Töchter in Männerdomänen

25. April 2003, 12:38
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Am "Töchtertag" schnuppern Mädchen in "typische" Männerberufe hinein - Stellen sich bei der Feuerwehr den Flammen oder bei den Lebensmittelprüfern ihre Sinne auf die Probe

Wien – Eine Stichflamme schlägt aus einem Rohr in die Halle, die kleinsten Mädchen heben die Arme schützend vors Gesicht. Zwei Feuerwehrmänner mit Atemschutz gehen vor; der eine löscht das Feuer, der andere schließt das Ventil. Brand aus.

Bei einigen der 20 Mädchen leuchten die Augen, andere schauen ausgesprochen skeptisch drein. Das mit dem Klettern auf der Leiter ist kaum ein Problem – es geht nur in den zweiten Stock und die Sicherung wirkt Vertrauen erweckend. Anders die luftige Fahrt auf der Hebebühne – bis in 30 Meter Höhe. "Oh mein Gott! Ich will da runter!"

Für manche ein sicher ernüchternder Versuch – für andere wird die Hauptfeuerwache Floridsdorf hingegen als Faszinosum in Erinnerung bleiben. "Offensichtlich gibt es eine gewisse Scheu bei den Mädchen oder bei ihren Eltern. Denn die Bewerbungen von Frauen sind ausgesprochen spärlich", erklärt Wiens Branddirektor Friedrich Perner. "Vielleicht hilft dieser Tag ja ein wenig, diese Scheu zu nehmen."

Es ist der zweite "Töchtertag" in Wien, bei dem Mädchen die Gelegenheit gegeben wird, einmal in immer noch frauenuntypische Berufe hineinzuschnuppern. Im Vorjahr hatte nur die Siemens AG Österreich versuchsweise ihre Pforten geöffnet. Heuer sind bereits insgesamt 17 Betriebe dabei. Von ÖBB und DDSG über IBM und der Toifl Hoch- und Tiefbau GmbH bis hin zur Lebensmitteluntersuchungsanstalt.

Mit den Sinnen testen

Dort geht es weniger spektakulär – aber dafür umso sinnlicher zu. 15 Mädchen sitzen in weißen Mänteln an den Tischen, um auszuprobieren, wie ihre Sinne bei der Untersuchung von Lebensmitteln eingesetzt werden können.

Da können auch die Ohren wichtig werden, beim Test, ob eine Semmel frisch kracht. Oder ob beim Öffnen einer überstandigen Rollmopsdose Gase rauszischen. Wenn etwas ranzig ist – dann nimmt man das als "seifig" im Mund wahr. Und das ist ein Tast- und kein Geschmacksgefühl.

Dann der erste Sensoriktest: Die Mädchen halten sich die Nase zu und kosten ein weißes Pulver. Es schmeckt süß. Es ist Zucker. Dann erst wird wieder die Nase geöffnet und geschnuppert – auf einmal ist es Vanillezucker. Da man Vanille als Geruchsstoff nicht schmeckt.

Wobei die Lebensmitteluntersuchungsanstalt (MA 38) selbst an sich gar nicht mehr ein frauenuntypischer Ort ist. "Von unseren 64 Mitarbeitern sind fast 50 Prozent Frauen", berichtet Direktorin Maria Safer, selbst ein Indiz dafür, dass es zumindest in dieser Magistratsabteilung keine gläserne Decke für Frauen zu geben scheint. (DER STANDARD, Printausgabe 25.04.2003)

Von Roman Freihsl
  • Am Wiener Töchtertag 2003 können Mädchen im Alter von 11 bis 16 Jahren drei verschiedene Berufsbilder bei den ÖBB erleben.
    ots.at
    Am Wiener Töchtertag 2003 können Mädchen im Alter von 11 bis 16 Jahren drei verschiedene Berufsbilder bei den ÖBB erleben.
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