Angedockt

28. April 2003, 22:21
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Astronauten Juri Malentschenko und Edward Lu haben die ISS erreicht - als erste seit dem "Columbia"-Desaster

Moskau - Erstmals seit der "Columbia"-Katastrophe hat ein russisch-amerikanisches Astronauten-Duo erfolgreich an der Internationalen Raumstation angedockt. Nach zwei Tagen Anflug im All wurden Kommandant Juri Malentschenko und Bordingenieur Edward Lu freudig von der dreiköpfigen ISS-Besatzung in knapp 400 Kilometer Höhe über der Erde begrüßt.

Seit der "Columbia"-Katastrophe vom 1. Februar können nur russische Sojus-Raketen ins All fliegen. Die NASA hat alle amerikanischen Shuttleflüge gestoppt.

Freudige Begrüßung

Die beiden Neuankömmlinge wurden mit herzlichen Umarmungen von den drei ISS-Veteranen auf der Station empfangen. "Die Ankunft einer neuen Besatzung ist immer eine wunderbare, aufregende Angelegenheit", kommentierte ein russischer Kosmonaut im Flugleitzentrum bei Moskau die Fernsehbilder aus dem Weltall. Gemeinsam sollen die fünf Raumfahrer eine knappe Woche auf der Station verbringen.

Malentschenko und Lu haben neben lebensnotwendigen Gütern und Forschungsinstrumenten auch Geburtstagsgeschenke im streng begrenzten Gepäck. Ihr Raumfahrerkollege Nikolai Budarin feiert am Dienstag im Weltall seinen 50. Geburtstag. Zum Bedauern der alten Crew untersagten die Flugbehörden den Transport des in Russland sehr beliebten Osterkuchens "Kulitsch" zur Raumstation.

Per "Anhalter"

Die bisherige Langzeitbesatzung an Bord der ISS, zwei Amerikaner und ein Russe, schlagen mit ihrer für kommenden Sonntag geplanten Rückkehr zur Erde ein neues Kapitel in der Raumfahrtgeschichte auf. Erstmals werden amerikanische Astronauten mit einer russischen Sojus- Raumkapsel zur Erde heimkommen. Die Landung der von Fallschirmen gebremsten Stahlkugel in der kasachischen Steppe gilt als hart und mitunter schmerzhaft. Die ersten fünf Langzeitbesatzungen waren alle mit US-Raumfähren in den USA gelandet.

Schwere Zeiten

Seit der "Columbia"-Katastrophe, bei der alle sieben Astronauten ums Leben kamen, durchleben die beiden großen Raumfahrernationen USA und Russland schwere Zeiten. Washington und Moskau müssen sich dringend über den Fertigbau zusätzlicher russischer Raumschiffe und Raketen einigen. Die Sojus sind derzeit die einzige Verbindung zur ISS. "Bis jetzt ist eine endgültige Lösung der Probleme bei der Finanzierung der ISS noch nicht gefunden", sagte ein Sprecher der russischen Raumfahrtbehörde Rosawiakosmos in Moskau.

Um Lebensmittel und Treibstoff zu sparen, wurde die neue Langzeitbesatzung erstmals von drei auf zwei Astronauten reduziert. Malentschenko und Lu sollen bei ihrem bis Oktober geplanten Aufenthalt im All die Betriebsfähigkeit der ISS sichern und wissenschaftliche Experimente durchführen. Der ursprünglich geplante Ausbau der Raumstation muss verschoben werden, weil nach dem Shuttle-Verbot Transportkapazitäten von der Erde zur Raumstation fehlen.

Kostenpunkt ISS

Die Internationale Raumstation ist mit geschätzten Gesamtkosten von 200 Milliarden Euro das teuerste Projekt der Raumfahrtgeschichte. Die Station hatte Ende 2000 mit der Ankunft der ersten Langzeitbesatzung ihre Arbeit aufgenommen. Beteiligt sind 16 Länder. Ursprünglich sollte die ISS bis zum Jahr 2004 fertig gestellt werden. Wegen der "Columbia"-Katastrophe verzögert sich der Ablauf aber deutlich.(APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Begrüßung in der Schleuse

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