Scharfe Töne zwischen USA und Iran

25. April 2003, 12:45
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Auseinandersetzungen um den Einfluss im irakischen Schiitengebiet werden schärfer - Teheran warnt USA: "Wir werden uns verteidigen"

Bagdad/Washington/Teheran - Nach den Spannungen mit Syrien verschärft sich nun auch der Ton zwischen Teheran und Washington. Der Iran wies Donnerstag Anschuldigungen als "grundlos" zurück, er wolle Einfluss auf die Nachkriegsordnung im Irak nehmen. Außenminister Kamal Kharrazi warnte die USA zugleich vor einem Bündnis mit den oppositionellen iranischen Volksmudjahedin sowie vor jeder Überschreitung der iranisch-irakischen Grenze. "Wir werden uns verteidigen", sagte Kharrazi nach einem Gespräch mit seinem französischen Kollegen Dominique de Villepin in Teheran.

Das Weiße Haus hatte auf Berichte verwiesen, wonach iranische Agenten versuchten, die Schiiten im Süden des Irak zu beeinflussen. US- Truppen begannen inzwischen mit Patrouillenfahrten an der Grenze zum Iran.

Frankreich und Iran für bedeutende Rolle der UNO

Kharrazi und de Villepin sprachen sich für eine bedeutende Rolle der UN bei der politischen Neuordnung im Irak aus. Diese müssten nicht nur bei der humanitären Hilfe im Irak die Federführung übernehmen, sondern auch bei den Schritten zu einer demokratisch gewählten Regierung.

Garner will Irak in drei Zonen teilen

Damit wird es allem Anschein nach aber nichts: Der von Washington als Zivilverwalter für den Irak eingesetzte ehemalige General Jay Garner erklärte Donnerstag, dass bis Ende nächster Woche ein Übergangskabinett stehen soll. Unter Garner sollen drei Amerikaner für die drei Regionen Nord-, Zentral- und Südirak verantwortlich sein. Eine irakische Beteiligung ist nach seinen Worten zunächst nur bei der Wiederaufnahme der Arbeit in den Ministerien vorgesehen. In seinem Team von rund 350 internationalen Mitarbeitern gebe es neben Amerikanern und Briten auch Australier und Japaner, sagte er.

Parallel zu Garners Aktivitäten setzte der von den Amerikanern nicht anerkannte Bagdader "Bürgermeister" Mohammed Mohsen Subaidi unterdessen Verwaltungsbeamte ein. Und Adnan Pachachi, ehemals Außenminister des Irak, kündigte an, es werde einen von den USA unabhängigen Wahlkonvent im Juni geben, der eine irakische Regierung bestimmen soll.(AP, AFP, Reuters, dpa, red/DER STANDARD, Printausgabe, 25.4.2003)

  • Streit um die Neugestaltung des Iraks.
    foto: epa/afpi/karim sahib

    Streit um die Neugestaltung des Iraks.

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