Rumsfeld: Keine Regierung nach iranischem Muster

25. April 2003, 14:12
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Schiitische Religionsgelehrte haben inoffiziell bereits staatliche Funktionen übernommen - Washington warnt Iran

Washington - Die USA werden nach den Worten von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld im Irak keine theokratische Regierung nach iranischem Muster zulassen. Ansonsten seien die Iraker jedoch frei, ihre eigene Regierung zu bilden, sagte Rumsfeld am Donnerstag in einem Interview der Nachrichtenagentur AP.

"Sie können sich vorstellen, wie wir über eine Regierung nach iranischem Muster denken, in der ein paar Geistliche das Land beherrschen. Die Antwort ist: Das wird nicht geschehen." Die USA haben dem Iran bereits vorgeworfen, sich in die Angelegenheiten des Nachbarlands Irak einzumischen.

Chaos

Während die USA im Irak erste Schritte zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung unternehmen, haben die Anhänger der schiitischen Religionsgelehrten inoffiziell bereits vereinzelt staatliche Funktionen übernommen. Der von ihnen organisierte reibungslose Ablauf der religiösen Zeremonien in Kerbala diese Woche beweise, dass die Irakis sehr wohl in der Lage seien, ihre Angelegenheiten ohne die Amerikaner zu regeln, zitierte ein im Irak zu empfangender arabischer Radiosender aus dem Iran am Donnerstag einen Sprecher des "Obersten Rates für die Islamische Revolution im Irak" (SCIRI). Die Kämpfer der Gruppe, die Angehörigen der so genannten Badr-Brigaden, hielten sich bereits überall im Irak auf.

Washington droht dem Iran

Während des Krieges hatte Washington erklärt, die im Iran ausgebildeten Kämpfer der Badr-Brigaden dürften nicht in das Kampfgeschehen eingreifen, auch nicht gegen die Einheiten des Regimes von Präsident Saddam Hussein. Am Mittwoch warnten die USA die iranische Regierung vor einer Einmischung in die Angelegenheiten des Irak. Als Beispiel für Teherans Verhalten nannte der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, Berichte, wonach iranische Agenten im Irak versuchten, die Schiiten im Süden des Landes zu beeinflussen.

SCIRI-Anhänger kontrollierten Kerbala während der religiösen Feierlichkeiten

Während der religiösen Feierlichkeiten der Schiiten in Kerbala hatten die SCIRI-Anhänger und Gefolgsleute anderer Geistlicher in der Stadt die Kontrolle übernommen. US-Soldaten waren in der Umgebung der südlich von Bagdad gelegenen Stadt nicht zu sehen gewesen. Die schiitischen Geistlichen haben inzwischen auch die Rückgabe eines Teils der Güter organisiert, die von Plünderern seit dem Einmarsch der Amerikaner aus öffentlichen Gebäuden, Krankenhäusern, Privathäusern und Geschäften gestohlen worden waren. Außerdem haben sie die Verteilung von Nahrungsmitteln an besonders Bedürftige gestartet.

SCIRI, die stärkste Schiitengruppe, will keinen Vertreter zu dem für Samstag geplanten gesamtirakischen Treffen unter US-Aufsicht in Bagdad schicken. Schiitische Spezialkräfte aus dem Iran dringen nach Informationen der "New York Times" zur Unterstützung ihrer Glaubensgemeinschaft im Südirak ein. Während der großen Pilgerfahrt nach Kerbala seien Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden (Pasdaran) in den Irak gekommen, berichtete die US-Zeitung unter Berufung auf US-Geheimdienstberichte. Bei einer Machtübernahme der schiitischen Bevölkerungsmehrheit nach iranischem Vorbild befürchteten die USA eine Radikalisierung in Bagdad, sagte ein US-Regierungsbeamter der Zeitung.

Die im Irak operierenden iranischen Volks-Mujaheddin erklärten am Mittwoch, es würden sich 14.000 Pasdaran auf irakischem Staatsgebiet aufhalten. Die US-geführten Invasionsstreitkräfte im Irak hatten am Dienstag mit den auf der US-Liste terroristischer Organisationen stehenden iranischen Volks-Mujaheddin einen Waffenstillstand geschlossen. In Teheran hatte der Oberkommandierende der islamischen Revolutionsgarden (Pasdaran), Yahya Rahim Safavi, die USA aufgefordert, den Führer der Volks-Mujaheddin ("Nationaler Widerstandsrat Iran"), Massud Rajavi, unverzüglich an den Iran auszuliefern, "um zu beweisen, dass ihr Kampf gegen den internationalen Terrorismus glaubwürdig ist." (APA/dpa)

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    Die USA werden laut Verteidigungsminister Donald Rumsfeld im Irak keine theokratische Regierung nach iranischem Muster zulassen.

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