Gehrer rügt "unverantwortliche" Lehrer

24. April 2003, 14:42
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Vorwurf des Instrumentalisierens von Schülern zu Protesten - "Professionelle Jammerer" verdeckten Blick auf engagierte Pädagogen

Wien - Mit "unverantwortlichen Aussagen" von Lehrern und Vorurteilen zur Kürzung von Unterrichtsstunden an den Schulen wollte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) am Donnerstag vor Journalisten aufräumen. Pädagogen würden Eltern und Schüler für ihre Proteste instrumentalisieren und mit falschen Informationen versorgen - "welcher normale Schüler hat etwas dagegen, wenn er zwei Stunden in der Woche weniger Schule hat?", so Gehrer. Sie wisse etwa von einem Gymnasium in Wien, an dem Lehrer die Schüler auf die Straße schickten, um Unterschriften gegen die Stundenreduktion zu sammeln.

"Unverantwortlich" wäre es etwa, wenn die Lehrer behaupteten, dass die Kinder wegen der Streichung von Schulstunden daheim mehr lernen müssten. Die Pädagogen hätten sich mit den Rahmen-Lehrplänen auseinander zu setzen und den Kernstoff zu vermitteln, so Gehrer: "Es ist falsch, wenn der Lehrer sagt, er muss das Buch durchbringen. Das Buch ist nicht gleich der Lehrplan." Und: Man dürfe "aus einem Unterrichtsfach kein Wissenschaftsfach machen". Es liege auch in der Verantwortung der Lehrer, die Informationen zu filtern und das Wichtige herauszusuchen. Wenn sie die falschen Informationen der Lehrer höre, überlege sie, eine Hotline einzurichten, "wo Eltern sich melden können, wenn Lehrer die Unwahrheit verbreiten", so Gehrer. Es stimme sie traurig, dass engagierte Lehrer durch "einige professionelle Jammerer in Misskredit" gebracht würden.

"Aufs Schärfste"

"Auf Schärfste" wies Gehrer Aussagen von einzelnen Fachvertretern zurück: So habe etwa der Generalsekretär der Wiener Symphoniker, Rainer Bischof, eine Kürzung bei Musikstunden mit einem Mord verglichen. Einerseits sei sie schwer enttäuscht von einer solchen Ausdrucksweise, andererseits werde bei Musik in der Grundstundentafel nichts gekürzt (nur in der subsidiären Stundentafel sind Kürzungen vorgesehen, Anm.).

Nur wenig kann man im Ministerium dem Vorschlag des Rechnungshofs abgewinnen, statt der geplanten Stundenreduktion die Unterrichtseinheiten von 50 auf 45 Minuten zu kürzen. Damit würde zehn Prozent weniger Lernzeit zur Verfügung stehen, während es so nur fünf bis sechs Prozent seien, betonte Sektionschef Heinz Gruber. Kritik an der "überfallsartigen" Einführung der Stundenreduktion bereits ab dem kommenden Schuljahr wies Gehrer zurück: Seit Anfang März wüsste jeder, dass diese Maßnahme komme, seit Ende März liege der Begutachtungsentwurf vor. Damit stünden die zur Verfügung stehenden Stunden fest: Jeder, der lesen könne, könne dies nachlesen.

Verordnung kommt Mitte Mai

Die "Wochenstundenentlastungs- und Rechtsbereinigungsverordnung 2003" will Elisabeth Gehrer bis Mitte Mai erlassen. Änderungen zum Entwurf, dessen Begutachtungsfrist am Freitag (25. April) ausläuft, seien nur begrenzt zu erwarten. So werde man sich etwa ansehen, ob die Autonomie der Schulen ausgebaut werden könne. Ein Infragestellen der Stundentafel käme in so kurzer Zeit allerdings nicht in Frage.

Generell müsse man aber natürlich diskutieren, ob etwa das Fach Geometrisch Zeichnen nicht in Mathematik integriert werden könne, so Gehrer. Derzeit wäre dafür aber eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament nötig, da der Gegenstand im Schulorganisationsgesetz (SchOG) festgeschrieben sei. Deshalb solle sich der geplante Österreich-Konvent mit der Frage beschäftigen, für welche Materien im Schulbereich eine Zwei-Drittel-Mehrheit gebraucht werde und in welchen nicht. Außerdem müsse geklärt werden, wie eine moderne Schulverwaltung organisiert sein soll.

"Fürchtet euch nicht"

In Richtung der Kritiker am Tempo bei der Stundenreduktion meinte Gehrer, dass sie "die Sehnsucht, alles hinauszuschieben", nicht verstehen könne. Sämtliche Untersuchungen über die Arbeitsbelastung der Schüler lägen bereits seit längerer Zeit vor. Dinge, die man für wichtig halte, müsse man umsetzen und dann anschließend evaluieren.

Als Resümee appellierte Gehrer an Schüler, Eltern und Lehrer: "Fürchtet Euch nicht" - was für Schüler und Lehrer des Gymnasiums und Realgymnasiums Ettenreichgasse in Wien-Favoriten allerdings zu spät kam: Sie demonstrierten während des Pressegesprächs lautstark vor dem Ministerium und erregten damit den Ärger der Ressortchefin, die an die Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (S) appellierte, "ihre Aufsichtspflicht wahrzunehmen". (APA)

  • Ministerin Gehrer will die Verordnung ohne große Korrekturen durchziehen
    foto: derstandard

    Ministerin Gehrer will die Verordnung ohne große Korrekturen durchziehen

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