Zeit zur Eindämmung der Seuche drängt

25. April 2003, 15:04
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Kampf gegen SARS immer aussichtsloser - Weltweit bisher 4.439 Fälle und 263 Todesopfer - Staaten beraten Strategien

Kuala Lumpur/Peking/Toronto/Shanghai - Die Abriegelung eines weiteren Krankenhauses in Peking sowie zusätzliche drastische Quarantänemaßnahmen gegen SARS haben am Freitag in China unter der Bevölkerung die Panik vor der Krankheit angefacht.

Kontrollposten rund um die chinesische Hauptstadt

Rund um die chinesische Hauptstadt wurden Kontrollposten eingerichtet, um SARS-Kranke am Verlassen der Stadt zu hindern. Gerüchte besagten, dass die Menschen in der 13-Millionen-Einwohner-Metropole völlig abgeriegelt werden sollten. Dies wurde aber von den Behörden als Gerücht bezeichne. Rund 4.000 Menschen, die in Kontakt zu Infizierten standen, wurden zu Hause unter Quarantäne gestellt.

Sechs neuen Todesfälle in Hongkong

Mit sechs neuen Todesfällen stieg die Zahl der Toten in Hongkong auf 115. In Peking brodelte die Gerüchteküche: Die Armee solle die Hauptstadt abriegeln, hieß es. Sämtliche Bahnverbindungen sollten gestrichen werden, um die Flucht aufs Land unmöglich zu machen, behaupteten manche. Sogar von einer möglichen Verhängung des Kriegsrechts war die Rede. Doch auch das wurde von offiziellen Stellen vehement dementiert.

Weiteres großes Krankenhaus unter Quarantäne

Die Pekinger Behörden stellten jedenfalls ein zweites großes Krankenhaus unter Quarantäne, in dem mehr als 100 SARS-Patienten behandelt werden. Auch die rund 600 Ärzte, Krankenschwestern und sonstiges Personal durften das Gebäude nicht mehr verlassen. Am Vortag war bereits ein Volkskrankenhaus mit mehr als 1.000 Patienten und Angestellten unter Quarantäne gestellt worden.

103 neue Patienten an einem Tag

Die Zahl der Erkrankten mit dem Schweren Akuten Atemwegssyndrom (SARS) in Peking steigt weiter drastisch. Innerhalb eines Tages kamen in der chinesischen Hauptstadt 103 Patienten hinzu, wie das Gesundheitsministerium am Freitag berichtete. Damit hat Peking 877 Erkrankte.

Rund 4.000 Menschen, durften Häuser nicht verlassen

Rund 4.000 Menschen, die mit Infizierten in Kontakt waren, durften ihre Häuser nicht verlassen, wie der Vizechef der Pekinger Gesundheitsbehörde, Guo Jiyong, sagte. Studenten wurde das Verlassen der Hauptstadt während ihrer einwöchigen Semesterferien untersagt. Auch Pendler wurden aufgefordert, sich nicht aus Peking zu bewegen. Gebäude oder Plätze, in denen SARS-Fälle entdeckt wurden, wurden gesperrt. Betroffen waren unter anderem Fabriken, Schulen, Restaurants und Behörden. Viele Menschen tätigten Hamsterkäufe.

Straßensperren

Um die Straßensperren zu passieren, mussten Reisende nachweisen können, dass sie keine Symptome des Schweren Akuten Respiratorischen Syndroms (SARS) aufweisen, wie ein Polizeioffizier sagte. Die für Ende Mai geplante Pekinger Buchmesse wurde auf September verschoben. Die Pekinger Stadtverwaltung warnte vor schwer wiegenden wirtschaftlichen Folgen von SARS. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums waren allein in Peking 877 Menschen an der atypischen Lungenentzündung erkrankt. Im ganzen Land erhöhte sich die Zahl der SARS-Fälle auf 2.601.

Weltweit bisher 4.439 Fälle und 263 Todesopfer

Weltweit waren bis Donnerstag am Abend laut Weltgesundheitsorganisation WHO 4.439 Fälle und 263 Todesopfer in Folge von SARS registriert worden. Laut dem Wiener Reise- und Tropenmediziner Univ.-Prof. Dr. Herwig Kollaritsch gibt es allerdings deutliche Anzeichen dafür, dass die Zahl der Neuerkrankungen in zahlreichen betroffenen Regionen in Asien abnimmt. Die Zahl der vermuteten SARS-Fälle sei vor allem in die Höhe geschnellt, weil China längere Zeit keine Erkrankungen gemeldet hätte, erklärte er gegenüber der APA.

WHO Reisewarnungen aufrecht

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hielt an ihrer Empfehlung fest, von Reisen ins kanadische Toronto abzusehen. Dasselbe gelte für Peking und die nordchinesische Provinz Shanxi, teilte die Genfer Behörde mit. Mit der grassierenden atypischen Lungenentzündung wollten sich die Gesundheitsminister des Verbandes südostasiatischer Staaten (ASEAN) bei einem Treffen am Samstag in Kuala Lumpur beschäftigen.

Kanada wehrt sich gegen SARS-Reisewarnung

Mit scharfen Worten hat sich unterdessen Kanada gegen eine SARS-Reisewarnung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gewehrt, die nach Aussage kanadischer Regierungsvertreter politisch motiviert sei. "Offen gesagt, die WHO hat uns eine reingehauen", sagte der Ministerpräsident der Provinz Ontario, Ernie Eves am Donnerstag. Kanada ist das einzige Land außerhalb Asiens, in dem Patienten an dem Schweren Akuten Atemwegssyndrom (SARS) gestorben sind.

Leere Hotels in Toronto

Nach der Reisewarnung sind in der Wirtschaftsmetropole Toronto Konferenzen abgesagt worden, Hotels leeren sich von Geschäftsreisenden und Touristen, und auch die Einkaufsstraßen sind leer. Die Stadt trägt 20 Prozent zur kanadischen Wirtschaftskraft bei.

WHO hofft auf Ausrottung

Die WHO hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, SARS komplett auszurotten. "Andererseits schwindet natürlich diese Hoffnung mit jedem Tag, der verstreicht und an dem mehr Fälle gemeldet werden", sagte das deutsche Mitglied im WHO-Untersuchungsteam, der Frankfurter Virologe Wolfgang Preiser, am Freitag. (APA/Reuters/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Sicherheitsbeamte vor einem der streng bewachten Pekinger Krankenhäuser

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