Städtevergleich

25. April 2003, 10:41
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Wenn man aus dem Nichts heraus (aus Wien) reisend einen Tag in Hamburg verbringt, zurückkehrt und Vergleiche anstellt, dann gelangt man zum Beispiel zu folgenden Schlüssen:

1.) In Wien gibt es, abgerundet, keine Fahrräder.

2.) In Wien sagt man, selbst wenn man es stündlich tut, viel zu selten "Tschüss" zu jemandem, den man weder kennt noch kennen lernen will und auch keinen Grund hat, sich von ihm zu verabschieden, da man ihn ja auch nicht begrüßt hat.

3.) In Wien sagt man, "es geht", aber diejenigen, die laufen, die laufen wirklich. In Hamburg sagt man, "es läuft", aber diejenigen, die laufen, die laufen gar nicht, sondern die gehen. ("Power-Walking".) Vermutlich entsteht so der neue norddeutsche Fortschritt, der 2010 das Wirtschaftswunder einläuten wird.

4.) Wenn man in Wien an einer belebten Straße grübelnd über einen Stadtplan gebeugt steht, dann stünde man einen Tag später ung'schaut noch immer so dort. Wenn man in Hamburg seinen Schritt verlangsamt und den Blick mit einem Anflug von Verlorenheit über eine Gebäudezeile streifen lässt, ist man umringt von Hansestädtern, die einen fragen, ob sie einem behilflich sein können. Und wenn nicht, dann immerhin: Tschüss! (Der Standard, Printausgabe, 25.04.2003)

Von
Daniel Glattauer
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