"Sympathien für Saddam zeigt keiner"

24. April 2003, 17:13
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Lokalaugenschein an der irakisch-iranischen Grenze

In Arwand Kenar, einem kleinen Grenzort ganz im Süden zwischen dem Iran und dem Irak, unterbrechen die Kinder ihr Fußballspiel und zeigen hoch in den Himmel auf zwei Flugzeuge, die Richtung Norden fliegen. Kanonendonner hört man keinen mehr. Vergessen ist auch, dass ein 13 Jahre alter Bub vor zwei Wochen hier durch eine fehlgeleitete Rakete umgekommen ist.

Nicht weit nördlich von hier stehen iranische Panzer zwischen Dattelbäumen, ihre Kanonenrohre zielen in Richtung Irak. Die Menschen nehmen keine Notiz davon. Nur eine Brücke trennt die Raffineriestadt Abadan von der Stadt Khoramshar. Vier Jahre lang war Khoramshar vom Irak besetzt, bis vor kurzem konnte man hier noch das irakische Fernsehen empfangen.

Sympathien für Saddam zeigt keiner. Der achtjährige Krieg ist noch gut in Erinnerung, und Khoramshar, ein wichtiger iranischer Hafen, trägt noch die Wunden des Krieges. "Es wird nie wieder sein wie früher", meint Hasan, der Besitzer eines Ladens neben der Freitagsmoschee. "Viele Einwohner haben ihr Glück woanders gesucht und werden nie wieder hierher zurückkehren", meint er.

Von hier bis Shalamche sind es nur ein paar Kilometer. Hier begann 1980 der Krieg zwischen dem Iran und dem Irak, der über eine halbe Million Tote forderte. Dicht an der Grenze in Shalamche sieht man verlassene irakische Bunker. Bis vor kurzem waren hier Iraker stationiert. Seit Tagen sieht man keine mehr. Die Engländer sollen in der Gegend sein, sagt Parwis, ein iranischer Soldat an der Grenze. Nur ein schmaler Weg trennt die iranischen von den irakischen Stellungen. Rechts und links ist alles vermint. Nur ein paar Mauerreste erinnern daran, wie die Stadt Shalamche einst ausgesehen haben mag.

Die Grenze wird nur von den Iranern streng kontrolliert. Auf irakischer Seite sind keine Kontrollore mehr zu sehen. Es ist eine Einbahnstraße Richtung Irak. Etwas weiter südlich, in Mehran, passieren täglich mehr als 15 Tanker mit Trinkwasser die Grenze. Auch Medikamente und Lebensmittel werden nach Basra transportiert, sagt Mortesa Lotfi, der Verwaltungschef von Mehran in der Provinz Ilam. Es fällt auf, dass auf der anderen Seite der Grenze sich niemand mehr verantwortlich fühlt. In letzter Zeit hat man ab und zu Hubschrauber in der Nähe gesehen. Zu identifizieren waren sie nicht.

Die Stadt Kut im Irak ist nicht weit von hier. Bis jetzt hat man keine Amerikaner an der Grenze geortet, versichert ein Offizier. "Die Amerikaner haben andere Sorgen. Auf die Grenze können wir alleine aufpassen", meint er. ",You are not welcome‘, ,Sie sind hier nicht willkommen' werde ich den Amerikanern sagen, wenn ich sie sehe", sagt der junge Offizier, er meint es bitter ernst. Seine Altersgenossen in Teheran werden wohl anderer Meinung sein.(DER STANDARD, Printausgabe, 25.4.2003)

Von Amir Loghmany aus Teheran
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