Ausgezeichnet in Wien

24. April 2003, 13:43
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Förderungspreise aus dem Theodor Körner-Fonds vergeben - Klestil mahnt "Vorrang für Wissenschaft und Forschung" ein

Wien - Zum 50. Mal wurden am Donnerstag junge Wissenschafter und Künstler mit den Förderungspreisen aus dem Theodor Körner-Fonds ausgezeichnet. Der Fonds wurde 1953 von Arbeiterkammern und Gewerkschaften zum 80. Geburtstag von Bundespräsident Theodor Körner eingerichtet. Seither wurde mehr als 3.000 jungen Forschern und Künstlern, die bereits erste wichtige Arbeiten geleistet haben und von denen weitere bedeutende Beiträge zu erwarten sind, eine Starthilfe in Höhe von insgesamt rund 3,3 Mio. Euro gegeben. Heuer erhalten 58 Wissenschafter eine Förderung zwischen 1.200 und 2.700 Euro.

Unter den Körner-Preisträgern der vergangenen 50 Jahre finden sich zahlreiche prominente Namen: etwa Heinz Zemanek, der 1954 mit der Starthilfe von 30.000 Schilling seine Arbeiten am ersten europäischen Transistoren-Rechner "Mailüfterl" beginnen konnte, oder die Wiener Biochemikerin Renee Schroeder, die heuer vom Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten als Wissenschafterin des Jahres 2002 ausgezeichnet wurde. Aber auch zahlreiche Künstler wie Oswald Oberhuber, Andreas Okopenko, Werner Schneyder, Christian Ludwig Attersee, Friedrich Cerha, Jörg Mauthe oder Arnulf Rainer zählen zu den Preisträgern.

Kritik an Regierung

Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel kritisierte bei der Preisverleihung am Donnerstag die Regierung, "die die Abhängigkeit der Universitäten von der Wirtschaft massiv erhöht hat". Bei der Besetzung der Uni-Räte seien die Arbeitnehmerinteressen missachtet worden, es fehle ein Gesamtkonzept für die Entwicklung und Finanzierung von Forschung und Lehre, und der Geldmangel an den Unis könnte zur Verwendung der Studiengebühren zur Abdeckung von Budgetdefiziten statt zur Verbesserung des Lehrangebots führen, meinte Tumpel und forderte mehr staatliche Mittel für die Universitäten.

Auch Bundespräsident Thomas Klestil, der traditionell die Körner-Preisträger nach der Verleihung in der Hofburg empfing, mahnte einen "Vorrang für Wissenschaft und Forschung" ein. Nachdem in den letzten Wochen "Hilferufe im Bereich der Forschungsförderung" laut geworden sind, verfolgt das Staatsoberhaupt die Entwicklung nach eigenen Worten "mit großer Besorgnis".

Klestil bezog sich damit auf die jüngst geäußerte Kritik der Präsidenten der Rektorenkonferenz, des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung und der Akademie der Wissenschaften über die österreichische Forschungs- und Uni-Politik. Diese Aussagen müssten von der Öffentlichkeit, vor allem aber von den politisch Verantwortlichen, ernst genommen werden, meinte Klestil. (APA)

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    Bundespräsident Thomas Klestil ist ob der Entwicklungen in Österreich im Wissenschafts- und Forschungsbereich besorgt.

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