"Ach, du mein Vaterland!"

25. April 2003, 11:44
3 Postings

Zum Tod von Herbert Riehl-Heyse - er galt als einer der besten Journalisten Deutschlands

"Eine der dümmsten Angewohnheiten des Menschen ist es, ständig Bilanz ziehen zu wollen, mit endgültigen Urteilen und Ranglisten aller Art", schrieb Herbert Riehl-Heyse in seinem 1998 erschienenen Erinnerungsband "Ach, du mein Vaterland". Herbert Riehl-Heyse verfiel dieser Unart eines verkürzenden und Sorgfalt missachtenden Journalismus nie.

Riehl-Heyse, zuletzt leitender Redakteur der "Süddeutschen Zeitung" galt als einer der besten Journalisten Deutschlands. Geboren 1940 in Altötting, Bayern, studierte er Jura und war seit 1968 journalistisch tätig. Ab 1971 arbeitete er bei der "SZ", Anfang 1987 als stellvertretender Chefredakteur und Chefreporter. Zwei Jahre später wechselte er zum "Stern" nach Hamburg, von wo er recht bald wieder zur "SZ" zurückkehrte.

Journalistische Qualität, die Verantwortung der Verleger für das ungewöhnliche "Produkt" Medien und im Gegenzug die seiner Ansicht nach oft mangelhafte Selbstreflexion der schreibenden Zunft zählten zu Riehl-Heyses Anliegen. Spezifika der heimischen Medienlandschaft waren dem profunden Österreich-Kenner wohl vertraut. In dem Zusammenhang wurde er auch nicht müde, ein entscheidendes Problem dieser Medienlandschaft zu betonen: Die "Kronen Zeitung".

Deren Verleger Hans Dichand habe es geschafft, "dass inzwischen schon eine Generation jüngerer Leser herangewachsen ist, die glaubt, dass es sich bei diesem Blatt um eine richtige Zeitung handelt", meinte er im Vorjahr.

Herbert Riehl-Heyse ist im Alter von 62 Jahren einem Krebsleiden erlegen. (prie/DER STANDARD, Printausgabe, 24.4.2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Herbert Riehl-Heyse verstarb im Alter von 62 Jahren

Share if you care.