Machtkampf lähmt Kärntner Slowenen

24. April 2003, 18:41
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Volksgruppentag tagt am Montag

Klagenfurt - Fehlende zweisprachige Ortstafeln, die laut Verfassungsgerichtshof in Kärnten längst aufgestellt sein müssten, die Schließung des slowenischen Minderheitensenders radio dva - für den Europarat Anlässe genug, um Österreich für seine Minderheitenpolitik zu rügen. Der Rat der Kärntner Slowenen hingegen lähmt sich derzeit in einem Richtungskampf selbst.

Obmann Bernard Sadovnik, dessen betonte "Konsenspolitik" gegenüber Landeshauptmann Jörg Haider und den rechtsgerichteten Traditionsverbänden, wie Heimatdienst und Kameradschaftsbund vielen Ratsfunktionären aufstößt, soll entmachtet werden. Dies betreiben vor allem der Rats-Vorstand, aber auch Funktionäre der Slowenischen Einheitsliste (EL).

Jetzt hat der Volksgruppentag, das eigentliche Rats-"Parlament", für kommenden Montag eine Sitzung einberufen, um seine Satzungen zu ändern. Künftig soll der direkt gewählte Obmann mit einfacher Mehrheit wieder abgesetzt werden können. Außerdem soll die derzeitige Handlungsvollmacht des Obmannes durch den Vorstand empfindlich eingeschränkt werden.

Für Bernard Sadovnik kommt das einem "Putsch" gleich. Hatte er doch gehofft, den Richtungsstreit mittels Obmann-Neuwahl durch den Volksgruppentag für sich zu entscheiden. Neuerlich entzündet hat sich der seit langem schwelende interne Machtkampf an der neuen slowenischen Zeitschrift Novice. (stein/DER STANDARD, Printausgabe, 25.4.2003)

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