Josef Broukal fühlt sich wie ein Weihnachtsgeschenk, das keiner wollte

25. April 2003, 10:44
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"Modern Times", die die SPÖ nicht nutzen wollten

Am Donnerstagvormittag zeigte Josef Broukal noch einmal, welch ein Zugpferd er für die SPÖ hätte sein können: Mischte sich unter die 2000 Bankangestellten der Open-Air-Betriebsversammlung auf der Freyung, erklärte dem einen anschaulich die Pensionspläne, diskutierte mit dem anderen über die Regierung - und gab den Politiker, der komplexe Inhalte auch ohne Fachjargon schildern kann. Da war Broukals Entscheidung, eben genau das - Themen zu kommunizieren - für die SPÖ nicht zu tun, bereits gefallen.

Nur sieben Monate ist es her, dass der "Mister ZiB" vom Fernsehapparat in den Parteiapparat gewechselt ist. Eine kurze Zeit, in der 56-jährige Broukal wie im Zeitraffer Höhenflüge und Frustrationen einer Politikerkarriere durchlebt hat: Als Promi-Quereinsteiger und Schattenminister für Technologie von SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer geholt und als Wahlkampflokomotive gehyped. Als Neoabgeordne- ter freundlich aufgenommen. Und als Kommunikationsprofi vom altgedienten Parteiapparat unfreundlichst ignoriert.

So lange und intensiv, bis der Journalist Broukal Donnerstag verärgert verkündete, seine Talente eben nicht der SPÖ zur Verfügung zu stellen: "Ich habe das Gefühl, ich bin ein Weihnachtsgeschenk, das keiner haben will." Bitte, solle sich die SPÖ halt ihre Kommunikation allein machen, er will nur mehr einfacher Abgeordneter sein. Genau das hatten manche in der SPÖ, allen voran der mächtige Wiener SPÖ-Chef Michael Häupl, verhindern wollen und Broukal gepuscht. Gusenbauer selbst aber ließ sich auch durch die Pleiten-Pech-und-Pannen-Serie der SPÖ rund um die Kommunikation der Pensionsreform nicht davon überzeugen, Broukal eine Funktion zu geben. Der Widerstand seiner bisherigen Bundesgeschäftsführung wog stärker als Broukals Fähigkeiten.

Und die hat er Jahrzehnte als ORF-Anchorman bewiesen. Manchmal schlicht souverän, manchmal herausstechend: Etwa nach der Wiener Wahl 1991, als Broukal dem damals noch erfolgreichen Jörg Haider vorhielt: "Seit Ihre Wahlkampagne begonnen hat, steht auf jeder Parkbank ,Ausländer raus' und auf einigen das Hakenkreuz. Herzlichen Dank." Die Klage Haiders konnte Broukal nicht von angriffigen Interviews abhalten, etwa 1997 mit dem damaligen Kärntner Vizelandeshauptmann Karl-Heinz Grasser. Dieses Interview kostete Broukal den Job beim "Report". In der ZiB blieb er, der sich selbst ein "Häferl" nennt und von anderen schwierig genannt wird, daneben werkte der in dritter Ehe mit einer ORF-Journalistin verheiratete Technologiefreak als Präsentator von "Modern Times".

Diese "Modern Times" wollten sich die SPÖ nicht verordnen lassen. Also wechselt Broukal wieder aus dem Partei- auf den Fernsehapparat, diesmal zu ATV. (Eva Linsinger/DER STANDARD, Printausgabe, 25.4.2003)

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