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25. April 2003, 13:14
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Nordkorea stößt in den Kreis der De-facto-Atommächte vor - Fünf offizielle und sieben inoffizielle Atommächte

Berlin - Nordkorea verfügt nach Angaben der US-Regierung definitiv über die Atombombe. Damit reiht sich das verarmte stalinistische Land in den Kreis der Nuklearmächte ein. Die offiziellen Atomwaffenmächte sind die USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich. Als solche gelten laut Atomwaffensperrvertrag nur die Staaten, die vor dem Januar 1967 Tests vornahmen. Daneben gibt es noch mehrere Länder, die Atomwaffen produzieren könnten oder erwiesenermaßen bereits produziert haben:

  • Indien und Pakistan erklärten sich nach einem regelrechten Atomtest-Duell vor fünf Jahren zu Nuklearmächten. Beide Staaten arbeiteten zuvor bereits seit Jahrzehnten an der Entwicklung von Atomwaffen; die Nachbarstaaten streiten seit mehr als 50 Jahren um die Kaschmir-Region und führten deshalb bereits drei Kriege. Indien zündete den ersten atomaren Sprengsatz 1974, Pakistans erster offizieller Atomtest fand im Sommer 1998 statt.

  • Israel bemühte sich unter Federführung des späteren Regierungschefs und Ministers Shimon Peres schon in den 50-er Jahren um atomare Technologien. Mit dem erworbenen Know-how wurde in der Negev-Wüste der Atomreaktor Dimona konstruiert. Mittlerweile verfügt Israel nach Angaben von Experten über 200 bis 220 Atomsprengköpfe. Nach dem strategischen Selbstverständnis Israels sichert sich der Staat damit ein für alle Mal gegen Angriffe mit Massenvernichtungswaffen aus islamischen Staaten der Region ab.

  • Die Atomwaffen-Ambitionen Irans werden in den USA und Europa unterschiedlich gewertet. Während die USA sehr misstrauisch gegenüber Teheran sind, sehen die Europäer keine Anzeichen für die Absicht der iranischen Regierung, das Land mit Atomwaffen auszurüsten. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat bei ihren regelmäßigen Kontrollen bislang keine Hinweise darauf gefunden.

  • Argentinien und Brasilien kommen in Lateinamerika für die Herstellung von Atomwaffen in Frage. Sie haben laut IAEA zwar die technologische Ausstattung, aber nicht die Absicht zum Bau von Nuklearwaffen. Beide traten dem Atomwaffensperrvertrag bei und unterzeichneten das Atomteststopp-Abkommen. Zudem kontrollieren sie sich auf freiwilliger Basis gegenseitig und lassen Überprüfungen der Atomenergiebehörde zu.

  • Südafrika ist praktisch in derselben Situation wie Argentinien und Brasilien. Nach der Zerstörung von sechs von insgesamt sieben Kernwaffen ist sein Atomwaffenprogramm "Teil der Geschichte" geworden, wie es die IAEA formuliert, deren Kontrolle sich Südafrika unterstellt hat. Das Land verfolgte nach eigenen Angaben in den 70er Jahren ein eigenes Atomwaffenprogramm. Zeitungsberichten zufolge soll Israel dabei Pate gestanden haben. (APA)

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    foto: epa photo/kns/files
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