Herr und Frau Österreicher tun sich schwer beim Streiken

25. April 2003, 11:56
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Postbus und Uni-Lehrer brachten 2002 Plus bei Streikstatistik - Nach null Sekunden im Jahr 2001

Wien - Gewerkschaftliche Maßnahmen gegen die Pensionsreform könnten zu einem neuerlichen Plus in der Streikstatistik führen. Im Vorjahr hatten der Protest der Postbus-Mitarbeiter gegen den Verkauf ihres Unternehmens und die Aktionen der Hochschullehrer gegen die Uni-Reform wieder ein leichtes Plus gebracht. Insgesamt 6.305 Arbeitnehmer haben für in Summe 74.445 Stunden die Arbeit niedergelegt, geht aus der aktuellen Streikstatistik des ÖGB hervor. Im Jahr 2001 waren überhaupt keine Streiks verzeichnet worden. Im Jahr 2000 wurden 23.579 Streikstunden verzeichnet.

Insgesamt werden für das Vorjahr 9.306 Streiktage verzeichnet. Dies entspricht einer Streikdauer pro Teilnehmer von 11 Stunden und 48 Minuten bzw. von einer Minute 25 Sekunden pro Beschäftigtem. Die größte Aktion des Vorjahres betraf den Postbus: Am 29. Mai für 24 Stunden und dann noch einmal am 25. und 26. Juni für 48 Stunden hatten die Mitarbeiter die gelben Busse aus Protest gegen den Verkauf ihres Unternehmens an die ÖBB und die geplante weitere Teilprivatisierung stehen lassen. Bereits im April hatten die Hochschul-Lehrer gegen die Uni-Reform protestiert.

Schwarz-Blau I

Zwei Jahre zuvor, im Jahr der Wende zu Schwarz-Blau, hatten zwei Ereignisse zu den Einträgen in der Streikstatistik geführt: Ein Aktionstag des ÖGB mit einem Warnstreik vor allem der Eisenbahner und ein Warnstreik der AHS-Lehrer.

Für die Jahre 1998 und 1999 findet sich in der Streikstatistik - so wie für 2001 - jeweils ein Nullmeldung.

Sehr gering war die Streiklust auch in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre. Lediglich 1997 hatte es zwei Aktionen - jeweils der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst - gegeben. Knapp 26.000 Beamten hatten damals 153.000 Stunden gestreikt. 1994, 1996, 1998 und 1999 waren jeweils Nullmeldungen verzeichnet worden. Das Jahr 1995 hat lediglich einen zweitägigen Ausstand in einer Werkzeugfabrik in Ferlach in Kärnten gebracht. Grund war eine Auseinandersetzung um die Weiterbeschäftigung von Betriebsräten nach einem Eigentümerwechsel.

Anders das Bild Anfang der neunziger Jahre. Dominierend war meist der öffentliche Dienst. 1991 etwa (insgesamt 466.731 Streikstunden von 92.707 Arbeitnehmern) führte die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) Warnstreiks an Arbeitsämtern und Schulen durch, 1992 (insgesamt 181.502 Streikstunden von 18.039 Arbeitnehmern) protestierten die Lehrer an den berufsbildenden mittleren und höheren Schulen.

EU-Vergleich

Im EU-Vergleich lag Österreich bei der Streikdauer von 1990-2000 mit durchschnittlich 4 verlorenen Arbeitstagen eindeutig an letzter Stelle (Siehe: EU-Streikdauer als pdf-File der Wirtschaftskammer. (APA/red)

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