Englische Internate stellen Schüler unter Quarantäne

24. April 2003, 13:22
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Asienreisenden Schülern wird Essen vor den Türen abgestellt

London - Englische Schulen und Internate greifen aus Angst vor der gefährlichen Lungenkrankheit SARS zu drastischen Maßnahmen. Allerorts werden Schüler, die etwa über Ostern in den betroffenen asiatischen Regionen unterwegs waren, unter Quarantäne gestellt. Direktorin Margaret Hustler vom Mädchen-College in Harrogate etwa hat sich mit 43 Schülerinnen vorsichtshalber für zehn Tage in einem Wohntrakt ihres Lehrinstitutes eingeschlossen.

Asienreisen

Sie waren zuvor in Hongkong oder China gewesen. Das Risiko einer Infektion unter den Schülern hält Hustler selbst zwar für "sehr gering", aber "ich habe 600 besorgte Eltern, die Angst haben, dass SARS in unsere Schule getragen wird."

Inkubationszeit für SARS beträgt zehn Tage

Nun gibt sie selbst Unterricht, holt zuvor vor der Tür abgestellte Essensrationen und Lehrmaterial in die "Quarantänestation". So sieht es auch für 16 Schüler der Wellington-Schule in der Grafschaft Somerset aus, die gerade von einer Klassenreise aus Japan - mit Zwischenstation Hongkong - zurückkamen. Auch bei ihnen gibt es keine Anzeichen der gefährlichen Krankheit, und vor der Rückreise auf die britische Insel wurden sie sogar ärztlich untersucht. Aber sicher ist sicher, meint ein Schulsprecher. Denn die Inkubationszeit für SARS beträgt zehn Tage. In Japan hat die Weltgesundheitsorganisation WHO bislang zwei importierte SARS-Fälle registriert.

Etwa ein Dutzend britische Internate haben sich nach Medienberichten dazu entschlossen, in Frage kommende Schüler für diesen Zeitraum zu isolieren. Und gut 30 weitere Schulen schickten rund 150 Kinder und Jugendliche zur Quarantäne auf die Isle of Wight im Ärmelkanal. Diese ungewöhnliche Maßnahme hält Neil Arnott vom britischen Verband der Schulmediziner für "eine leichte Überreaktion".

Sechs SARS-Fälle bisher im Vereinigten Königreich festgestellt

Dieser Meinung sind auch die britischen Gesundheitsbehörden. Sechs SARS-Fälle sind bisher im Vereinigten Königreich festgestellt worden, und nur noch einer der Betroffenen befindet sich noch unter Beobachtung im Krankenhaus. Eine Sprecherin der staatlichen Gesundheitsbehörde HPA betont deshalb, dass die Chancen, sich in Großbritannien mit dem Virus zu infizieren "extrem niedrig" sei.

Schulen wurden lediglich empfohlen, wachsam zu sein und auf Symptome zu achten. Trotzdem hält Schuldirektorin Hustler an der Quarantäne fest: "Die Eltern wissen, wo ihre Kinder sind, sie wissen, dass sie sicher sind und dass sich die Schule, die sie ausgewählt haben, gut um sie kümmert." (APA/dpa)

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