Ernüchternde Bilanz zum Friedensprozess in Guatemala

24. April 2003, 10:15
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UNO-Missionsleiter wirft Regierung Versäumnisse vor: Weder soziale und ethnische Gleichheit gefördert noch Armut und Kriminalität bekämpft

Guatemala-Stadt - Sechs Jahre nach dem Ende des Bürgerkrieges in Guatemala hat die Vertretung der Vereinten Nationen in dem mittelamerikanischen Land eine ernüchternde Bilanz gezogen. Die Regierung habe weder soziale und ethnische Gleichheit gefördert noch Armut und Kriminalität erfolgreich bekämpft, sagte UNO-Missionsleiter Tom Koenigs am gestrigen Mittwoch vor Journalisten in Guatemala-Stadt. Der Fall sei noch nicht verloren, Guatemala befinde sich aber auf dem falschen Weg, fügte er hinzu.

Anstieg der Kriminalität seit Bürgerkrieg hat kritisches Ausmaß erreicht

In dem Friedensvertrag zwischen der Regierung und den linksgerichteten, zum Großteil den Mayas angehörenden Rebellen waren rechtliche, wirtschaftliche und staatliche Reformen festgeschrieben worden. In dem Krieg von 1960 bis 1996 wurden nach Schätzungen 200.000 Menschen getötet oder verschwanden spurlos. Auch der reformierten Polizei werden Menschenrechtsverletzungen und Korruption vorgeworfen.

Der Anstieg der Kriminalität seit dem Bürgerkrieg hat laut Koenigs ein kritisches Ausmaß erreicht. "Ein Mangel an Sicherheit lässt die Guatemalteken nicht die Abwesenheit von Krieg fühlen", sagte er. Seine Vorwürfe an die Regierung von Präsident Alfonso Portillo werde er in einem Bericht für die jährliche Konferenz über den Friedensprozess am 13. und 14. Mai in der Hauptstadt zusammenfassen. (APA/AP)

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