Weißes Haus versichert: Bush will in Frankreich übernachten

25. April 2003, 11:59
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New York Times berichtete, der US-Präsident wollte aus Protest gegen die Pariser Irak-Politik bei G-8-Gipfel in Evian zum Schlafen in die Schweiz ausweichen

Washington - Das Weiße Haus hat am Donnerstag Berichten widersprochen, US-Präsident George W. Bush wolle aus Verärgerung über Frankreichs Irak-Politik während des G8-Gipfels in Evian in der Schweiz übernachten. Bush werde in Frankreich schlafen. Andere Pläne habe es nie gegeben, sagte Sprecher Ari Fleischer nach Medienberichten in Canton (Bundesstaat Ohio). Die "New York Times" hatte geschrieben, dass der Präsident während des Spitzentreffens vom 1. bis 3. Juni in ein Hotel jenseits der Grenze gehen wolle.

Neben dieser eher demonstrativen Missbilligung erwäge die US- Regierung, die französische Beteiligung an von den USA organisierten Treffen mit europäischen Verbündeten zu begrenzen, berichtete die Zeitung am Donnerstag. NATO-Entscheidungen sollten nach Möglichkeit vom NATO-Rat an den Verteidigungsrat übertragen werden, dem Frankreich nicht angehört.

Zu Bushs angeblichen Hotelplänen sagte ein französischer Diplomat der Zeitung, Paris schreibe niemandem vor, in Frankreich zu übernachten. Im übrigen habe die Schweiz noch entschiedener als Frankreich die Irak-Politik abgelehnt und nicht einmal amerikanischen Flugzeugen Überflugrechte erteilt. Attac mobilisiert für Gegen-Gipfel

Das globalisierungskritische Netzwerk Attac will mit einem Sonderzug durch Deutschland zu Protesten gegen den G-8-Gipfel mobilisieren. Der Sonderzug soll am 28. Mai in Berlin starten und unter anderem über Hannover, Düsseldorf und Heidelberg bis Genf fahren, wie Attac am Donnerstag in Frankfurt am Main mitteilte. Von dort aus wollen die Aktivisten nach Angaben eines Attac-Sprechers "notfalls zu Fuß" die rund fünf Kilometer bis ins französische Dorf Annemasse laufen, wo ein Gegen-Gipfel geplant ist. Die Rückfahrt des Sonderzuges, an dem sich auch die Gewerkschaftsjugend sowie Aktivisten aus der Friedens- und Umweltbewegung beteiligen, ist für den 2. Juni geplant.

"Zwei Jahre nach den Massenprotesten von Genua gibt es mehr Gründe denn je, gegen die G-8 zu protestieren", erklärte Lukas Engelmann, der bei Attac die Proteste koordiniert. Dieser Club der reichsten Staaten trage die Verantwortung für die wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich und treibe weltweit die Liberalisierung und Militarisierung voran. Ihre in der Vergangenheit gegebenen Versprechen, etwa zum Schuldenerlass für Entwicklungsländer oder zur besseren Einbindung von Nichtregierungsorganisationen, hätten die G-8-Staaten nicht eingehalten, erklärte Engelmann.

Massenproteste und "Globales Dorf" geplant

Die Gipfel-Gegner haben zum G-8-Treffen Juni in Evian Massenproteste, Demonstrationen und ein "Globales Dorf" mit Zeltlager geplant. Frankreich und die Schweiz wollen tausende Sicherheitskräfte einsetzen, um das Treffen zu schützen. Frankreich hatte zudem angekündigt, es werde im Vorfeld des Gipfels das Schengener Abkommen aussetzen, das den freien Grenzverkehr unter den Teilnehmerländern regelt. Dies bedeutet, dass an den französischen Grenzen und Flughäfen Reisende auch aus den Schengen-Ländern kontrolliert werden. Die G-8-Gruppe umfasst die sieben führenden Industrieländer Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die USA, Kanda und Japan sowie als achtes und jüngstes Mitglied Russland.(APA/dpa)

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    George W. Bush ist sauer auf die Franzosen. Doch weil der G8-Gipfel in Frankreich, genauer gesagt in Evian stattfindet, muss er wohl oder übel französischen Boden betreten. Doch schlafen will er da nicht.

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