US-Army lässt Iraks Öl wieder sprudeln

24. April 2003, 14:37
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Spezialeinheit wirft Öl-Förderung wieder an - Ein schneller Erfolg, nur die Bezahlung der irakischen Arbeiter vor Ort ist eine "komplizierte Sache"

Bagdad/Basra - Knapp fünf Wochen nach Kriegsbeginn im Irak hat ein technisches Korps der US-Armee erstmals wieder Öl gefördert. Die Förderungen sei im Norden und Süden des Landes wieder aufgenommen worden, um den Bedarf der irakischen Bevölkerung zu decken, sagte der US-Zivilverwalter für Irak, Jay Garner, am Donnerstag in Bagdad. Die Öl- und Gasförderung war während des Krieges praktisch vollkommen zum Erliegen gekommen.

Bis Jahresende, schätzen Experten, könnten im Irak bereits wieder bis zu 2,5 Mio. Barrel (je 159 Liter) Öl pro Tag gefördert werden.

Mit irakischer Unterstützung

"Wir schätzen, dass es noch sechs bis 15 Wochen dauert, um eine Produktion zwischen 400.000 und 800.000 Barrel pro Tag zu erreichen", berichtet US-Brigadegeneral Robert Crear am Donnerstag in Basra. Hilfe bekam das Armeekorps vom US-Unternehmen Kellogg Brown & Root (KBR) sowie von mehr als 1.000 irakischen Ölarbeitern.

Die Aufgabe hätte nicht so schnell gelöst werden können, wenn nicht die irakischen Arbeiter der Southern Oil Company so schnell zu ihren Arbeitsplätzen zurückgekehrt wären, sagt Korps-Sprecher Steve Wright. "Ihr Wissen über die Förderanlagen und das System war unschätzbar."

Brigadegeneral Crear spricht bei den Löhnen für die irakischen Arbeiter von einer "komplizierten Angelegenheit", weil alle Guthaben der Irakischen Zentralbank seit Kriegsbeginn eingefroren seien. Damit ist noch unklar, wann und wie die Arbeiter bezahlt werden.

Bezahlung offen

Zu Zeiten des Regimes von Saddam Hussein verdienten die Beschäftigten in der Ölindustrie zwischen 25 und 60 US-Dollar im Monat. Die Einkommen lagen damit zwischen fünf und zwölf Mal höher als die von durchschnittlichen Staatsangestellten.

Nicht nur die Bezahlung der Arbeiter ist derzeit offen, sondern auch der legale Rahmen, in dem das Öl überhaupt gefördert wird. Zurzeit gibt es im UN-Sicherheitsrat ein diplomatisches Gerangel über eine Neuauflage des Programms "Nahrungsmittel für Öl".

800.000 Barrel Zielmarke

Crear betont, dass er 800.000 Barrel pro Tag als Zielmarke betrachte. "Wir möchten gern so viel Öl produzieren wie unter dem UN-Programm. Es ist ein guter Anfang, wenn sich ein Land wieder selbst versorgen kann", sagt der General. Außerdem hofft er, dass in den Wochen, die die Instandsetzungsarbeiten noch dauern werden, alle Hürden für den Erdölverkauf aus dem Weg geräumt und die ersten Exportverträge geschlossen worden sind.

Die beiden Ölfelder in Nord- und Südrumailah an der Grenze zu Kuwait hatten in guten Tagen eine geschätzte Kapazität von 1,2 Mio. Barrel pro Tag. Aber wegen der veralteten und verschlissenen Anlagen konnte zuletzt nur noch knapp die Hälfte gefördert werden.

Das "erste Öl" des Rumailah-Feldes ist von den US-Soldaten und irakischen Mitarbeitern gleichermaßen gefeiert worden. Über eine 26 Kilometer lange Leitung wird es in Richtung Nordosten über al Subair nach Basra gepumpt. Die Raffinerie von Basra war am 22. März geschlossen worden. Sie hat eine Kapazität von 140.000 Barrel pro Tag.

Kirkuk soll folgen

Nächster Punkt auf der Aufgabenliste sei Iraks nördliches Ölfeld bei Kirkuk, sagt Crear. Nächste Woche will er die Anlagen in Augenschein nehmen. In besten Zeiten wurden dort um die 900.000 Barrel gefördert.

Insgesamt verfügt der Irak Mit 15,1 Mrd. Tonnen über die drittgrößten Ölreserven der Welt nach Saudi-Arabien und Kanada, in den vergangenen Jahren jedoch war sein Beitrag zur weltweiten Ölversorgung bescheiden. Unter den Bedingungen des Embargos durfte der Irak nur begrenzt Öl ausführen und konnte keine Investitionen in die Anlagen mehr vornehmen. Vor Kriegsausbruch im März produzierte das Land zuletzt 1,7 Barrel pro Tag, etwa halb so viel wie vor zwölf Jahren. (APA/dpa)

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