Ringen um EU-Finanzierung der embryonalen Stammzellen-Forschung

25. April 2003, 14:36
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Erstes Arbeitspapier soll im Mai vorgelegt werden

Brüssel - Im Streit um eine EU-Finanzierung der embryonalen Stammzellen-Forschung hofft die EU-Kommission, noch vor Jahresende einen Kompromiss zwischen den Mitgliedstaaten herbeizuführen. Bei einem Seminar über die embryonalen Stammzellen-Forschung am Donnerstag in Brüssel kündigte Forschungskommissar Philippe Busquin ein erstes Arbeitspapier an EU-Rat und Europäisches Parlament im Mai an, das Richtlinien für die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen vorgeben soll. Bis Jahresende will die EU-Behörde entsprechende Durchführungsvorschriften vorlegen.

Die EU-Kommission hofft damit laut Busquin, das "Moratorium" beenden zu können, das bisher die Freigabe von Forschungsgeldern im Rahmen des sechsten EU-Rahmenprogramms blockiert. Das vergangenes Jahr beschlossene Rahmenprogramm hatte eine EU-Finanzierung der ethisch umstrittenen Forschung an embryonalen Stammzellen offen gelassen. Eine Entscheidung sollte erst in diesem Jahr gefällt werden. Bis dahin hatte die EU-Kommission zugesagt, keine Gelder für diese Forschung zur Verfügung zu stellen.

Grundlage

Als Grundlage für die EU-Regelung sollen die Ergebnisse des Seminars dienen, an dem Forschungsminister, EU-Abgeordnete sowie namhafte Wissenschafter teilnahmen. Ein Experte verwies darauf, dass es im Europäischen Parlament bereits eine "hinreichende Mehrheit" für die Fortsetzung der entsprechenden Forschungen gebe. Busquin betonte, dass die Zahl der Projekte mit embryonalen Stammzellen begrenzt sei. Unumstritten sei die Forschung an adulten Stammzellen.

Das unter anderem von Österreich erwirkte Fördermoratorium läuft allerdings mit Ende 2003 aus und eine Verlängerung wird immer unwahrscheinlicher. "Es gibt eine deutliche spürbare Tendenz in Richtung Förderung dieses Forschungszweiges", berichtete Barbara Weitgruber, Leiterin der Forschungssektion im Bildungsministerium, am Freitag.

Erhöhter Druck erwartet

Weitgruber hatte am Donnerstag an einem von EU-Kommission und Parlament in Brüssel organisierten Seminar zum Thema "Embryonale Stammzellen" teilgenommen. Zum Seminar wurde ein Bericht der Kommission veröffentlicht, auch darin ist vermerkt, dass die nationalen Regelungen für embryonale Stammzellenforschung in einigen Ländern liberalisiert wurden bzw. werden. "Wenn Länder die Forschung erlauben, dürften sie auch den Druck erhöhen, dass diese Arbeiten mit EU-Geldern gefördert werden", ist Weitgruber überzeugt. Selbst Portugal, einst Weggefährte Österreichs bei der Erwirkung des Moratoriums, bereite mittlerweile eine Liberalisierung der Regelungen vor.

An der ablehnenden Haltung Österreichs hat sich offiziell bisher nichts geändert. "Wir werden weiter darauf drängen, das Moratorium zu verlängern", so die Sektionschefin. Die Forschungen sollten so lange nicht gefördert werden, bis offene ethische und auch wissenschaftliche Fragen geklärt seien. In der turnusmäßigen Mai-Sitzung werde sich auch die Bioethik-Kommission der Bundesregierung wieder mit dem Thema befassen.

Lage in der EU

In Österreich, Dänemark, Frankreich, Irland und Spanien ist die Gewinnung embryonaler Stammzellen aus "überzähligen" Embryos verboten, die durch künstliche Befruchtung entstanden sind und für eine bestimmte Zeit eingefroren werden. Großbritannien lässt dagegen seit 2001 als einziges EU-Land die Züchtung von Embryonen für Forschungszwecke zu. In Belgien, Italien, Luxemburg und Portugal gibt es keine spezifischen Regelungen. In Deutschland darf nur an importierten embryonalen Stammzellen geforscht werden.

Verbesserte Heilungschancen als Ziel

Die Stammzellenforschung stellt laut EU-Kommission einen der vielversprechendsten Bereiche der Biotechnologie dar und soll dazu beitragen, die Heilungschancen schwerer Erkrankungen wie Krebs, Alzheimer oder Parkinson durch Austausch von Geweben oder Zellen zu verbessern. Im sechsten Rahmenprogramm wurden das Klonen zur Reproduktion von Menschen, vererbbare Änderungen des menschlichen Erbguts und die Züchtung von Embryonen zur Erzeugung von Stammzellen ausdrücklich von einer EU-Finanzierung ausgeschlossen. (APA)

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