Kriegsschiffe gegen Flüchtlinge

23. April 2003, 20:40
posten

Australier bedrohen wegen Sars-Angst abgewiesene Vietnamesen

Canberra - Mehrere Menschenrechtsexperten sprechen von einer humanitären Katastrophe: Ein Fischerboot voll vietnamesicher Flüchtlinge hat am Ostermontag den Hafen Banjarmasin auf Borneo verlassen und ist seither nicht mehr gesehen worden. Indonesische Behörden hatten den 42 Passagieren Wasser und Verpflegung gegeben, sie aus Furcht vor der Lungenkrankheit Sars aber nicht an Land gelassen.

Den Berichten von Augenzeugen zufolge ist das Boot völlig überladen und nicht seetüchtig. Die Flüchtlinge hatten ausgesagt, sie wollten Australien erreichen, um bei ihren dort lebenden Verwandten zu wohnen.

Die Tageszeitung Sydney Morning Herald meldete am Mittwoch, in den Gewässern Indonesiens befinde sich ein zweites Flüchtlingsboot, dessen Insassen ebenfalls beabsichtigen, Australien zu erreichen. Jakarta bestätigte den Bericht.

Umkehr erzwingen

Der australische Einwanderungsminister Philip Ruddock entsandte zwei Kriegsschiffe in die Grenzgewässer zwischen Australien und Indonesien. Dort könnten die Boote zur Umkehr gezwungen werden, sagte Ruddock. Sei dies nicht möglich, würden die Passagiere in ein von australischen Behörden eingerichtetes Lager im Pazifikstaat Nauru gebracht.

Mit der jüngsten Entwicklung endet für Australien eine 20 Monate anhaltende Periode relativer Ruhe, nach der spektakulären Abweisung des mit afghanischen Flüchtlingen besetzten norwegischen Frachters "Tampa". Die sich nun abzeichnende Tragödie in den Grenzgewässern könnte die chronisch strapazierten Beziehungen zwischen den Nachbarn Australien und Indonesien weiter verschlechtern.

Laut Ruddock hatte sich die Regierung in Jakarta verpflichtet, Bootsflüchtlinge von der Reise nach Australien abzuhalten. Damit sollte dem Treiben der Menschenschmuggler Einhalt geboten werden.

Indonesiens Regierungsvertreter behaupten aber, die Flüchtlinge seien "nur auf der Durchreise" nach Australien. Ein Sprecher des indonesischen Außenministeriums meint, das Land habe deshalb "keine spezifische Verpflichtung, sie festzuhalten". (Urs Wälterlin aus Canberra, DER STANDARD Printausgabe 24.4.2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.