Neun Algerier tot in Wüste entdeckt

24. April 2003, 19:07
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Wahrscheinlich verirrt und in der Wüste verdurstet - Hinweise auf entscheidene Phase der Suche - militärisches Gerät mobilisiert

Algier/Wien - In der südalgerischen Sahara wurden neun Leichen entdeckt. Nach algerischen Presseberichten handelt es sich um Einheimische. Die sieben Männer und zwei Frauen waren am 9. April als abgängig gemeldet worden. Es sei wahrscheinlich, dass sie sich verirrt und in der Wüste verdurstet seien. Einen Zusammenhang mit dem Verschwinden von 31 Wüstentouristen, zehn davon aus Österreich, gebe es vorerst nicht, hieß es.

Fundort

Der Fundort der Toten sei mehr als 1000 Kilometer von jenem Gebiet entfernt, in dem die Urlauber verschollen seien, sagte Thomas Buchsbaum, Leiter der österreichischen Sondermission in Algier. Wie berichtet, waren die sieben Reisegruppen vor ihrem Verschwinden auf oder in der Nähe der beliebten "Gräberroute" unterwegs. Nach wie vor gibt es keine offizielle Bestätigung dafür, dass die Urlauber entführt wurden. Aber in Algerien verdichten sich Informationen über eine bevorstehende Befreiungsaktion. Laut Tageszeitung Le Matin sei der Aufenthaltsort der Entführer und ihrer Geiseln lokalisiert worden, und zwar im ausgedehnten Tassili N'Ajjer-Gebirgsmassiv.

Hinweise auf entscheidene Phase

Frankreich soll den Behörden bei der Suche sogar einen Militärsatelliten zur Verfügung gestellt haben. Überdies haben die algerischen Soldaten in den vergangenen 48 Stunden militärisches Gerät mobilisiert, was ebenfalls auf den Eintritt in eine "entscheidende" Phase hindeuten könnte, hieß es.

An alles klammern was Hoffnung gibt

Die Stimmung in der Gruppe ist unterschiedlich. Wir klammern uns aber an alles, was Hoffnung gibt. Wir wissen immer noch nichts Genaues - für uns ist alles offen." So schildert der Salzburger Markus Ruppnig (36), der Sohn eines Vermissten, die momentane Situation der in Algerien verschollenen Touristen gegenüber der APA.

Der Leiter der österreichischen Sondermission, Thomas Buchsbaum, habe einen "guten Draht zu uns, doch glaubt er, dass zum Schutz der Vermissten gewisse Informationen nicht weiter gegeben werden", so Ruppnig. "Wir vermuten, die (algerischen Behörden, Anm.) wissen, mit wem sie es zu tun haben und dass in Wirklichkeit schon Verhandlungen laufen." Für ihn stehe es fest, dass die Touristen in Wirklichkeit entführt wurden, meinte der Salzburger.

Bei dieser Salzburger Gruppe handle es sich vor allem um Teilnehmer, die kein Risiko eingehen würden: Sein Vater wäre das beste Beispiel dafür, denn dieser habe zum Beispiel 30 Jahre lang schwierige Bergtouren unternommen. Niemals hätte er das Leben aufs Spiel gesetzt, so sein Sohn.

Die Theorie, dass die Abgängigen als "Schutzschilder" gebraucht würden, wäre nicht so abwegig. So könnten in Deutschland inhaftierte Algerier freigepresst werden, ist der Salzburger der Meinung. (APA, red,DER STANDARD Printausgabe 25.4.2003)

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