Bayer sieht sich wieder auf dem Weg nach oben

25. April 2003, 13:32
posten

Umsatz und Ergebnis in den ersten drei Monaten gestiegen - Personalabbau wird fortgesetzt - Immer mehr Lipobay-Verfahren

Köln - Nach einem schlechten Jahr 2002 sieht sich der Chemie- und Pharmakonzern Bayer wieder im Aufwind. Vorstandsvorsitzender Werner Wenning teilte am Freitag bei der Hauptversammlung in Köln mit, der Umsatz im ersten Quartal sei um nominal vier Prozent auf 7,3 Mrd. Euro gestiegen, währungsbereinigt betrage das Plus mehr als 15 Prozent. Nach vorläufigen Daten sei auch das operative Ergebnis höher ausgefallen als im ersten Vorjahrs-Quartal (840 Mio. Euro). Der 2002 beschleunigte Personalabbau wird auch heuer mit dem Abbau von 2.000 Jobs fortgesetzt.

Insgesamt erwarte Bayer für das laufende Jahr eine Steigerung des operativen Ergebnisses im zweistelligen Prozentbereich, sofern sich die Rahmenbedingungen nicht gravierend verschlechterten, sagte Wenning. Im Jahr 2002 war das operative Ergebnis des in einer massiven Umstrukturierung steckenden Konzerns vor Sonderposten um 46 Prozent auf 989 Mio. Euro eingebrochen. Der Umsatz sank um 2,2 Prozent auf 29,6 Mrd. Euro. Nur Milliardeneinnahmen aus Unternehmensverkäufen ließen den Konzerngewinn um 10 Prozent auf 1,1 Mrd. Euro steigen.

"Ermutigende" Entwicklung

Wenning nannte die Entwicklung der ersten drei Monate des Jahres "sehr ermutigend". Angesichts der unsicheren Weltwirtschaftslage, die eine Erholung in Deutschland frühestens Ende des Jahres erwarten lasse, setze Bayer für das Jahr 2003 vor allem auf die eingeleiteten Maßnahmen zur Verbesserung seiner Ertragskraft. Der Konzern wolle allein im laufenden Jahr Einsparungen von 600 Mio. Euro vor Sonderposten erreichen. Die Nettoverschuldung solle um etwa 2 Mrd. Euro auf rund 7 Mrd. Euro sinken.

Um die Ertragskraft zu stärken, beschleunigte der Konzern auch den Personalabbau. Statt wie geplant 3.000 wurden im abgelaufenen Jahr 3.600 Arbeitsplätze abgebaut. Auch in diesem Jahr sollen allein in Deutschland wieder mehr als 2.000 Arbeitsplätze gestrichen werden. Bis Ende 2005 sehen die Planungen weltweit den Wegfall von rund 12.000 Stellen vor. Bayer hatte Ende 2002 weltweit etwa 122.600 Mitarbeiter, in Deutschland rund 51.500.

Lipobay

Ein Problem bedeuten für Bayer weiterhin die Folgen des Debakels um den nach weltweit rund 100 möglicherweise damit zusammenhängenden Todesfällen im Sommer 2001 vom Markt genommenen Cholesterinsenker Lipobay. Die Zahl der Klagen gegen das Unternehmen in den USA ist nach den Angaben Wennings seit Mitte März um weitere 200 auf rund 8.600 gestiegen. Der Konzern gehe davon aus, dass sich in der Mehrzahl der Fälle kein Zusammenhang zwischen Beschwerden und der Einnahme von Lipobay herausstellen werde.

Wo tatsächlich schwere Nebenwirkungen festgestellt worden seien, habe Bayer inzwischen insgesamt 740 Vergleiche ohne Haftungseingeständnis geschlossen und dafür rund 219 Millionen Dollar aufgewendet, erklärte Wenning. Bayer wolle weiterhin die Patienten, die durch das in den USA als Baycol gehandelte Medikament schwerwiegende Nebenwirkungen erlitten hätten, auf faire Weise entschädigen. Der Konzern werde sich aber wie bisher entschieden verteidigen, wenn ein solcher Zusammenhang nicht nachgewiesen sei. Die ersten beiden Freisprüche in Prozessen vor US-Gerichten seien "äußerst wichtige Etappensiege". Wenning räumte aber ein, dass Bayer durch Versicherungen nicht gedeckten Belastungen ausgesetzt werden könnte, würden sich Kläger in großer Zahl gegen den Konzern durchsetzen.(APA/AP)

Link

Bayer

  • Artikelbild
    foto: epa/breloer
Share if you care.