"Palästinenserpräsident" oder "palästinensischer Premier"

23. April 2003, 19:11
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Eigenwillige deutsche Arafat-Titulatur sollte Israelis beschwichtigen und bewirkte das Gegenteil

Ramallah/Wien - Während der neue Regierungschef Mahmud Abbas (Abu Mazen) von den deutschsprachigen Nachrichtenagenturen als "palästinensischer Ministerpräsident" bezeichnet wird, hat Yasser Arafat offenbar keinen Anspruch auf das Eigenschaftswort "palästinensisch". Er wird hartnäckig "Palästinenserpräsident" genannt. In englisch- bzw. französischsprachigen Meldungen ist dagegen sehr wohl von "Palestinian President" bzw. "president palestinien oder president de l'autorite palestinienne" die Rede.

Die deutschen Erfinder dieses adjektivlosen Titulatur-Unfugs wollten den israelischen Vorbehalten Rechnung tragen, dass es keinen souveränen palästinensischen Staat gebe (als ob die Bezeichnung "der bayerische Ministerpräsident" etwas über die Souveränität Bayerns aussagen würde).

Israel würde sich Bezeichnung "PLO-Führer" oder "Autonomiechef" wünschen

Was aber als Herabsetzung gedacht war, ist keine. In Wirklichkeit sind israelische Politiker mit "Palästinenserpräsident" überhaupt nicht glücklich. Dieser Titel drücke aus, dass Arafat der Präsident aller Palästinenser sei und nicht nur Chef der Autonomiebehörde für das Westjordanland und den Gaza-Streifen. (Auch Napoleon führte den Titel "Kaiser der Franzosen"). Deswegen wird von israelischer Seite Wert darauf gelegt, Arafat nur als "PLO-Führer" oder "Autonomiechef" zu bezeichnen.

Den arabischen Titel "Rais" führt Arafat sowohl als PLO-Vorsitzender wie auch als palästinensischer Präsident. (APA)

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    Yasser Arafat hat offenbar keinen Anspruch auf das Eigenschaftswort "palästinensisch".

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