Streitobjekt "schwangere Madonna"

24. April 2003, 12:20
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Die italienische Gemeinde Monterchi kämpft gegen die Diözese Arezzo um Piero della Francescas Andachtsbild

Rom - Ein heftiger Streit ist in der Toskana um ein Meisterwerk des Renaissance-Malers Piero della Francesca entflammt. Um den Besitz der "Madonna del Parto", das mit Abstand prominenteste Werk des 1416 geborenen Künstlers, streiten seit Jahren die Gemeinde Monterchi im östlichsten Teil der Toskana, in der sich das Andachtsbild befindet, und die Diözese der nahe liegenden Stadt Arezzo. Die spektakuläre Darstellung der hochschwangeren Madonna mit zwei Engeln, die über dem Mädchen im blauen Kleid eine Art Zelt hoch halten, schuf Piero della Francesca um das Jahr 1455 in der Kirche Santa Maria in Momentana in Monterchi, dem Geburtsort seiner Mutter, einem kleinen Dorf an den Hängen eines Hügels.

Lange Zeit war Meisterschaft della Francescas unbekannt

Jahre lang wurde die Kirche von Tausenden von Pilgern besucht, ehe sie im 18. Jahrhundert mit ihrem Madonna-Gemälde in Vergessenheit geriet. 1785 wurde die Kirche teilweise zerstört und in eine Kapelle für den nahe liegenden Friedhof umgewandelt. Die "Madonna del Parto" blieb erhalten. Erst 1889 erkannten einige Kunstliebhaber, dass das Gemälde ein Werk von Piero della Francesca war. 1910 wurde das Andachtsbild tiefgreifend renoviert.

Stolz der Dorfbewohner

Die Bewohner Monterchis sind auf ihre Madonna, die jedes Jahr von 50.000 Personen besucht wird, sehr stolz. Nach einer neuen Restaurierung 1993 wurde das Gemälde in eine ehemalige Schule im Zentrum des Dorfes verlegt, die die Gemeinde in ein kleines Museum umwandelte. Die Lösung wurde von der Diözese Arezzo scharf kritisiert. Bischof Gualtiero Bassetti wandte sich an das Gericht, um den Besitz der Madonna zugesprochen zu bekommen. Er will das Gemälde wieder in eine Kirche zurückbringen, am besten in die Kapelle des Friedhofes, die jedoch renovierungsbedürftig, isoliert und von Touristen schwer erreichbar ist.

Wahrzeichen der Ortschaft soll bleiben

Der Bürgermeister von Monterchi, Gabriele Severi, will um jeden Preis verhindern, dass die Madonna in ein Museum außerhalb der Gemeinde gebracht wird. "Das Meisterwerk von Piero della Francesca ist ein Wahrzeichen unserer Ortschaft", betonte der Bürgermeister, der einen Rechtsstreit gegen die Diözese in die Wege leitete. Er plant den Bau eines kleinen Museums in der Nähe der Friedhofskapelle, in der sich das Werk ursprünglich befand - eine Lösung, die der Bischof für unzulänglich hält.

Der erste Gerichtstermin ist für 12. November geplant. Die Rechtsanwälte beider Seiten machen sich auf einen scharfen Kampf über die Zukunft des Bildes gefasst. (APA)

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    Madonna del parto, 1467 Santa Maria a Nomentana, Monterchi

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