Vergleich im Linzer "Freischütz"-Streit

23. April 2003, 20:49
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Landestheater und Kurt Palm wurden außergerichtlich einig

Linz - Mit einem Vergleich endete am Mittwoch beim Landesgericht Linz der Urheberrechtsstreit zwischen dem Regisseur Kurt Palm und dem Linzer Landestheater, wonach in einem gemeinsamen Statement die Angelegenheit als "für beide Seiten befriedigende Weise gelöst" bezeichnetet wurde.

Es ging um Palms Inszenierung des "Freischütz". Das Landestheater hatte Ausschnitte aus dieser Inszenierung vor Schülern gezeigt, ohne Palm zu kontaktieren. Darin hatte dieser einen unerlaubten Eingriff in seine Rechte gesehen.

1.500 Euro an Palm, 1.500 an Obdachlose, 4.500 an Anwalt

Der Vergleich sieht unter anderem vor, dass Palm vom Landestheater 3.000 Euro bekommt, die Hälfte davon wird er für eine Linzer Einrichtung, die die Obdachlosen-Zeitschrift "Kupfermuckn" herausgibt, zur Verfügung stellen. Dazu erklärte sich das Landestheater bereit, die Kosten für Palms Anwalt zu übernehmen, das sind 4.500 Euro. Und das Landestheater wird die Erklärung abgeben, dass Palms Freischütz-Inszenierung "abgespielt" sei und nicht wieder aufgeführt werde. Eine Erklärung, deren genauer Text noch von Intendant Michael Klügl abgesegnet werden muss.

Schuld und Respekt

Bei der Verhandlung am Mittwoch war für das Theater dessen kaufmännischer Direktor Thomas Königstorfer anwesend. Er betonte, dass man jetzt dem Vergleich zustimme, bedeute in keiner Weise ein Eingeständnis irgendeiner Schuld des Theaters: "Wir haben aber großes Interesse an der Bereinigung der Angelegenheit". Das Landestheater habe korrekt gehandelt, betonte auch dessen Anwalt.

Kurt Palm unterstrich, ihm gehe es nicht ums Geld oder eine Entschädigung, "vielmehr war es eine Respektlosigkeit, dass man mich nicht einmal angerufen hat, als es darum ging, mein Werk wesentlich zu kürzen".

Der Anlass

Der jetzt mit dem Vergleich beendete Rechtsstreit hatte sich bereits über Monate hingegezogen. Kurt Palm hatte in der Spielzeit 2000/2001 am Linzer Landestheater die Weber-Oper "Der Freischütz" inszeniert und dabei auch eine Bearbeitung der Dialoge vorgenommen. Eine Spielzeit später erfolgte eine Wiederaufnahme dieser Inszenierung, schließlich wurden Teile daraus im Rahmen des Schülerprogramm des Landestheaters präsentiert.

Palm sah darin eine unzulässige Verkürzung und eine "rufschädigende Entstellung" seiner Arbeit als Regisseur. Das Landestheater wies diesen Vorwurf zurück, es sei üblich, dass im Rahmen des Schülerprogramms Ausschnitte aus aktuellen Produktionen zusammengestellt und gezeigt werden. (APA)

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