Subventionen versprochen und dann doch nicht gehalten

24. April 2003, 20:00
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Die Hintergründe des Streits zwischen Albertina-Direktor Schröder und Ministerin Gehrer - mit Kommentar

Wien - Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder und Bildungsministerin Elisabeth Gehrer liefern sich einen offenen Schlagabtausch. Streitpunkt sind 2,1 Millionen Euro, die eine Studie, von Gehrer in Auftrag gegeben, als dringend notwendigen Mehrbedarf für die Albertina anführt. Schröder behauptet, ihm sei das Geld versprochen worden, Gehrer widerspricht: Bei seiner Bewerbung um den Chefposten 2001 habe Schröder über die Höhe der staatlichen Zuwendungen Bescheid gewusst. Mit dieser Summe (5,1 Millionen Euro) müsse er nun auch das Auslangen finden. Sie lasse sich nicht unter Druck setzen: Wenn Schröder eine Ausstellung absage, liege dies in seiner Verantwortung.

Der Direktor hingegen fühlt sich in eine Falle gelockt. Tatsächlich war den Museumsdirektoren eine erkleckliche Anhebung der seit Jahren gedeckelten Basisabgeltung versprochen worden. Und zwar von der für die Museen zuständigen Sektionsleiterin. In der Presse war am 25. Jänner zu lesen: "Brigitte Böck verspricht den Museen mehr Geld - spätestens fürs nächste Jahr." (Tatsache ist aber, dass es aufgrund des Doppelbudgets auch 2004 zu keiner Anhebung kommt wird.) Laut Böck haben die Museen die Möglichkeiten, zusätzliche Einnahmen zu lukrieren, überwiegend ausgereizt: "Daher muss die Basisfinanzierung des Staates erhöht werden." Und weiter: "Ministerin Gehrer hat versprochen, sie werde die Budgeterhöhung angehen und realisieren, da sie notwendig ist."

Tatsache ist weiters, dass Schröder im Glauben auf die versprochene Erhöhung ein Budget erstellte, das mit einen Zuschuss von 7,2 Millionen Euro operierte: Es wurde vom Kuratorium - die Vorsitzende ist Böck - zur Kenntnis genommen. Und in der Folge verplante Schröder die Mittel. Tatsächlich darf Schröder nun aber nur einen Abgang von 5,1 Millionen produzieren, was zu radikalen Maßnahmen führt. Da die Verträge mit Leihgebern (z.B. für eine Klee-Retrospektive) unterzeichnet sind, diese Kosten also in jedem Fall bestehen, sah sich Schröder gezwungen, die einzige disponible Schau abzusagen: Raffael bis Goya wäre ausschließlich Albertina-Werken bestückt worden. Jeder Tag ohne Aufsichtspersonal und Klimatisierung spart viel Geld. (DER STANDARD, Printausgabe vom 25.4.2003)

  • Bleibt wohl in der Schublade: Peter Paul Rubens' Sohn Nikolaus (um 1619), ein potenzielles Glanzstück der Sommerausstellung
    foto: albertina

    Bleibt wohl in der Schublade: Peter Paul Rubens' Sohn Nikolaus (um 1619), ein potenzielles Glanzstück der Sommerausstellung

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