Bundesforste wollen 400 Leute abbauen

23. April 2003, 18:23
12 Postings

Im größten heimischen Waldbetrieb herrscht Kahlschlagstimmung

Wien - Das Personal der Österreichischen Bundesforste (ÖBf AG) überlegt derzeit den Aufstand: Der Vorstand des prosperierenden Unternehmens will bis zu 400 Leute abbauen und sich dadurch jährlich rund neun Millionen € Personalkosten sparen. Anstelle von 25 Forstbetrieben soll es künftig nur mehr "fünf oder zehn", anstelle von "150 Revierleitern nur mehr 100 bis 120" geben. Die Administration soll von 70 auf 15 Mitarbeiter geschrumpft werden. Insgesamt würde fast ein Viertel der derzeit 1300 Beschäftigten abgebaut.

Der Frust der Belegschaft ist heftig, deren Statements auf den hauseigenen Intranetseiten entsprechend deftig. Vor allem deshalb, weil der Vorstand in den vergangenen Monaten immer darauf hingewiesen hatte, dass nach dem Sanierungskurs der vergangenen Jahre der parallel dazu gelaufene Mitarbeiterabbau durch den Aufbau neuer Geschäftsfelder nicht nur gestoppt werde, sondern sogar neue Leute aufgenommen werden können. Nach den positiven Signalen ist die kalte Dusche für die Personalvertreter jetzt umso eisiger.

Vier Vorschläge

ÖBf-Pressesprecher Bernhard Schragl wiegelt auf Anfrage des Standard ab: "Es gibt vier Vorschläge, die jetzt breit diskutiert werden. Bis zum Sommer soll eine Entscheidung fallen." Den Personalvertretern freilich sticht bei jedem der vier Vorschläge ins Auge, dass "bei allen unterm Strich ein massiver Personalabbau herauskommt". Sie befürchten vor allem, dass "eine verantwortungsvolle Raumnutzung des Waldes mit solchen Maßnahmen langfristig nicht gesichert werden kann".

Stimmt nicht, hört man andererseits aus dem Unternehmen, auch mit nur mehr 850 oder 900 Leuten ist dies machbar. Man brauche zum Beispiel nicht 30 Materialverwaltungen.

Intensive Beratungen

Jetzt soll jedenfalls intensiv darüber beraten werden, was die Belegschaftsvertretung mittragen kann oder auch nicht. Bei einer gesteigerten Betriebsleistung um zwölf Prozent auf 175 Mio. Euro und einem Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) von 22,5 Mio. Euro (+22 Prozent) im Vorjahr sieht sie nämlich keine Notwendigkeit, "mit solchen Maßnahmen ein angepeiltes EGT von 35 Mio. Euro auf die Schnelle zu erzwingen". Auch wenn die ÖBf mit einem neuen Strategieprogramm "Horizont 2010" fahren, soll der Personalabbau dem Vernehmen nach nämlich bereits mit 1. 1. 2004 greifen.

Was die Mitarbeitervertreter außerdem befürchten, ist ein weiterer finanzieller Kahlschlag durch Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Der schielt nämlich nach wie vor auf die Rücklagen des größten heimischen Waldbewirtschafters. 2002 mussten die ÖBf insgesamt 72,6 Mio. Euro an die Himmelpfortgasse überweisen (und bekamen dafür elf Seen zur Bewirtschaftung). Heuer sollen es 140 Mio. Euro sein. (Monika Bachhofer, DER STANDARD Print-Ausgabe, 24.4.2003)

Share if you care.