155 neue Krankheitsfälle

24. April 2003, 12:56
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Kanada protestiert gegen WHO-Warnung vor Reisen nach Toronto - Verschärfte SARS-Kontrollen in Rom und Mailand

Peking/Hongkong - In China und Hongkong sind weitere Patienten an der gefährlichen Lungenkrankheit SARS gestorben. Die Behörden berichteten am Donnerstag von 155 neuen Krankheitsfällen. Allein in Peking sind offiziellen Angaben zufolge inzwischen 774 Menschen am Schweren Akuten Atemwegssyndrom (SARS) erkrankt. Das ist gut ein Drittel der offiziell gemeldeten 2.422 chinesischen Patienten. 110 Menschen sind den Angaben zufolge inzwischen tot.

30 neue SARS Patienten in Hongkong

In der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong wurden nach offiziellen Angaben innerhalb eines Tages weitere 30 Menschen an SARS befallen. Die Zahl der Todesopfer stieg in der Millionenstadt auf 109, die Zahl der Patienten auf 1.488.

Die Behörden in Peking bemühen sich unterdessen, die Versorgung mit Medikamenten sowie vielerorts ausverkauften Desinfektionsmitteln, Gesichtsmasken und medizinischer Seife zu sichern. Geschäftemachern, die Preise für derartige Produkte erhöhten, wurde mit hohen Strafen gedroht. Auch wurden 70 Flaschen gefälschter Desinfektionsmittel sichergestellt.

Auch Gefängnisse in Peking wurden abgeriegelt

Auch Gefängnisse in Peking wurden abgeriegelt, sodass auch die Wächter, die engen Kontakt mit Gefangenen haben, das Gelände nicht mehr verlassen dürfen. Zudem wurden alle Besuche gestrichen. Um Ansteckungen zu vermeiden, setzten die Verkehrsbetriebe zusätzliche Busse auf Pekings Straßen ein, damit Passagiere nicht so eng nebeneinander sitzen und sich auf mehrere Fahrzeuge verteilen.

Patienten und 2.262 Beschäftigte der Pekinger Uniklinik wurden unter Beobachtung gestellt, wie die Universitätsleitung mitteilte. Ein Sprecher erklärte, die Patienten seien auf sechs andere Krankenhäuser verteilt worden, konnte aber keine Angaben über die Zahl der Betroffenen machen. Am Eingang der Klinik wies ein Wachmann mit Atemschutzmaske alle Besucher ab.

Temperaturmessung an Grenzübergängen

Die Hongkonger Behörden begannen, an den Grenzübergängen zur Volksrepublik China und am Flughafen die Temperatur der Einreisenden zu messen. Wer Fieber hat, darf nach Angaben der Gesundheitsbehörde einreisen, muss sich aber sofort ins Krankenhaus begeben.

Singapur richtete inzwischen ein Lager ein, in dem Personen eingesperrt werden sollen, die unter SARS-Verdacht stehen und entgegen den Quarantäneregelungen ihre Häuser verlassen. Das Parlament des Stadtstaates wollte noch am Donnerstag über eine Gesetzesänderung abstimmen, wonach ein Ausbruch aus der Quarantäne ohne Gerichtsverfahren mit Geld- oder Haftstrafen geahndet werden kann.

Kanada über WHO-Reise-Warnung erzürnt Kanada kündigte am Mittwoch Einspruch gegen die Warnung der Weltgesundheitsorganisation WHO vor Reisen nach Toronto an. "Wir fechten die Behauptung der WHO an, dass Toronto ein unsicherer Ort sei," sagte der Leiter der Gesundheitsbehörde Health Canada, Paul Gully. Es gebe keine Beweise für eine Übertragung der Lungenkrankheit SARS in Toronto selbst.

Italienische Flughäfen verstärken Ärzteeinheiten

Italien will auf allen größeren Flughäfen Ärzte einsetzen, die Passagiere aus SARS-gefährdeten Ländern kontrollieren sollen, die vom Flugpersonal wegen verdächtigter Symptome gemeldet werden. "Wir wollen die Sicherheitsvorkehrungen verstärken. Passagiere aus gefährdeten Ländern werden Gespräche mit unseren Ärzte führen", sagte Gesundheitsminister Girolamo Sirchia laut Medienberichten vom Donnerstag.

Verschärfte Kontrollen in Rom und Mailand

Die Vorkehrungen wurden vor allem auf den internationalen Flughäfen von Rom und Mailand verschärft. "Wir registrieren die italienischen Adressen der Personen, die aus SARS-gefährdeten Regionen kommen", sagte der Sprecher des römischen Flughafens Fiumicino, Diego Petriccione. Die Angestellten des Airports forderten stärkere Schutzmaßnahmen für das Personal, das Passagiere, Gepäck und Waren aus Ländern mit SARS-Todesfällen kontrolliert.

Italien hat drei Verdachtsfälle

Experten warnten vor übertriebenem Alarm in Italien. Bisher seien nur drei Verdachtsfälle gemeldet worden, kein einziger hat sich bestätigt. Die Sorge bleibt jedoch auch wegen der negativen Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Beziehungen zu den asiatischen Südost-Ländern groß. Im ersten Quartal 2003 stieg der Export italienischer Waren nach China um 43 Prozent. Dieser positive Trend könnte nun stark beeinträchtigt werden. "Wir können auf unsere Handelsbeziehungen zu China nicht verzichten. Die Effekte für unsere Wirtschaft in dieser Phase niedrigem Wirtschaftswachstum wären verheerend", erklärte der Vize-Industrieminister Alfonso Urso.

Die Unsicherheit rund um die SARS-Epidemie wirkt sich auch auf den Tourismus aus. Mehrere italienische Reiseveranstalter klagten über einen radikalen Rückgang der Buchungen von Reisen in asiatische Länder. "Die internationale Unsicherheit und die SARS-Epidemie veranlassen die Italiener, Nahdestinationen für ihren Urlaub zu bevorzugen", sagte ein Sprecher des Verbands der italienischen Reisegesellschaften. (APA/Reuters/dpa/AP)

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