Alben voller Coverversionen ...

24. April 2003, 17:50
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... von Erasure, Nick Cave und Kevin Rowland

ERASURE
Other People's Songs
(Mute)
Vince Clarke und Martin L. Gore sorgten 1980 gemeinsam mit Sänger Dave Gahan und Andrew Fletcher mit Depeche Mode und dem Debüt Speak & Spell für eines der zentralen Statements des klassischen Synthie-Pop. Nachdem der federführende Clarke anschließend die Band verließ und Gore den Kompositions-Part bis heute streng in alleiniger Hand hält, galt Clarke erst im Duo mit Alison Moyet als Yazoo und schließlich mit Andy Bell als Erasure jahrzehntelang als Garant für synthetischen Pop mit hohem Soul-Anteil. Das aktuelle Erasure-Album Other People's Songs aus 2003, auf dem Clarke nicht viel mehr einfällt, als alte Hits von Peter Gabriel oder Elvis mit altbackenen Disco-Beats zu unterlegen, zeigt allerdings, dass auch Genies manchmal sehr, sehr müde sind.

NICK CAVE & THE BAD SEEDS
Kicking Against The Pricks
(Mute)
1986 stürmte im Linzer Posthof erstmals in Österreich ein Mann zu einem eisenharten Blues-Riff auf die Bühne, fiel auf die Knie und brüllte seine Sicht von John Lee Hookers I'm Gonna Kill That Woman. Nick Cave präsentierte sein nach dem Apokalypse-Rock mit The Birthday Party drittes Soloalbum, das nicht nur von Heroin überschattet war. Mit sanfteren Klängen, etwa während Caves Sichtung des alten Easy-Listening-Klassikers By The Time I Get To Phoenix wurde auch eines deutlich: Aus dem Brülltier wollte ein richtiger Sänger werden. Knapp zwei Jahrzehnte später muss man sagen: Operation geglückt - aber bitte keine hohen Noten! Nach wie vor eines der besten Cover-Alben aller Zeiten.

KEVIN ROWLAND
My Beauty
(Sony)
Der ehemalige Diktator der White-Soul-Neuerer Dexy's Midnight Runners galt immer schon als genial, aber auch als schwer verrückt. Dieses maßlose wie herzerweichende Solodebüt aus 1999 entstand nach jahrzehntelanger Kokainsucht sowie längerer Therapie. Es präsentierte den ehemaligen britischen Superstar sichtlich verwirrt. Nicht nur die Frauenkleider schockierten die Öffentlichkeit. Auch die Tatsache, dass hier mit Band und Streichorchester Whitney Houston oder die Monkees Richtung Soul gedeutet wurden, sorgte dafür, dass dieses Götteralbum heute schon wieder vergriffen ist. (DER STANDARD, Printausgabe, 25.4.2003)

Von
Christian Schachinger
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