"Confessions of a Dangerous Mind": Fernsehen und andere mörderische Geschäfte

23. Juli 2004, 10:52
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Ein TV-Entertainer und CIA-Killer? Sam Rockwell in George Clooneys sehenswertem Regiedebüt "Confessions of a Dangerous Mind"

Ein TV-Entertainer als CIA-Killer? Basierend auf den "Geständnissen" des einstigen Starmoderators Chuck Barris inszenierte der US-Schauspieler George Clooney sein sehenswertes Kino-Regiedebüt "Confessions of a Dangerous Mind".


Wien - Ein interessantes Phänomen in der Geschichte des Fernsehens: So sehr am Bildschirm große Konflikte oft zu Sendeformaten verflachen, so wenig ist scheinbar das Medium in der Lage, die Dramen, die es selbst generiert, für sich zu behalten. Letztlich scheint es doch dem Kino und der Literatur vorbehalten, wahre Lügen aus dem Showgeschäft episch aufzubereiten und eine Reflexion voranzutreiben, die TV kaum jemals leistet.

Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind, das Regiedebüt des im Fernsehen groß gewordenen US-Stars George Clooney steht diesbezüglich in einer mittlerweile längeren Tradition: Milos Formans Man on the Moon, Robert Redfords Quiz Show oder auch Peter Weirs The Truman Show könnte man herbeizitieren als Vorläufer einer spezifischen Mischung aus Pop und Paranoia, die hier nun entlang einer Unauthorized Autobiography auf die Spitze getrieben werden: einer vermutlich halb erlogenen Memoirensammlung, mit der sich der US-Moderator Chuck Barris als sinkender Stern noch einmal interessant machen wollte – mit einigem Erfolg.

Barris, Erfinder von Sendungen wie der berüchtigten Gong Show (in der man dilettantische Amateurentertainer und Exhibitionisten von der Bühne jagen konnte) oder Herzblatt – er behauptete in seinem Buch nichts weniger als: "Ich habe 33 Menschen getötet." Clooneys Film bzw. das von Charlie Kaufman (Adaptation) verfasste Drehbuch nehmen das nun wortwörtlich ernst, bis einem das Lachen im Hals stecken bleibt.

Der schmierige Entertainer (gespielt von Sam Rockwell) wird von der CIA als Killer aufgebaut. Je mehr er zwischen Drogen- und Sexwahn die Kontrolle über seine Karriere verliert, desto befriedigender scheint für ihn der Aufstieg in einer Halbwelt, die – wie man so schön sagt – nicht wahr sein darf. Hinrichtungen in mexikanischen Grenzstädtchen oder im Berlin des Kalten Krieges wirken da in stilisierten Bildern oft wie Parodien von Agententhrillern. Aber sind die Kulissen, zwischen denen Barris sich abstrampelt, weniger surreal? Weniger billig?

Clooneys Lehrmeister

Geständnisse verdankt in dieser Hinsicht vieles den Regisseuren, von und bei denen Clooney gelernt hat: Den Coen-Brüdern (The Big Lebowski), die in vielfältiger Weise die Ikonografie amerikanischer (Miss-)Erfolgsgeschichte(n) karikiert und konterkariert haben. Oder: Steven Stoderbergh (Ocean's Eleven), der immer wieder Anleihen bei Spielformen der 70er-Jahre nimmt, um den Selbstzweifel dieser Ära zu revitalisieren.

George Clooney hat aus dem Schatten solcher Lehrmeister heraus denn auch einen Film gemacht, der definitiv mehr sein will als ein Seitensprung-Projekt eines erfolgreichen Schauspielers. An allen Ecken und Enden spürt man, dass hier intensiv über Bildsprache nachgedacht wurde, bis hinein in Schwenks durch Räume, bei denen in kunstvoller Straffung Jahre vergehen.

Das geht mitunter hart an den Rand zum Manierismus und auch auf Kosten des Tempos. Und letztlich profitiert Geständnisse viel eher von der Kenntnis der Fabrik Fernsehen, die Clooney (als Sohn eines Nachrichtenmoderators und auch als Exserienheld im Emergency Room) in den Film einbringt. Wenn Redfords Quiz Show den Mummenschanz in TV-Studios ein wenig zu nostalgisch verklärte, so ist Clooneys Zugang wesentlich pragmatischer: Ein Schweißausbruch samt Panikattacke im Scheinwerferlicht – da werden auch Einschaltziffern zu einer wenig glamourösen Angelegenheit.

Nicht wenig wird dieser Tage darüber geschrieben, dass Julia Roberts in einer Nebenrolle als undurchsichtige Agentin den Film mitermöglicht habe. Das wirkliche Highlight liefert hingegen Drew Barrymore als Barris' vertrauensvolle Geliebte: Alles, was an diesem doch meist eher unsympathischen Typen eher Distanziertheit auslösen mag, verpufft, wenn man ihn durch ihre Augen betrachtet.

Da ist er ein durchaus origineller Kerl, alles andere als gefährlich, eher so, dass man ihn vor sich selbst beschützen möchte. Wie Barrymore an dieser Aufgabe "scheitert", ist ein Drama für sich – in einer Tragikomödie, die einen ganz guten Eindruck vermittelt, was das heißt: so lange auf Sendung zu gehen, bis man die eigene Botschaft vergessen hat. (DER STANDARD, Printausgabe, 25.4.2003)

  • Sam Rockwell
    foto: buena vista

    Sam Rockwell

  • ... mit George Clooney
    foto: buena vista

    ... mit George Clooney

  • ... mit Drew Barrymore
    foto: buena vista

    ... mit Drew Barrymore

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