Durchbruch mit Zootieren

23. April 2003, 19:32
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Die Tierbilder von Ludwig Heinrich Jungnickel - in Wien ausgestellt bei Claudia Kovacek und Sophie Zetter-Schwaiger

Wien - Erst durch die Kunst wissen wir, wie viele Löwen in dem einen Löwen der Natur verborgen schlummern, schrieb einst ein deutscher Kunstkritiker. Ludwig Heinrich Jungnickel (1881-1965) zählt mit seinen Tierdarstellungen in der Kunst des 20. Jahrhunderts zu einem der beliebtesten artifiziellen Dompteure. Das junge Kunsthändlerduo Claudia Kovacek und Sophie Zetter-Schwaiger widmen dem in Deutschland geborenen und später in Österreich wirkenden Künstler bis Ende Mai eine Ausstellung.

Die mehr als 100 Originale umfassende Präsentation bietet mit Zeichnungen, Aquarellen, Originalholzschnitten und Ölbildern einen repräsentativen Überblick über sein Schaffen. Nach der Ausbildung in München und in Wien schloss sich Jungnickel 25-jährig der Klimt-Gruppe an, deren Secessionismus seine künstlerische Entwicklung prägte.

Abseits singulärer Künstlerprioritäten gehörte die Darstellung von Tieren seit der für das 19. Jahrhundert charakteristischen Besinnung auf die Natur zum fixen Motivrepertoire. Gleichzeitig dienten Tierstudien und das Festhalten von Bewegungsabläufen der Ausbildung. Meistens arbeitete Jungnickel vor lebenden Modellen, oftmals in der Schönbrunner Menagerie oder auch im Zoo von Rom.

Den daraus entstandenen Farbholzschnitten und Lithografien verdankt er seinen Ruhm. Der große Durchbruch gelang 1909 mit der zehn Blätter umfassenden Serie Schönbrunner Tiertypen, die er im Handdruckverfahren auf kostbarem Japanpapier vervielfältigte. Gleich zur Eröffnung wechselte eines dieser seltenen Blätter den Besitzer - die Kämpfenden Hähne (€ 8000) stehen ebenso noch im Angebot der beiden Kunsthändlerinnen wie Originalentwürfe zur 1917 entstandenen Serie Tiere der Fabel (€ 800-1600).

Neben Landschaftsbildern aus den späteren Schaffensjahren, den spontan skizzierten oder drucktechnisch ausgefeilten Darstellungen der verschiedenen Gattungen liegt der motivische Schwerpunkt bei Eseln, Raubtieren und Katzen. Etwa die Kohlezeichnung der Serval (€ 2100), einer in Tansania ansässigen Wildkatze, verspielte oder schlafende Hauskätzchen, bis hin zu farbexpressiven Darstellungen in Öl, wie einer mit 18.000 Euro veranschlagten Wildkatze.

Nach dem ersten Weltkrieg konzentrierte sich Jungnickel auf Zeichnung und Malerei, da diese Techniken eine unmittelbarere und spontanere Umsetzung von Eindrücken ermöglichte. In der Motivik blieb er dem Reich der Fauna treu, öffnete Käfige und entriegelte museale Vitrinen. Ein Teil der auf dem europäischen Kunstmarkt herumstreunende Tierwelt hat sich jetzt in Wien versammelt. (kron/DER STANDARD, Printausgabe, 24.4.2003)

Service

Stallburggasse 2, 1010 Wien

  • Ein Teil der am Kunstmarkt streunenden Tierwelt wird vorübergehend in der Stallburggasse gehalten: Kovacek/ Zetter-Schwaiger zeigen die Menagerie Ludwig Heinrich Jungnickels.
    foto: kovacek/ zetter-schwaiger

    Ein Teil der am Kunstmarkt streunenden Tierwelt wird vorübergehend in der Stallburggasse gehalten: Kovacek/ Zetter-Schwaiger zeigen die Menagerie Ludwig Heinrich Jungnickels.

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