Wien: Mordversuch an 16-jährigen Asylanten kurz vor Drogenrazzia

24. April 2003, 19:54
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140 Beamten durchsuchten ein Wohnheim in Favoriten - 23 Festnahmen

Wien - 23 Festgenommene, 300 Suchtgift-Kugeln: Diese Bilanz zog die Wiener Polizei am Donnerstag, nach einer Suchtgiftrazzia. Einsatzort war ein Wohnheim in Favoriten.

Mordversuch an 16-Jährigem

Stunden vor dem Großeinsatz, Mittwoch gegen 22.30 Uhr, schleppte sich ein 16-jähriger Heimbewohner mit lebensgefährlichen Verletzungen zum Portier des Hauses. Der Streit zwischen den Asylwerbern endete beinahe tödlich. Der junge Mann,laut Polizei ein russischer Asylwerber, war von zwei Männern niedergestochen worden. Wociv P. hat Wunden an der linken Schulter und in der Brust erlitten.

Während der Portier die Rettung anrief, attackierten die beiden Männer den 16-Jährigen abermals. Der Heimangestellte konnte aber verhindern, dass dem Burschen weitere Verletzungen zugefügt wurden. Die Messerstecher konnten unerkannt die Flucht ergreifen.

Großeinsatz mit 140 Beamten

Der "gegen die offene Drogenkriminalität" gerichtete Großeinsatz mit 140 Beamten ging laut Wolfgang Preiszler vom Büro des Wiener Kriminaldirektors Roland Horngacher "reibungslos" über die Bühne. Wenige Stunden zuvor hatte es in dem Heim, unabhängig von der Razzia, einen beinahe tödlichen Streit zwischen Asylwerbern gegeben.

140 Beamte - Sicherheitswache, Wiener Einsatzgruppe Alarmabteilung (WEGA) und Fremdenpolizisten von der Kriminaldirektion 1 - begannen unter der Leitung von Oberstleutnant Michael Mimra, Kripo-Chef vom Kriminalkommissariat Süd, und dessen Beamten gegen 5.00 Uhr mit der Durchsuchung des Hauses in der Sonnwendgasse. Der Einsatz dauerte bis gegen 8.00 Uhr.

Wochenlang vorbereitet

Innerhalb von drei Stunden wurden 23 Männer, laut Preiszler Schwarzafrikaner im Alter von etwa 17 Jahren bis Mitte 30, unter dem Verdacht des Suchtgifthandels festgenommen. Dabei habe es keinerlei Widerstand gegeben, die wochenlang vorbereitete Aktion sei "in aller Ruhe" abgelaufen.

Streetrunner

Die Polizisten stellten rund 300 in die handelsüblichen "Kugeln" verpacktes Heroin und Kokain sicher. Zudem wurden insgesamt etwa 10.000 Euro Bargeld gefunden. Bei den Festgenommenen handle es sich samt und sonders um so genannte Streetrunner, die in vier- bis fünfköpfigen Gruppen organisiert gewesen seien. Den hinter dieser "offenen Szene" steckenden Drahtziehern und Drogenbeschaffern will das Kriminalamt Wien mit parallel geführten Strukturermittlungen auf die Spur kommen.(APA)

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