Das Ende des Sendemasten-Wildwuchses

25. April 2003, 09:31
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ITC will sich Nischenmarkt schnappen - Umsatz im ersten Jahr rund zwei Millionen Euro

Das Konzept "Sendemasten mieten statt selber zu bauen", das in den USA bereits gang und gäbe ist, fasst nun auch in Österreich Fuß. Die in Wien ansässige International Tower Company (ITC) will einerseits dem Handymasten-Wildwuchs ein Ende bereiten und verspricht andererseits für die Betreiber eine deutliche Kostenersparnis. "Tower Companies, die für Mobilfunkbetreiber Sendemasten errichten und diese dann an sie vermieten, waren bis vor kurzem vor allem auf dem kontinentaleuropäischen Markt undenkbar", so ITC-Geschäftsführer Martin Sommer (Bild) im Gespräch mit pressetext.austria. "Wir sind sozusagen konkurrenzlos, sowohl in Österreich als auch in Europa." Das junge Unternehmen peilt im ersten Geschäftsjahr einen Umsatz von rund zwei Millionen Euro an.

Pläne

Als "Zielgebiete" für seine Services nennt Sommer vor allem die Verdichtung von Handynetzen im ländlichen Raum. "Die urbanen Zentren sind längst abgedeckt, wir konzentrieren uns auf Gebiete, die noch nicht ausreichend versorgt sind", so der ITC-Chef. Im laufenden Jahr will ITC rund 80 bis 100 neue Masten, vornehmlich in Niederösterreich, dem Burgenland und der Steiermark errichten. "Wir werden mit zwei Betreibern in den nächsten zwei Wochen die entsprechenden Verträge unterzeichnen." Dafür sollen 2003 rund 7,5 Mio. Euro investiert werden. "Wir bauen erst, wenn wir mindestens einen Mieter haben", so Sommer. Man strebe pro Sendemast mindestens zwei Mieter an, es hätten aber auch drei Platz. Zusätzlich zur Vermietung und Betreuung bietet ITC die Masten auch als Werbefläche an. "Das künftige Potenzial ist enorm. Bis 2008 werden allein in Österreich etwa 3.500 neue Standorte errichtet. Wir wollen uns rund ein Drittel dieses Kuchens sichern", meinte Sommer. Derzeit gibt es in Österreich ca. 7.000 Masten. Auch die Übernahme von bereits bestehenden Anlagen sei denkbar, derzeit aber kein wirkliches Thema.

Ausrichtung

"Unser Business-Modell beruht auf einem klassischen finanziellen Sidesharing", so Sommer. Galt die Errichtung, der Betrieb und die Wartung der Sendemasten früher noch als Tafelsiber, das man auf keinen Fall aus der Hand geben wollte, hat in der Telekom-Branche mittlerweile ein Umdenken eingesetzt. "Das psychologische Wettrüsten ist vorbei, mittlerweile hat sich Kostenwahrheit breit gemacht", meinte Sommer. Da ein Sendemast als Immobilie gilt und somit nicht zum wirklichen Kerngeschäft eines Mobilfunkbetreibers zählt, wird dieser Bereich in Zukunft verstärkt ausgelagert werden. "Allerdings geht das derzeit noch sehr langsam." Bis Herbst will ITC die ersten 50 Masten errichtet und vermietet haben. "Dann ist zumindest das Erstriskio weg." Der Breakeven ist für 2004 angestrebt. "Bei 80 bis 90 Masten sind wir profitabel", so Sommer. Mittelfristig will ITC seine Dienste auch auf das benachbarte Ausland ausweiten. "Nachdem wir das Baby in Österreich zum Laufen gebracht haben, wollen wir vor allem in Mittel- und Osteuropa aktiv werden", so Sommer. Erste Zielländer seien dabei Rumänien und Kroatien.

Geschichte

ITC wurde im Mai 2002 von Sommer gegründet, der selbst 75 Prozent der Anteile hält. Der Rest befindet sich im privaten Streubesitz. Mit derzeit fünf Mitarbeitern bietet das Unternehmen das gesamte Projektmanagement von der Standort-Akquisition, Kontakten mit Behörden und Anrainern über die Errichtung bis hin zur Wartung und Instandhaltung von Sendemasten an. ITC arbeitet dabei mit Generalunternehmen wie etwa der Telekommunikation Infrastruktur Planung Service GmbH (TIPS) zusammen. Zusätzlich werden auch Frequenz-Messfahrten für Mobilfunkbetreiber angeboten. So wurde mit Connect Austria (One) bereits ein erster dementsprechender Vertrag unter Dach und Fach gebracht. (pte)

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