des Anton-Proksch-Instituts Kalksburg. Mithilfe der Kunst entdecken diese die eigene Kreativität und den Wert der Gemeinschaft. Oft bietet sich darüber hinaus eine neue Möglichkeit, die Vergangenheit zu verarbeiten. "Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist", zitierte Psychologe Oliver Scheibenbogen den großen französischen Schriftsteller Victor Hugo.

Kunst als Zugang zu sich selbst

Europas größte Suchtklinik, im Volksmund immer noch salopp "Kalksburg" genannt, geht neue Wege in der Therapie. Die Patienten texten, komponieren, musizieren und können am Ende eine CD produzieren oder vor Publikum auftreten. Das Anton-Proksch-Institut setzt in diesem seit 2009 erfolgreich durchgeführten Projekt auf Freiwilligkeit - Kunst als Zugang zu sich Selbst und den oft jahrelang unterdrückten und abgestumpften Emotionen. Nun stellten die Verantwortlichen die Ergebnisse einer ersten Evaluierung vor. Mit einer Haltequote von 98 Prozent erweist sich "Fade into Life" als Erfolgsprojekt - nur zwei Prozent springen wieder ab.

Projektinitiatorin und Verwaltungsdirektorin Gabriele Gottwald-Nathaniel erläuterte Idee und Hintergründe: Das Programm wurde ins Leben gerufen, um Patienten nach abgeschlossener Therapie eine möglichst niederschwellige Möglichkeit zu geben, ihre Kreativität zu entdecken und Sozialkontakte zu knüpfen. Oder, wie Gabriele Gottwald-Nathaniel es ausdrückte "um nicht isoliert in der eigenen Wohnung zu sitzen". Die Idee hatte die gelernte Sozialarbeiterin in privatem Rahmen - mittlerweile haben rund 200 Patienten an dem außergewöhnlichen (Re-)Integrationsprogramm teilgenommen. Acht Lieder wurden auf CD gebrannt, eine Band und ein Chor gegründet und zahlreiche Auftritte vor Publikum absolviert.

Fokus auf Ressourcen

Projektleiter Scheibenbogen betonte, gerade in der Suchttherapie werde oft auf die Defizite und nicht die Ressourcen fokussiert. Das "Projekt Abstinenz zu verkaufen" sei grundsätzlich "äußerst unattraktiv". Der mobilisierende und aktivierende, aber auch entspannende Charakter von Musik biete eine große Chance für Veränderung.

"Fade into Life" verknüpft Ziele der Suchtbehandlung mit dem Beginn eines sinnerfüllten, freudvollen Lebens. Ein mobiles Tonstudio steht rund um die Uhr zur Verfügung, ein Profi-Musiker unterstützt die Patienten. Gemeinsames Musizieren, das Erlebnis eines Bühnen-Auftrittes und die Erfahrung, etwas aus eigener Kraft und mit vereinten Kräften erreicht zu haben, fördern die (Re-)Integration erheblich, so die Initiatoren.

Und was raten die Experten Angehörigen und Betroffenen grundsätzlich im Umgang mit Suchterkrankungen? "Ja zur Person, Nein zur Sucht". Radikale Lösungen und Interventionen sind, den Experten zufolge, abzulehnen; Grenzen setzen und diese konsequent verteidigen der beste Weg. Wer mit der Thematik in Berührung kommt - und sei es im entfernteren Bekannten- oder Kollegenkreis - kann sich in Kalksbug Hilfe und Beratung holen. Hier lernt man Handlungskompetenzen im oft hilflosen Umgang mit Sucht und Abhängigkeit. (APA)

(S E R V I C E - Kontakt zu und Informationen über Europas größte Suchtklinik: Anton-Proksch-Institut Wien-Kalksburg: http://www.api.or.at/typo3/index.php)

 

roßmann
00
Super Sache!

und der Sieger darf dann auf Tour mit dem "Kollegium Kalksburg"! ;-)

http://www.youtube.com/watch?v=z... re=related

fritz hayaelmoco
00

sein und schein - im falle des anton proksch institutes sind das zwei welten.

tja_echt_blöd
01
was genau meinen Sie damit?

das würd mich wirklich interessieren! Danke für eine Antwort

Dr. Muffel
02
Die Frage ist:

singen die jetzt alle wie Orpheus - hoffentlich nicht, schließlich nahm der besagte lt. Sage ein garstig' Ende, als ihn trotz seiner Sangeskünste die trunkenen Gespielinnen des (ausgerechnet) Dionysos abmurksten.

Oder singen sie (gemäß den- dem Hörensagen nach- neuen Therapieansätzen in philosophoiden, ästhetizierenden Denkmustern) Variationen des berühmten: "dont worry, be happy" ?

Aber wie auch immer, Hauptsache es hilft, die Singerei in der größten Suchtklinik Kalksburgs ("Europas" muss ein Irrtum sein, ausser man zählt z.B. Holland nicht zu Europa ;)

Justin Credible
10
nachdem

der Durchschnittsmusiker dem Alk ja sowieso nicht abgetan ist, ist das doch ein schöner weg an eine "gratis" CD-Produktion zu kommen! :>

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