Ärzte-Team: Kinder in Irak durch Streubomben verletzt

25. April 2003, 14:05
4 Postings

Kein Ende der Bedrohung für Zivilisten nach Kriegsende: Berichte über Detonationen von Blindgängern und Chaos in Krankenhäusern

Amman/Paris - Auch nach dem Ende des Bombenkrieges werden Kinder im Irak nach Angaben eines französischen Ärzte-Teams noch durch Streubomben verletzt. Das berichtete der Chirurg Daniel Roux am Donnerstag nach einer einwöchigen Bagdad-Mission bei einem Zwischenstopp in Amman der Nachrichtenagentur AFP. Mehrere Kinder seien teils schwerstens verletzt worden, als durch Streubomben ausgesäte Klein-Sprengkörper explodierten. Das französische Kinderhilfswerk "La Chaine de l'Espoir" berichtete in Paris von "Chaos" in den Krankenhäusern Bagdads.

Schwer verletzte Kinder

"Immer noch werden Kinder im Irak verletzt", betonte Roux. Er selber habe von drei Tagen zwei etwa drei und sechs Jahre alte Kinder gesehen, berichtete der aus Toulouse stammende Mediziner nach seiner Mission für "La Chaine de l'Espoir". "Das eine hatte eine Hand, die nur noch an einem Hautfetzen hing. Sie musste amputiert werden." Das andere Kind sei an beiden Augen getroffen worden. "Es ist für immer blind."

Gefahren durch Streubomben

Hilforganisationen treten seit längeren für ein Verbot von Streu- oder Clusterbomben ein, die über einem Zielgebiet zahlreiche kleine Bomben verstreuen. Schätzungen zufolge explodiert rund ein Zehntel dieser Klein-Bomben nicht sofort; die oft bunten Sprengkörper sind vor allem für Kinder und andere Zivilisten gefährlich. Das US-Verteidigungsministerium versprach bereits, sich mit den jüngsten Fällen zu beschäftigen.

Die Hälfte der Hospitäler funktioniere weiterhin nicht

Der Chef des Kinderhilfswerks "La Chaine de l'Espoir", Alain Deloche, berichtete in Paris von "Chaos" in den Krankenhäusern Bagdads. Die Hälfte der Hospitäler funktioniere nicht. "Die Krankenhaus-Direktoren standen der Baath-Partei (von Saddam Hussein) nahe und sind verschwunden, die Ärzte bekommen kein Gehalt, müssen ihre Häuser vor Plünderern schützen und haben kein Benzin, um zum Dienst zu erscheinen."

Deloches Organisation sammelte insgesamt 39 "international angesehene" Chirurgen vor allem aus Europa, den USA und dem Libanon, die Hilfe bei der medizinischen Betreuung im Krieg verletzter oder kranker irakischer Kinder anbieten. Nach Angaben von Roux fehlt den irakischen Ärzten unter anderem Material für Operationen.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Von Streubomben verletzt.

Share if you care.