Blutige Nasen bei EMTS

24. April 2003, 19:13
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Salzburger Handy-Dienstleister rutscht nach Bilanz-Gerüchten tief in die Verlustzone

Wien - Der börsenotierte Salzburger Handydienstleister EMTS, der zuletzt wegen des Vorwurfs der Bilanzmanipulation in die Schlagzeilen geraten war, ist im abgelaufenen Geschäftsjahr 2002 in die Verlustzone gerutscht. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) fiel von plus 19,8 Mio. Euro auf minus 36,1 Mio. Euro, gab das Unternehmen am Donnerstag nach Börseschluss bekannt. Der Umsatz ging um 21,4 Prozent auf 126,6 Mio. Euro zurück.

Der Verlust je Aktie lag bei 20,5 Euro nach einem Gewinn von 0,72 Euro pro Aktie. "Wir wissen, dass die Ergebnisse für das abgelaufene Jahr katastrophal waren, sind jedoch überzeugt, das Schlimmste hinter uns zu haben", kommentierte EMTS-Vorstand Christian Rosner die Ergebnisse.

Bilanz neu erarbeitet

Die Zahlen für 2001 seien "auf Grund festgestellter fehlerhafter Bilanzierung" im Jahr 2001 und "dem daraus resultierenden Widerruf des Bestätigungsvermerkes durch den Wirtschaftsprüfer Deloitte & Touche für die Bilanz 2001" neu erarbeitet worden, hieß es weiter. Zuletzt hatte EMTS für 2001 einen Umsatz von 163,1 Mio. Euro, ein EBITDA von 22,8 Mio. Euro und einen Gewinn je Aktie von 1,13 Euro veröffentlicht.

Die korrigierten Zahlen weisen nun für 2001 einen Umsatz von 161,0 Mio. Euro, ein EBITDA von 19,8 Mio. Euro und einen Gewinn je Aktie von 0,72 Euro aus. Der forensische KPMG-Bericht sei pflichtgemäß an die Staatsanwaltschaften in Wien und Zürich als Sachverhaltsdarstellung sowie an die Börsenaufsicht der SWX in Zürich weitergeleitet worden.

Die EMTS-Aktie stieg heute um 39,9 Prozent auf 2,3 Schweizer Franken (1,53 Euro).

Gespräche mit strategischen Partnern laufen

Der Mobilfunkmarkt beginne sich bereits wieder zu stabilisieren, schätzte EMTS-Vorstandsvorsitzender Christian Rosner am Donnerstag in einer Pressemitteilung. Neue Handymodelle würden auf den Markt kommen, UMTS scheine in absehbarer Zeit Realität zu werden. Dies sei für die redimensionierte EMTS "ein Lichtblick am Horizont". Rosner gab sich überzeugt, "positiv in die Zukunft schauen zu können".

Mit den verbleibenden Kernländern stelle EMTS "nach wie vor ein interessantes Potenzial für eine neue Partnerschaft mit einem an europaweitem Service- und Reparaturleistungen für Mobiltelefone interessierten Unternehmen" dar, ist Rosner überzeugt. Das Management sei diesbezüglich "in Gesprächen mit möglichen strategischen Partnern" und wolle die geplante Kapitalerhöhung möglichst rasch durchführen.

Umsatzentwicklung international stabil

Die Umsatzentwicklung der verbliebenen Töchter in Deutschland, Spanien und Italien sei "stabil", im zweiten und dritten Quartal 2003 seien ein positives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sowie eine positive Cashflow-Entwicklung absehbar. Ob Dänemark künftig zu den Kernländern zählen werde, werde sich in den nächsten Wochen entscheiden. Estland stehe zum Verkauf oder werde liquidiert.

Neben den marktbezogenen Aktivitäten arbeite die EMTS derzeit an der Stärkung der Eigenkapitalstruktur und der Liquidität sowie an der Verbesserung des Kostenmanagements. Die bestehenden Kundenbeziehungen seien stabilisiert worden. Rosner sieht eine Chance, durch "eine erfolgreiche Reorganisation gemeinsam mit strategischen Partnern den einen oder anderen Kunden wieder zurückzugewinnen".

Die "negative Umsatz- und Ergebnisentwicklung" im Jahr 2002 sei auf die "schlechte Marktsituation" im Bereich der Service- und Reparaturanbieter im Mobilfunk und "den enormen Margendruck" der Hersteller und Betreiber zurückzuführen, erläuterte Rosner. Es habe Margeneinbrüche von teilweise mehr als 30 Prozent gegeben. Die Kostenschere habe das Unternehmen enorm belastet.

Zudem habe Nokia, mit über 50 Prozent Umsatzanteil größter Kunde des Unternehmens, die Verträge mit EMTS aufgelöst. Sony Ericsson habe daraufhin ebenfalls die Verträge mit EMTS gekündigt. (APA)

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