Berliner Polizist bei Einsatz erschossen

24. April 2003, 15:05
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Bei Wohnungsstürmung tödlich getroffen - Schütze war unter Festgenommenen

Berlin - Nach den tödlichen Schüssen auf einen Polizisten in Berlin ist der Schütze gefasst. Am Mittwochabend war zunächst noch unklar, ob auch der Täter unter den vier Festgenommenen war. "Alle Personen sind gefasst worden, die in dem Raum waren, aus dem die Schüsse kamen", sagte Justiz-Sprecher Björn Retzlaff am Donnerstag. Derzeit werde aber noch ermittelt, wer für die Todesschüsse auf den 37 Jahre alten Beamten verantwortlich war.

Zwei Beamte getroffen

Zu der Schießerei, bei der zwei Beamte getroffen worden waren, kam es, als ein Spezialeinsatzkommando (SEK) einen mit Haftbefehl gesuchten Mann festnehmen wollte. Bei der Erstürmung der Wohnung im Stadtteil Neukölln wurde sofort das Feuer eröffnet. Eine Waffe wurde sichergestellt. Retzlaff bestätigte, dass der mit Haftbefehl Gesuchte gefasst wurde.

Entgegen Meldungen vom Vorabend hieß es aber, der 37-Jährige sei klinisch tot, jedoch noch an Apparate angeschlossen. "Es gibt aber keinerlei Aussichten, dass er wiederbelebt wird", sagte Retzlaff. Der Polizist war als erster in die Wohnung gestürmt und durch einen Schuss zwischen Helm und Schutzschild im Gesicht getroffen worden. Kurze Zeit später setzte der Hirntod ein.

Dem zweiten verletzten Beamten ist laut Justiz-Sprecher ins Bein geschossen worden. Er schwebt nicht in Lebensgefahr. Trotz der Schüsse habe die Polizei selbst keine Schusswaffen eingesetzt. Ob bei dem Einsatz alle Sicherheits-Bestimmungen eingehalten wurden, konnte Retzlaff nicht sagen.

Standardeinsatz

Der SEK-Leiter Jörg Manske sagte, dass es ein Standardeinsatz war. Die Beamten seien auf einen möglichen Angriff mit Stich- und Schusswaffen vorbereitet und entsprechend ausgerüstet gewesen. Der tragische Ausgang sei sehr bedauerlich, aber nicht auf unprofessionelles Vorgehen zurückzuführen.

Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, sprach von einem "tragischen Unfall". "Es wurde alles getan, was den jetzigen Sicherheits-Standards entspricht", sagte er. Allerdings werde der Vorfall aufgearbeitet werden müssen.

Streit in einer Discothek

Hintergrund der Polizeiaktion war ein Streit am Karfreitag in einer Discothek. Dabei wurde ein Gast von einem Türsteher von hinten mit einem Messer attackiert, während ein zweiter ihn mit einer Waffe bedrohte, sagte Retzlaff. Das Opfer liegt noch im Koma. Es waren Haftbefehle wegen versuchten Mordes gegen zwei Tatverdächtige erlassen worden. Einer der beiden Männer konnte bereits festgenommen werden, der zweite wurde am Mittwoch überwältigt.

Nach Angaben von Retzlaff handelte sich um einen Zwist zwischen zwei Großfamilien aus dem arabischen Raum. Die Festgenommenen waren der Polizei schon wegen Gewaltdelikten bekannt. Einer verbüßt eine fünfjährige Haftstrafe und befand sich lediglich auf Freigang. (APA/dpa)

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