Factbox: Freud und Leid beim Fremdgehen

23. April 2003, 18:15
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Was beim Geldausborgen jenseits eines klassischen Euro-Kredits zu beachte ist

Was zum Geldausborgen jenseits eines klassischen Euro-Kredits bei der Hausbank lockt sind die niedrigeren Zinsen und die Chance, dass die Fremdwährung gegenüber dem Euro an Wert verlieren kann, wodurch sich ein Teil der Schulden aus dieser Währungsdifferenz quasi selbst zurück- zahlt.

Franken-Kredite gibt es um rund zwei Prozent (die Hälfte des Niveaus bei Euro- Krediten), Yen-Kredite sind noch viel günstiger. Berechnet werden diese Zinssätze nach den Geldmarktzinsen, dazu kommt ein Aufschlag der Bank (rund 1,5 Prozent).

Durch Investment-Fonds besichert

Grundsätzlich wird bei der Aufnahme eines Fremdwährungskredites die gesamte Kreditsumme in einer ausländischen Währung, meist Yen oder Franken, konvertiert. Die Kreditnehmer verkaufen dann eine gewisse Summe der ausländischen Währung und erhalten dafür Euro. Einher geht damit die Verpflichtung, die Summe zur Tilgung in dieser Währung nachzukaufen. Als Besicherung werden oft Investmentfonds oder Lebensversicherungen eingesetzt. Verbreitet haben dieses Produkt vorwiegend Finanzberater, die mit Investmentfonds keine Geschäfte mehr machen konnten.

Yen-Kreditnehmer, die etwa im Juni 2001 eingestiegen sind, haben mit einem solchen Kredit durch den Verfall des Yen bis jetzt rund 30 Prozent ihrer Schulden "verdient". Das kann sich aber ins Gegenteil umkehren: Steigen Zinsen und Kurs der Fremdwährung, dann verteuert sich der Kredit exponenziell. Fällt dazu noch der Kurswert des Investmentfonds, dann kann statt eines neuen Hauses schnell ein Privatkonkurs am Ende eines Fremdwährungskredites stehen.

Hohe Eigenverantwortung

Kreditnehmern kommt bei diesem Finanzprodukt eine hohe Eigenverantwortung zu. Da aber Private selten Devisenhandelsexperten sind, ist das Um und Auf bei solchen Finanzierungen die ständige Beratung. Dazu gehört auch die Limitierung möglicher Verluste. Gestaltet werden kann das etwa durch Versicherungen gegen steigende Zinsen (Zinscaps) oder durch derivative Absicherungen auf der Währungsseite. Zudem sollten individuelle Möglichkeiten zum Umsteigen zwischen den Währungen vereinbart werden und die Gesamtkosten dafür klar auf dem Tisch liegen. (kbau/DER STANDARD Print-Ausgabe, 24.4.2003)

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