Verringerte Mortalität

25. April 2003, 09:47
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Studien: Mammographie senkt Brustkrebstodesrate

London/Stockholm/Rotterdam - Schwedische und niederländische Wissenschafter haben in groß angelegten Studien jetzt belegen können, dass die regelmäßige Mammographie die Brustkrebssterblichkeit stark senkt. So halbierte sich die Mortalität in Schweden. In den Niederlanden ging sie ab der Einführung eines solchen Programms um jährlich bis zu 1,7 Prozent zurück.

"Im Vergleich zu den Todesraten in den Jahren 1986 bis 1988 fiel die Todesrate bei den Frauen zwischen 55 und 74 Jahren ab 1997, wie dies vorhergesagt worden war, und erreichte ein Minus von 19,9 Prozent im Jahr 2001. Die (Brustkrebs-)Sterblichkeitsrate war - bevor das Screening-Programm eingeführt worden war - um jährlich 0,3 Prozent gestiegen. Danach registrieren wir einen jährlichen Rückgang um 1,7 Prozent bei den 55- bis 74-Jährigen und um 1,2 Prozent bei den 45- bis 54-Jährigen", stellen Dr. Harry HJ. de Koning von der Abteilung für Sozialmedizin der Universität Rotterdam in der neuesten Ausgabe der britischen Fachzeitschrift "The Lancet" (26. April) fest.

Ausgeweiteter Pilotversuch

Die Wissenschafter verglichen die Daten von 27.948 niederländischen Frauen, die zwischen 1980 und 1999 bis 2001 im Alter zwischen 55 und 74 Jahren an einem Mammakarzinom gestorben waren. In den achtziger Jahren war in Utrecht und Nijmegen ein Pilotversuch mit einem Mammographie-Programm für Frauen zwischen 50 und 69 Jahre gestartet worden. Es wurde schließlich auf das gesamte Land ausgeweitet.

Ganz ähnlich sind die Ergebnisse einer Studie von Dr. Stephen Duffy von der Abteilung für Krebs-Epidemiologie der Queen Mary University of London an Hand von schwedischen Daten. Dabei wurden die Krebs-Daten von 210.000 Frauen im Alter zwischen 20 und 69 aus den Jahren 1958 bis 1977 in zwei schwedischen Regionen mit jenen aus dem Zeitraum von 1978 bis 1997 verglichen. Ab 1977 gab es dort ein Brustkrebs-Früherkennungsprogramm.

Je nach Alter

Auch dort sank die Brustkrebs- und die Krebssterblichkeit insgesamt nach Einführung des Programms. Zwar gab es keinen Einfluss auf die Brustkrebs-Mortalität in der Altersgruppe der 20- bis 39-Jährigen, doch bei den 40- bis 69-Jährigen, die zur Mammographie gegangen waren, sank die Sterblichkeit durch diese Krankheit um 44 Prozent.

Der Präsident der Österreichischen Krebshilfe, der Wiener Gynäkologe Univ.-Prof. Dr. Paul Sevelda, sprach sich vergangenes Jahr vehement für solche Programme aus: "In Österreich erkranken pro Jahr an die 5.000 Frauen an Brustkrebs, etwa 1.600 sterben daran. Würden 85 Prozent der Frauen regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung gehen, könnte man die Anzahl der Todesfälle um rund 500 reduzieren."

Empfehlungen

Im frühen Stadium diagnostiziert, ist fast jede Mammakarzinom-Erkrankung heilbar, verstümmelnde Operationen können unterbleiben. Empfohlen wird eine Mammographie-Untersuchung zumindest alle zwei Jahre im Alter zwischen 40 und 70, die monatliche Brust-Selbstuntersuchung und eine jährliche Brust-Tastuntersuchung durch den Arzt. Dem gegenüber erklärte die aus Österreich stammende Hamburger Expertin Dr. Ingrid Mühlhauser erst im Jänner dieses Jahres, dass ihrer Meinung nach Mammographie-Programme die Brustkrebs-Sterblichkeit nur sehr gering reduzieren und der Wert solcher Programme übertrieben dargestellt werde. (APA)

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