Kommentar: Eigennützige Beschützer

23. April 2003, 19:57
16 Postings

Prominente Banker sehen sich in der Rolle der Beschützer des Volkes - Von Karin Bauer

Die Österreicher sollen sich ihre Kredite lieber in Euro nehmen und dafür brav mindestens vier Prozent Zinsen zahlen, statt in Yen zu spekulieren. Dazu raten prominente Banker und sehen sich dabei in der Rolle der Beschützer des Volkes. Ein guter Auftritt, geht es doch darum, sich ex ante die Hände reinzuwaschen, sollten plötzlich mehrere Tausend Österreicher Pleite gehen. Dazu geht es den "Beschützern" nicht nur um das Ausfallrisiko, sondern auch um das Geschäft: Denn je mehr Fremdwährungskredite aufgenommen werden, desto mehr versiegt die Einnahmequelle der Banken, die Zinsspanne. Sie verdienen dabei an der Differenz zwischen Einlagezinsen (0,5 Prozent) und Kreditzinsen (vier Prozent). Fremdwährungskredite bringen wenig und sind sehr betreuungsintensiv.

Beim Yen-Kredit fällt für die Kunden knapp ein Drittel der Zinsen an, zudem zahlt sich durch die Chance auf Verfall des Yen gegenüber dem Euro ein Teil der Schulden selbst zurück. Von Juni 2001 bis heute waren das 30 Prozent.

Die Republik, die mit zusammen 15 Milliarden in Fremdwährungen verschuldet ist, und die heimischen Unternehmen mit ihren Währungsstrategien profitieren davon. Der Private soll davor bewahrt werden? Das ist seltsam.

Private haben genug Möglichkeiten, sich selbst zu schützen: Das Risiko steigender Zinsen in der Fremdwährung kann mit einem Zinscap, also einer Versicherung gegen steigende Zinsen, abgefangen werden. Wer auch noch sein Währungsrisiko absichern will, kauft sich einen Optionsschein. Bei adäquater Beratung ist das zu schaffen. Selbst wenn dafür Zusatzkosten entstehen: immer noch besser als ein teurer Euro-Kredit, an dem nur die Bank verdient. Gut für mündige Konsumenten. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 24.4.2003)

Share if you care.