Deutsche Bank schockt mit Gewinnwarnung

24. April 2003, 19:41
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Wegen Abschreibungen mit Quartalsverlust - Minus von 200 Millionen Euro vor allem durch Gerling

Frankfurt - Hohe Abschreibungen auf Wertpapierbestände haben der Deutschen Bank das ansonsten gute Geschäft der ersten drei Monate verdorben. Für das erste Quartal gehe das Institut von einem Nettoverlust von rund 200 Mio. Euro aus, teilte Deutschlands größtes Geldhaus am Donnerstag in Frankfurt am Main mit. Größter Verlustbringer war demnach der Versicherungskonzern Gerling, an dem die Deutsche Bank zu knapp 35 Prozent beteiligt ist. Damit schreibt die Bank im dritten Quartal in Folge einen Verlust. Die Börse zeigte sich überrascht von den hohen Wertberichtigungen.

Vor Steuern konnte die Deutsche Bank im ersten Quartal noch schwarze Zahlen schreiben: Ohne Sondereinflüsse belief sich der Gewinn hier auf 950 Mio. Euro. Dies waren gut 70 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Nach Angaben der Bank summierten sich die Verluste aus Beteiligungen im Zeitraum von Januar bis März auf insgesamt 725 Mio. Euro. Unbereinigt betrug das Vorsteuerergebnis damit rund 225 Mio. Euro. Noch Ende März hatte Konzernchef Josef Ackermann betont, 2003 habe für die Deutsche Bank "gut begonnen", nachdem die Bank im vergangenen Jahr einen Nettogewinn von 397 Mio. Euro erwirtschaftet hatte.

Vollkommene Überraschung

Die vollkommen überraschende Bekanntgabe eines Quartalsverlustes hatte die Bank nach eigenen Angaben einkalkuliert. Das Geldinstitut habe ein starkes Ergebnis aus dem laufenden Geschäft vorzuweisen, sagte Unternehmenssprecher Ronald Weichert. Damit lag es teilweise weit über den Erwartungen der Analysten. "Wir wollten das Ergebnis nutzen, um nötige Wertberichtigungen auf unsere Beteiligungen vorzunehmen", begründete Weichert die Schock-Strategie des Unternehmens.

Beteiligungsverluste und Abschreibungen auf Wertpapiere schlugen der Bank zufolge mit 1,225 Mrd. Euro zu Buche. Darin seien rund 625 Mio. Euro aus Aktien-Beteiligungen enthalten. Dabei handele es sich vornehmlich um Abschreibungen auf die Gerling-Konzern Versicherungs-Beteiligungs-AG. Seit rund einem Jahr sucht die Deutsche Bank vergeblich nach einem Käufer für ihren Anteil an dem defizitären Kölner Versicherungskonzern. Im vergangenen Jahr musste die Bank auf ihre Gerling-Beteiligung bereits 700 Mio. Euro abschreiben.

Verlustreiche Wertpapiere

Weitere Belastungen in Höhe von fast 400 Mio. Euro resultierten aus Wertpapieren, die "in Folge der andauernden Schwäche der Aktienmärkte" nicht zu einem akzeptablen Preis verkauft werden konnten. Der größte Teil dieser Abschreibungen entfiel auf den Anteilsbesitz der Bank an EFG Eurobank, Fiat und mg technologies, teilte die Bank mit. Weitere 200 Mio. Euro Abschreibungen entfielen auf das Aktiengeschäft.

Teilweise wurden die Belastungen durch Nettogewinne in Höhe von rund 500 Mio. Euro aus der Veräußerung von Geschäftsfeldern kompensiert, wie die Bank erklärte. Diese stammen überwiegend aus dem Verkauf des Wertpapierverwahr und -verwaltungsgeschäfts. Daraus ergebe sich ein Netto-Verlust von insgesamt 725 Mio. Euro im ersten Quartal.

Die Zahlen des Branchenprimus versetzten die Börsianer am Morgen in Schrecken. Der Kurs der Deutsche Bank-Aktie rutschte nach Handelsbeginn an der Frankfurter Börse auf 46,39 Euro, ein Minus von 3,6 Prozent im Vergleich zum Vortagsschluss. Bis zum Nachmittag erholte sich das Papier dann wieder und lag gegen 13.00 Uhr bei 47,39. Dies entsprach noch einem Minus von 1,5 Prozent zum Mittwoch.(APA)

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