Bachlers Burg im "Alarmzustand"

23. April 2003, 21:11
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Budgetnöte beeinflussen den Spielplan des Burgtheaters: "Jetzt geht's wieder los, wirst schon sehen, Heidi ..."

Wien - Die Hoffnung auf eine Erhöhung der Basissubvention hat Burgtheaterdirektor Klaus Bachler längst aufgegeben. Einen Kommentar aber behielt er sich vor: für die Jahrespressekonferenz, die er am Mittwoch im Kasino am Schwarzenbergplatz gab.

Eine solche ist immer auch inszeniert. Diesmal sogar samt Bühnenbild: Auf die Wand hinter sich ließ Bachler einen Satz von Elfriede Jelineks Stück Das Werk projizieren: "Jetzt geht's wieder los, wirst schon sehen, Heidi ..."

Eine Kampfansage an die Kulturpolitiker, bei denen Bachler keine Theaterbegeisterung feststellen kann? Oder Sorge um einen neuen Kulturkampf? Der Direktor sprach trotz der Erfolge von einem "Alarmzustand" und kündigte mit offenem Kragen an, sich in keine Buß- und Bethaltung zu begeben, auch wenn ihm an der Tür zum Kunststaatssekretär der Satz entgegenschlägt: "Wir geben nichts."

Die Subvention bleibt also auch 2003 und 2004 gleich - und wird dann bereits seit einem Jahrzehnt nicht angehoben worden sein. Er, Bachler, sei daher zu Konsequenzen gezwungen. Zum Beispiel, dass Der Unbestechliche, bereits für diese Saison angekündigt, erst am 25. Oktober herauskommen wird. Oder dass eine große Produktion im Burgtheater gestrichen wird.

Auf das Kasino als Labor will Bachler hingegen nicht verzichten: Es wird von Heimo Zobernig zu einer variablen Blackbox umgestaltet. Vorgesehen sind die Erstaufführung von Neil LaButes Tag der Gnade (Oktober), eine Hommage an Werner Schwab mit Einaktern von Kathrin Röggla, Franzobel, Bernhard Studlar, Robert Woelfl und die Uraufführung eines Auftragswerks von René Pollesch.

Österreichische Dramatiker will man fördern (mit dem vielschichtigen Projekt Neues schreiben) und viele Österreicher aufführen: Im Akademietheater folgen Peter Handkes Untertagblues (Regie: Luc Bondy, Uraufführung am 14. 9.) und Gert Jonkes Chorphantasie (Premiere am 19. 9.), die als Koproduktion mit der Kulturhauptstadt am 17. Mai in Graz aus der Taufe gehoben wird.

Im Burgtheater gibt es vornehmlich Klassisches: Shakespeares Was ihr wollt (Andrea Breth, Premiere am 7. 9.), Gerhard Hauptmanns Vor Sonnenuntergang (Sebastian Hartmann, 3. 10.), Grillparzers Das goldene Vließ (Stephan Kimmig, Jänner 2004) und Schillers Don Carlos (April). Im Akademietheater inszeniert Anselm Weber Der Kissenmann von Martin McDonagh (November), Andrea Breth Die Ziege von Edward Albee (Dezember), Dimiter Gotscheff Salome von Oscar Wilde (März 2004), Thomas Ostermeier Baumeister Solness von Henrik Ibsen (Mai). Und Igor Bauersima bringt im Februar sein Stück Bérénice de Molière zur Uraufführung. (trenk/DER STANDARD, Printausgabe, 24.4.2003)

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    montage: derstandard.at
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