Flaute lässt Siemens-Umsatz einbrechen

24. April 2003, 13:07
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Konzern setzt im im ersten Halbjahr um zwölf Prozent weniger um - Ertragskraft stabil - Weitere Einsparungen geplant

Bournemouth - Der Siemens-Konzern will sich mit weiteren Einsparungen gegen zum Teil heftige Einbrüche bei Umsatz und Auftragseingängen stemmen. "Wir beobachten mit Sorge die anhaltende Investitionszurückhaltung in unseren wesentlichen Märkten", sagte Siemens-Chef Heinrich von Pierer am Donnerstag im englischen Bournemouth.

"Unser konjunkturelles Umfeld ist insgesamt schwierig und wird sich auch im laufenden Jahr nicht wesentlich aufhellen. Wir werden die bereits eingeleiteten Maßnahmen und Programme entsprechend anpassen, sofern dies notwendig werden sollte", so Von Pierer. Verstärken will sich Siemens außerdem mit dem Kauf der Industrieturbinen-Sparte des französischen Alstom-Konzerns.

Keine konkreten Prognosen

Eine konkrete Prognose gab der Siemens-Chef erneut nicht. Er bekräftigte, im laufenden Jahr werde das Geschäftsvolumen sinken. Die Folgen des Irak-Krieges seien für Siemens nicht abzuschätzen. In Asien hätten sich durch die Lungenkrankheit SARS neue Unsicherheiten ergeben.

Im abgelaufenen Quartal konnte Siemens den operativen Gewinn der Bereiche entgegen den Analystenerwartungen bei knapp 1,1 Mrd. Euro trotz des rückläufigen Geschäfts stabil halten. Unter dem Strich ging der Überschuss deutlich zurück. Der Umsatz sank im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2002/03 (30. September) - verstärkt durch Währungseffekte - um 14 Prozent auf 18,2 Mrd. Euro. Der Auftragseingang ging noch etwas stärker auf 19,1 Mrd. Euro zurück. Dabei verzeichneten unter anderem die Mobilfunk-Sparte ICM, der Netzwerk-Bereich ICN und die Energieerzeugung einen deutlichen Rückgang der Bestellungen.

Weitere Einsparungen

Da eine konjunkturelle Belebung derzeit nicht in Sicht ist, will Siemens den Sparkurs verschärfen. "Wenn das Umfeld uns zur Anpassung der Ressourcen zwingt, dann müssen alle Stellen des Hauses einen Beitrag leisten", sagte Pierer. Bei IT- und Reisekosten, Weiterbildung und Ausgaben für Berater soll in den kommenden zwei bis drei Jahren eine Mrd. Euro eingespart werden.

Der Gewinn sank im Quartal von 1,3 auf knapp 0,6 Mrd. Euro. Im ersten Halbjahr ging der Überschuss von 1,8 auf knapp 1,1 Mrd. Euro zurück. Damit hielt sich Siemens besser, als die meisten Analysten erwartet hatten. "Ich meine, angesichts der schwierigen konjunkturellen Situation können wir trotz des Volumenrückgangs mit den ersten beiden Quartalen insgesamt zufrieden sein", sagte Pierer. Bis auf die Gebäudetechnik würden im Gesamtjahr alle Bereiche die gesetzten Rendite-Margen der "Operation 2003" annähernd erreichen oder übertreffen. Für fünf Bereiche waren allerdings die Ziele schon zuvor auf das Jahr 2004 verschoben worden.

Alstrom-Zukauf steht kurz bevor

Tief in den roten Zahlen steckte im zweiten Quartal als einziger Verlustbringer weiterhin ICN. Der Vorsteuerverlust sank nur leicht von 158 auf 147 Mio. Euro. ICM konnte das Ergebnis dagegen von 44 auf 55 Mio. Euro steigern. Allerdings sank der Handy-Absatz verglichen mit dem Vorjahreszeitraum von 8,3 auf 8,0 Mio. Euro. Der Auftragseingang bei ICM brach von 3,3 auf 2,3 Mrd. Euro ein. In der Energieerzeugung bekam Siemens das Ende des Sonderbooms in den USA zu spüren. Der Auftragseingang des Bereichs sank von 3,4 auf 2,2 Mrd. Euro. Der Gewinn brach von 450 auf 262 Mio. Euro ein. Fortschritte machte dagegen Siemens VDO Automotive; der Gewinn legte von 18 auf 119 Mio. Euro zu.

Der Kauf der Alstom-Industrieturbinensparte steht kurz bevor. Die Verhandlungen seien bereits weit fortgeschritten, sagte Pierer und bestätigte damit erstmals das Interesse von Siemens. Der Kaufpreis könnte laut Branchenschätzungen bei etwa einer Milliarde Euro liegen. Dies wäre ein knapper Jahresumsatz der Sparte.

Die Siemens-Aktie notierte am Vormittag wenige Cent im Minus bei 43,70 Euro und hielt sich damit besser als der Deutsche Aktienindex (Dax), der bis dahin 1,2 Prozent verlor. "Die Siemens-Zahlen sind durchwachsen. Das Ergebnis liegt zwar über den Erwartungen, aber der Ausblick ist sehr verhalten", sagte ein Händler in einer ersten Reaktion. (APA/dpa/Reuters)

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    Heinrich von Pierer muss auch einen Rückgang bei der Siemens-Mobilfunksparte hinnehmen.

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