Mehrheit Europas für mehr Waldschutz

24. April 2003, 12:35
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6.000 repräsentative Interviews wurden in zwölf Ländern durchgeführt

Wien - "Das europäische Naturerbe ist nur über gut gemanagte Waldschutzgebiete zu erhalten", meint Gerald Steindlegger vom World Wide Fund for Nature (WWF) - und bekommt dafür Rückendeckung durch eine aktuelle Umfrage: Satte 93 Prozent der Europäer treten für mehr Waldschutz ein, 80 Prozent wünschen sich zusätzliche Reservate für "Bruder Baum" wie etwa Nationalparks.

Diese Ergebnisse legen die Latte für die Teilnehmer der vierten Ministerkonferenz zum Schutz der europäischen Wälder (MCPFE), die vom 28. bis 30. April in Wien stattfindet, sehr hoch. WWF-Delegierter Steindlegger: "Leider scheinen die europäischen Forstminister - wenn wir uns die Vorbereitungen zur MCPFE anschauen - diese Ansicht nicht zu teilen, sondern sich immer mehr vom Schutzgedanken zu entfernen."

Auftrag

Der WWF sieht die Umfrageergebnisse auch als Auftrag für den zuständigen Forstminister Josef Pröll (V). Die Frage "Sollten mehr Wälder in Österreich als Waldschutzgebiete geschützt werden?" beantworteten 70 Prozent mit Ja, nur ein Zehntel kann sich damit nicht anfreunden. Baumaßnahmen wie Straßen oder Skigebiete in Waldschutzgebieten lehnen 62 Prozent der Österreicher ab, lediglich 15 Prozent befürworten eine entsprechende Erlaubnis.

"Damit unterstützt die Mehrheit der Österreicher unsere Forderungen nach einem Erschließungsstopp in Schutzgebieten, während gleichzeitig Freizeitaktivitäten wie Wandern den Bedürfnissen der Menschen entgegenkommen", so Steindlegger. Ressortchef Pröll habe die Chance, über die Errichtung und Erweiterung von Nationalparks sowie über eine Vergrößerung des Naturwaldreservateprogramms, diesem Wunsch der Bevölkerung nachzukommen. "Gerade als Gastgeber der Konferenz sollte er mit gutem Beispiel im Waldschutz voran gehen."

Kritik zurückgewiesen

Minister Josef Pröll aufzufordern, für den Wald aktiv zu werden und Aufträge zu formulieren, sei eine verspätete und unnotwendige Aktion des WWF, reagierte das Landwirtschaftsministerium auf die Kritik der Umweltorganisation. "Offenbar hat der WWF verschlafen, dass Pröll erst vor kurzem den Startschuss zu einem breiten österreichischen Walddialog gegeben hat", hieß es in einer Aussendung. Genau dort könne und solle der World Wide Fund For Nature seine Anliegen für den Wald einbringen.

"Die Teilnahme an konstruktiven Gestaltungsprozessen war für NGOs und damit auch für den WWF noch nie so groß wie jetzt", argumentierte das Ministerium. Auch zur 4. Europäischen Forstminister-Konferenz zum Schutz der Wälder in Europa habe der Vorsitzende, Minister Pröll, die Organisationen eingeladen, sich am Diskussionsprozess zu beteiligen.

Verwunderung

Der WWF zeigte sich verwundert über die Kritik aus dem Forstministerium. Gerald Steindlegger: "Wir nehmen gerne am Walddialog teil, aber das wird uns auch in Zukunft nicht daran hindern, die Wünsche der Bevölkerung auch öffentlich zu artikulieren. Wir sehen das als Aufgabe der unabhängigen NGOs."

In zwölf Ländern - Schweden, Großbritannien, Frankreich, Polen, Lettland, Slowakei, Rumänien, Türkei, Griechenland, Tschechien, Norwegen und Österreich - wurden 6.000 repräsentative Interviews durchgeführt. Die Umfrageergebnisse sollten nun laut WWF von den europäischen Waldministern ernst genommen werden. (APA)

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