Maxim Biller in der Warteschleife

23. April 2003, 21:24
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Einstweilige Verfügung gegen Roman "Esra" bestätigt

München - Der Roman "Esra" von Maxim Biller (FAZ-Kolumnist und Buchautor - "Land der Väter und Verräter", "Harlem Holocaust", "Die Tochter") kommt vorläufig nicht auf den Markt. Das Landgericht München I hat am Mittwoch seine im März erlassene Einstweilige Verfügung gegen das Buch bestätigt und die Beschwerde des Kölner Verlags Kiepenheuer & Witsch zurückgewiesen.

Die 9. Zivilkammer begründete ihre Entscheidung mit der Verletzung der Persönlichkeitsrechte von Billers Ex-Freundin und deren Mutter. Dies sei von der Kunstfreiheit nicht gedeckt. In "Esra" geht es um die Liebe eines jungen Schriftsteller namens Adam zu Esra, die aber immer mehr zögert, je größer die Leidenschaft Adams wird.

"... bis hin zur Siamkatze"

Der Roman geht auf eine eineinhalbjährige Beziehung des Autors zurück. Dabei ging der Schriftsteller nach Auffassung des Gerichts zu weit. Biller habe Familienverhältnisse und Örtlichkeiten "eins zu eins übernommen, bis hin zur Siamkatze". Die Romanheldin ist Filmpreisträgerin wie Billers Ex-Geliebte, die Mutter im Buch wie in der Wirklichkeit Trägerin des alternativen Nobelpreises und in dritter Ehe verheiratet.

KiWi-Geschäftsführer Helge Malchow und Verlags-Anwalt Sven Krüger kündigten Berufung zum Oberlandesgericht an. Der durchschnittliche Leser könne die beiden Frauen nicht erkennen, argumentierte der Anwalt. "Sie bringen mit einer Entscheidung gegen uns jeden Autor und jeden Verleger in eine prekäre Situation und schränken die künstlerische Freiheit ein", meinte Geschäftsführer Malchow. (APA/dpa)

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