Keine "UMTS-Versuchskaninchen"

24. April 2003, 17:03
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T-Mobile, Österreichs zweitgrößter Handy-Betreiber, verspricht seinen Kunden bereits zum Start funktionierende Anwendungen

Wien - Österreichs zweitgrößter Handybetreiber T-Mobile Austria lässt sich vom bereits erfolgten Start vom Marktführer Mobilkom und vom chinesischen Mobilfunkbetreiber Hutchison mit der dritten Mobilfunkgeneration UMTS in Österreich nicht unter Druck setzen. T-Mobile wolle seine Kunden nicht als "UMTS-Versuchskaninchen" missbrauchen, sagte T-Mobile Austria-Chef Georg Pölzl am Donnerstag vor Journalisten. Man setze daher derzeit auf funktionierende Datenanwendungen, unabhängig von der Technologie, die dahinter stecke.

Nahtloser Übergang

"Der Kunde soll nicht merken, ob er Applikationen über UMTS oder GPRS nützt", so Pölzl. Die UMTS-Preise würden daher künftig an die GPRS- und Sprachtelefonie-Tarife angelehnt. T-Mobile werde im Juni mit einem UMTS-Testbetrieb mit sogenannten "friendly customers" starten, der kommerzielle Start sei für das "dritte oder vierte Quartal" geplant - allerdings nur, "wenn die Endgeräte in ausreichender Stückzahl vorhanden und kommerziell nutzbar sind". Man werde UMTS erst anbieten, wenn ein nahtloser Übergang von der zweiten auf die dritte Mobilfunkgeneration (von GSM zu UMTS) möglich sei und es keine Gesprächsabbrüche mehr gebe. Außerdem müssten die Akkuleistung der Handys und das Aussehen stimmen. Auch wolle man UMTS von Beginn an international anbieten können: "Wir wollen keine UMTS-Insellösung für Wien, Graz und Linz", so Pölzl.

Marktführerschaft angestrebt

T-Mobile Austria strebe die Marktführerschaft bei Multimedia-Anwendungen an, verkündete Pölzl. Über eine Partnerschaft mit dem ORF werde T-Mobile ab Mai den ORF Teletext, "einen der meistgenutzten elektronischen Contents in Österreich", aufs Handy und auf den Taschencomputer (PDA) bringen. Ab Juni soll es die "Austria Top 40" als MMS in Bild, Ton und Text und ab Juli die "Zeit im Bild-Schlagzeilen" in Form von MMS geben. Von den mehr als 2 Mio. T-Mobile Austria-Kunden würden derzeit deutlich über 30.000 Kunden MMS verschicken. Der Datenanteil am Gesamtumsatz liegt bei T-Mobile Austria laut Pölzl allerdings erst bei 8 Prozent.

Neuerungen gibt es - ein Jahr nach der Markenumstellung von max.mobil auf T-Mobile - auch bei den Tarifen: Ab 23. Juni kann der bisher auf das Business-Segment beschränkten Worldclass Tarif, der für 23 europäische Länder gilt, auch von privaten Vertragskunden genutzt werden, berichtete Pölzl weiter. Für Business-Kunden koste die Minute in Partnernetze 45 Cent, für Privatkunden 79 Cent. Für Telefonate in Fremdnetze würden für alle Kunden 1,15 Euro verrechnet. 10 Prozent aller Vertragskunden nutzen laut Pölzl bisher den Worldclass-Tarif.

WLAN für spezielle Zielgruppen

Ab 1. Mai vereinheitlicht T-Mobile Austria außerdem die WAP- und Web-Tarife sowie die GPRS-Roaming-Tarife. Die WAP-Nutzung über GPRS werde damit bis zu 80 Prozent günstiger, rechnet Pölzl vor. Die Nutzung von Datendiensten über GPRS sei derzeit in 29 Auslandsstaaten möglich. Wertkartenkunden könnten ab Sommer in 110 Staaten im Ausland telefonieren und "SMSen".

Die drahtlose Funktechnologie WLAN (Wireless LAN) sieht Pölzl als "semimobile Ergänzung zu GPRS und UMTS" für spezielle Zielgruppen wie Businesskunden und Studenten. Man strebe über eine Kooperation mit dem WLAN-Anbieter metronet eine Integration von WLAN-Hot Spots in das T-Mobile-Netz an. T-Mobile-Kunden sollten WLAN zudem künftig auch im Ausland - etwa Deutschland - nutzen können. Eine Übernahme von metronet sei aber kein Thema. (APA)

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    foto: siemens
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